17 Stunden Fluglärm über dem Zollikerberg
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12. Februar 2026 – Wenn die Südstarts geradeaus bei Bise bewilligt werden, ist mit Fluglärm von 6 Uhr morgens bis 23.30 Uhr zu rechnen. Von 100 Flügen würden 70 über den Zollikerberg führen. Dies erfuhren gestern Abend rund 200 BesucherInnen bei einer Informationsveranstaltung in Zumikon.

VON RENE STAUBLI
Durch den Abend führte Zumikons Gemeindepräsident Stefan Bührer. Er ist Vorstandsmitglied des Fluglärmforums Süd, einer Vereinigung von 17 Zürcher Städten und Gemeinden, der auch Zollikon angehört. Seine Botschaft war klar: Wenn das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) die Südstarts bei Bise bewilligt, ist mit rund 350 lärmigen Abflügen pro Tag zu rechnen. Über 300’000 Menschen wären betroffen, ausserdem würden die Risiken massiv unterschätzt: «Man darf sich nicht ausmalen, was ein Absturz für Folgen hätte.»
Rund 70 Prozent der Südstarts würden über den Zollikerberg abgewickelt (siehe Grafik). Über Zumikon würden die meisten Flieger dann nach links Richtung Uster abbiegen. Weil die Flugwege bei den Starts im Vergleich zu den Landungen breiter gestreut sind, würden zusätzliche Bevölkerungsgruppen unter dem Lärmteppich leiden.
Kein Vertrauen in den Flughafen
Urban Scherrer, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – NEIN (VFSN), ist überzeugt, dass der Flughafen mit verdeckten Karten spielt. Es gehe ihm nicht, wie behauptet, primär um Verbesserungen bei der Sicherheit: «Der Flughafen will den Südstart geradeaus, damit er ihn zücken kann, wenn er ihn bei Kapazitätsengpässen braucht!»
Der Antrag des Flughafens geht zuerst ans BAZL, welches das neue Regime bewilligen oder ablehnen kann. Es muss auch das Gesuch um Entzug der aufschiebenden Wirkung beurteilen. Ein Entzug hätte zur Folge, dass der Flughafen die Südstarts unmittelbar nach der Bewilligung durch das BAZL einführen könnte. Gerichtsentscheide zu den mit Sicherheit zu erwartenden Rekursen müssten nicht abgewartet werden.
Scherrer geht davon aus, dass das BAZL dem Flughafen grünes Licht geben wird. Er hofft aber, dass die Südstarts geradeaus auf 18 Tage pro Jahr begrenzt werden und der Begriff «Bise» klar definiert wird, damit ihn der Flughafen nicht als Freipass missbrauchen kann. Wichtig sei nun, «dass möglichst viele Einsprachen von Gemeinden und Privatpersonen eingereicht werden, um in Bern ein Zeichen zu setzen!».
Einsprachen bis 17. Februar
Das Fluglärmforum Süd stellt Betroffenen eine Mustereinsprache zur Verfügung, die bis am 17. Februar (Poststempel) versendet werden muss. Darin heisst es, das Bedürfnis der Bevölkerung nach Schutz vor zusätzlicher Belastung sei gross. Das neue Regime dürfe nicht eingeführt werden, ehe die Beschwerden letztinstanzlich behandelt seien.
Weiter heisst es, das geplante neue Betriebsreglement ziele «einseitig und teils unter vorgeschobenen Sicherheitsüberlegungen» auf eine Kapazitätssteigerung des Flughafens «ohne Berücksichtigung der Auswirkungen auf Mensch und Natur» ab. Es gebe ausserdem «keine Flugroute, die mehr Menschen einem Absturzrisiko und dem maximal möglichen Fluglärm aussetzt als An- und Abflüge über dem dichtbesiedelten Süden». Die geplante Abflugroute sei deshalb «nicht genehmigungsfähig und zwingend zu überarbeiten». Es müssten auch Alternativen geprüft werden.
Im Fluglärmforum Süd sind nebst Zollikon folgende Zürcher Städte und Gemeinden vertreten: Zumikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg, Meilen, Uetikon a.S., Männedorf, Stäfa, Uster, Dübendorf, Fällanden, Egg, Greifensee, Maur, Volketswil und Wangen-Brüttisellen.

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