«Ich will das Miteinander fördern»

0 KOMMENTARE

20. Januar 2026 – David Sarasin hat eine klassische Management-Karriere im Bankenbereich vorzuweisen. Mit 58 Jahren setzt er nun auf eine – fast – völlig neue Karte: Er will Präsident der Schulpflege werden. Mit der FDP im Rücken geht er als Favorit ins Rennen.

David Sarasin auf dem Buechholz-Pausenplatz (Foto: ZN)
David Sarasin auf dem Buechholz-Pausenplatz (Foto: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

David Sarasin ist ein Mann des Geldes. Er arbeitete 20 Jahre bei der Regionalbank Linth, davon 12 Jahre als CEO. Als Berufseinsteiger hatte er auch die UBS kennen gelernt. Studiert hat er Finanz- und Rechnungswesen an der Hochschule St. Gallen. Im Alter von 55 Jahren wagte er eine Neuorientierung und verliess die Bank Linth. Wohin die Reise gehen sollte, war ihm anfangs nicht so ganz klar. Es reize ihn, «etwas Industrienäheres oder etwas im Stiftungsbereich zu machen», erklärte er dem «Höfner Volksblatt» seinen Abgang.

Inzwischen sind fast vier Jahre vergangen. Sarasin ist Schulpfleger in Zollikon geworden, dazu sitzt er im Stiftungsrat der Personalvorsorgestiftung der Gemeinde Zollikon und berät verschiedene Firmen. Welche, möchte er lieber nicht sagen. Nun will er den nächsten Karriereschritt machen. Nachdem er bisher Vizepräsident der Schulpflege war und das Dossier Finanzen betreute, möchte er jetzt – gemäss seiner Website – die «Weiterentwicklung unserer Schule als ‹primus inter pares› gestalten.» Er will also Schulpräsident werden.

Als Mann aus der Finanzwelt war es nur logisch, dass er sich auch in der Schulpflege in erster Linie mit Fragen rings ums Geld befasste. Gefragt, was er als seine persönlichen Verdienste innerhalb des Gremiums bezeichnen würde, zählt er denn auch folgende Leistungen auf: Er habe den Budgetierungsprozess für die Schule neu strukturiert und ihn dadurch effizienter gemacht. Dank dem «sehr regelmässigen Vergleich mit anderen Schulen» habe er erheben können, wo Zollikon zu teuer sei und Sparpotenzial habe. Dazu habe er ein neues Reglement für die Zusammenarbeit der Sekundarschulen Zollikon und Zumikon entworfen, das bereits von den Schulpflegen beider Gemeinden genehmigt worden sei. An der Erarbeitung des neuen Organisationsreglements für die ganze Schule, das im Februar letzten Jahres verabschiedet wurde, sei er ebenfalls massgeblich beteiligt gewesen.

Auf den Hinweis, all das töne ein bisschen papieren: Budget, Strukturen, Reglemente, eine Schule sei doch ein lebendiges Gebilde bestehend aus zahlreichen und sehr verschiedenen Beteiligten, ergänzt er, dass es selbstverständlich immer darum gehe, dem Organisationsreglement Leben einzuflössen.

An der Spitze der Bank Linth habe er bewiesen, dass er über Führungsfähigkeiten und strategisches Denken verfüge, Teams motivieren und Projekte anstossen und durchführen könne: «Wichtige Voraussetzungen», fasst er zusammen, «um auch ein Unternehmen wie die Schule Zollikon mit ihren 350 Mitarbeitenden und einem Budget von rund 40 Millionen Franken führen zu können.»

«Eine anspruchsvolle Zeit»

Nun war ja die Schule Zollikon in den letzten Jahren von verschiedenen Krisen betroffen: Rüterwis, Personalprobleme innerhalb der Schulverwaltung, Abbruch des Architekturwettbewerbs im Buechholz, weitverbreitete Kritik am Leiter Bildung. Sarasin nickt. Es sei eine «anspruchsvolle Zeit für die Schulpflege» gewesen.

Er räumt ein, dass insbesondere das Rüterwis «kein Meisterstück» gewesen sei: «Das ist wirklich nicht gut gelaufen.» Dass er und seine Kollegin Sonja Lier für dieses Schulhaus verantwortlich gewesen seien, lässt er so nicht gelten: «Da stand die gesamte Schulpflege in der Pflicht.» Sonja und er seien allein für die Besuche der Schule zuständig gewesen.

Was er als Erkenntnis aus diesem Fall mitnehme, sei, dass man als Schulpräsident schneller vor Ort sein, mehr Präsenz an einem so belasteten Ort zeigen und sich der Probleme aktiver annehmen müsse. Vielleicht seien sie damals als Gremium mit fünf neuen Mitgliedern auch «schlicht überfordert» gewesen und hätten die Situation unterschätzt.

Aktuell sei er auf «jeden Fall felsenfest überzeugt, dass wir mit Sabine Spahn und Oliver Suter eine tolle Schulleitung im Rüterwis haben.» Die beiden seien zwar immer noch etwas von der Aufarbeitung alter Baustellen absorbiert, «aber sie geben zweifellos ihr Bestes.»

