Die Angst vor dem Kampfhund

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13. Januar 2026 – «Es gibt Nachmittage, da spüre ich, wie mein Herz rasend schneller schlägt – und zwar nicht, weil ich jogge, sondern weil unser Nachbar mit seinem Hund die Strasse entlangkommt.» (3 Kommentare)

Kampfhund an der Leine
Kampfhund an der Leine

VON BIANKA LICHTENBERGER*

Es gibt Nachmittage, da spüre ich, wie mein Herz rasend schneller schlägt – und zwar nicht, weil ich jogge, sondern weil unser Nachbar mit seinem Hund die Strasse entlangkommt. Ein massiges Tier, gespanntes Halsband, die Lefzen leicht angehoben. Der Hund sagt nichts, aber er ‹spricht› sehr deutlich: Hier komme ich, fürchte dich.

Das Paradoxe: Eigentlich tut er nichts. Er beisst nicht, er springt nicht an mir hoch. Er steht nur da, angeleint, und strahlt eine Drohung aus, die alle Kinder und Erwachsenen im Umkreis verstehen. Reine Präsenz genügt. Sie verändert alles: den Spaziergang, den Schulweg, den Tonfall der Gespräche.

Vielleicht ist das die eigentliche Macht – nicht die Tat, sondern die Möglichkeit. Nicht die Attacke, sondern die Drohgebärde. Und vielleicht lernen wir gerade hier, wie verletzlich unsere Freiheit ist: Sie endet dort, wo Angst den Raum füllt.»

Bianka Lichtenberger hat Wirtschaftswissenschaften und Soziologie studiert. Als ausgebildete Wirtschaftsjournalistin hat sie für das «Handelsblatt», die «Wirtschaftswoche», das «Manager Magazin» und den «Spiegel» geschrieben. Sie bekleidete anschliessend Führungspositionen im Bereich globale Organisationsentwicklung bei Alusuisse-Lonza, Schindler, ABB und ist Professorin der Fachhochschule Graubünden. Sie sagt: «Wir leben in einer Welt, die uns je länger je mehr herausfordert.» In ihrer Kolumne wird sie sich solchen Brennpunkt-Themen widmen.

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Wo wurde dieser Hund gesichtet in Zollikon? Diese Rasse ist ein sog. «Listenhund» … eigentlich verboten im Kanton Zürich…. Als ehemalige Besitzerin von Staffordshire Bull Terriers – ebenfalls Listenhunde – kann ich versichern, dass es auf den Halter oder die Halterin ankommt, nicht auf den Hund selber. Wenn der Hund als Ego-Prothese dienen soll, ist Distanz angesagt, wenn der Hund durch seine Halter gut erzogen ist, sind es die liebsten Tiere!

Liebe Frau Gattiker, danke für Ihren fundierten Kommentar. Wir haben den Artikel mit einem Symbolbild illustriert, ohne zu wissen, um welche Rasse es sich handelt.

Danke für die Beschreibung der «stillen Macht». In der Praxis ist diese oft eher ein stilles Gebet, dass die Leine hält. Trotz Zürcher Rasseliste (gezeigter Hund wohl auch?) begegnen uns oft genug «Fifis», die physikalisch stärker sind als das Herrchen. Wenn das Kraftpaket entscheidet, «Hallo» zu sagen, werden viele Halter zu bloßen Passagieren ihrer Leine.
Weshalb braucht man überhaupt ein solches «Machttier»? Was sagt es über das Ego aus, wenn man sich nur mit potenzieller Gefahr an der Leine stark fühlt?
Besonders charmant ist der Hinweis, man dürfe keine Angst zeigen, da der Hund diese rieche. Das ist Realsatire. Muss ich beim Joggen in zen-buddhistische Starre verfallen, damit sich das Tier nicht provoziert fühlt? Nein. Angst ist erlaubt – zwangsweises Beschnuppern nicht, Raufsteigen und mehr erst recht nicht. Ich möchte mich frei bewegen, ohne ungefragt «abgecheckt» zu werden.
Es ist ironisch: Für leblose Waffen verlangen wir Psychotests. Für lebendige «Biowaffen» reicht oft der reine Optimismus des Halters. Wahre Freiheit wäre, wenn vorausschauender Respekt und genügend Armkraft den «Kampf» ums Trottoir oder den Waldweg für Erwachsene und Kinder überflüssig machen würden.

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