Buechholz: «Mangelhafte Kooperation»

Wie schätzt er aus heutiger Sicht die peinliche Geschichte rings um den Architekturwettbewerb Buechholz ein? Zur Erinnerung: Sowohl die Fach- wie die Sachjuriy hatten sich einstimmig für das Projekt eines Zürcher Architekturbüros entschieden. In letzter Minute zogen Vertreter der Schule und des Gemeinderats die Reissleine und stoppten den Prozess. Die Gemeinde musste 200’000 Franken abschreiben. Weder die Schulpräsidentin Claudia Irniger noch ihr Vize und Finanzchef Sarasin noch Brigitte Eigenmann, zuständig in der Schulpflege für Immobilien, hatten in der Sachjury Einsitz  genommen. Sarasin betont, er habe nie eine Einladung in diese Jury erhalten. Gespräche mit Beteiligten zeigen, dass gleichwohl die Möglichkeit bestanden hätte dort mitzuwirken.

Sarasin spricht von einer «unglücklichen Folge der mangelhaften Kooperation von Schulpflege und Gemeinde». Im Nachhinein sei man halt immer gescheiter. Entscheidend sei, dass man künftig die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure im Umfeld der Schule, also von Eltern, Lehrpersonen, Schulpflege und der Gemeinde verbessern müsse. Zuständigkeiten müssten geklärt werden, «damit alle am gleichen Strick ziehen und das ‹Miteinander› gestärkt werde.

Diese Aufgabe wolle er als Schulpräsident anpacken und darüber hinaus das Betreuungsangebot ausbauen, «freiwillige, flexible Tagesstrukturen anbieten» und die Schulareale aller drei Zolliker Schulen «ganzheitlich und nachhaltig weiterentwickeln».

«Die Qualität der Schule stärken»

Angesichts der mittelmässigen Ergebnisse bei der Schulevaluation durch den Kanton seien ihm auch noch weitere Punkte wichtig. Ziel müsse zum einen sein, «die Schulqualität und den Lernerfolg unserer Kinder nachhaltig zu stärken». Zum andern gelte es, «die Schule Zollikon weiterhin als attraktive Arbeitgeberin zu positionieren: mit klaren Führungsstrukturen, einer guten Personalentwicklung und verlässlichen Rahmenbedingungen». Auf diese Weise sei es möglich, «auch in Zukunft engagierte Lehrkräfte und Fachpersonen zu gewinnen, zu fördern und langfristig zu halten».

Auf seiner eigens programmierten Wahlplattform wird Sarasin grundsätzlich: «Freiheit und Eigenverantwortung sind die Grundlagen einer starken und liberalen Gesellschaft. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, sein Potential zu entfalten und sein Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten. Die Basis dazu schafft unsere Volksschule und unser einmaliges, durchlässiges Aus- und Weiterbildungssystem. Die Schule muss unseren Kindern und Jugendlichen gute Startchancen bieten und sie inspirieren, ihre Träume verwirklichen.»

Kontrolliert, höflich und bedacht

Was würde er denn nach einer gewonnenen Wahl als Erstes machen? «Ein Glas Wein trinken und mit allen Anwesenden anstossen.» In der Folge wolle er dann mit allen neugewählten Schulpflegemitgliedern zusammensitzen und sich austauschen. Dann werde er sich Gedanken zur Organisation der Schulpflege machen, die erste Sitzung vorbereiten und Ideen zu den Legislaturzielen der Schule entwickeln.

Sarasin wirkt im Gespräch kontrolliert, höflich und bedacht darauf, sich keine Blösse zu geben. Seine Herkunft aus der Welt der Finanzen und Wirtschaft ist nach wie vor spürbar; er hat keine Kinder, hat auch nie mit Kindern gearbeitet und nimmt sich des Projekts Schule mehr aus der Warte eines CEOs an. Er betont, wie grossartig er es finde, dass die Zolliker Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 8. März zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kandidaten fürs Schulpräsidium und nicht weniger als acht Bewerberinnen und Bewerbern für die übrigen sechs Schulpflegesitze auswählen könnten. Das sei gelebte Demokratie.

Bei der Verabschiedung sagt er, er habe übrigens ein neues Hobby: Er backe Brot und Panettone aus Sauerteig. In der Bäckerei Vuaillat in Uster mache er die entsprechende Ausbildung, von der er total begeistert sei. In diesem Moment erlebt man den Kandidaten Sarasin locker und entspannt.

Wahlen 2026 auf einen Klick:

19.11.25: Zollikon steht vor einem heissen Wahlkampf
08.01.26: Störgeräusche im «Vatikan des Freisinns»
12.01.26: Marc Raggenbass (Kandidat für die RGPK und deren Präsidium)

Für die Schulpflege: Christian von Ballmoos, Rui Biagini, Brigitte Eigenmann-Gossauer, Philippe Klemenz, Sabine Knüsli, Sonja Lier, Andrea Linter, David Sarasin, Andreas Tschopp, Nicole Waechter

Für die RGPK: Iris Heeg, Felix M. Huber, Christopher Linter, Severin Luder, Daniel Oettli, Marc Raggenbass, Sandra Strickler, Thomas Winkler

………………..

Wenn Sie unseren wöchentlichen Gratis-Newsletter erhalten möchten, können Sie sich gerne hier anmelden. Sie können diesen Artikel auch in Ihrem Netzwerk teilen:

WIR FREUEN UNS ÜBER IHREN KOMMENTAR

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

fünfzehn − 10 =

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht