Ein Neuanfang mit Überraschungen

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21. Januar 2026 – Die Gastroszene in Zollikerberg dümpelt seit einiger Zeit vor sich hin. Kein «Wilder Kaiser» mehr, die «Alte Laterne» monatelang geschlossen, auch das Café am Puls wochenlang zu. Jetzt gibt es Hoffnung: Die «Alte Laterne» ist wieder da. Wir haben Francesco Miraldis Beiz getestet.

Pizza in Stücken, variabel belegt: Mozzarelline und Rucola (Fotos: ZN)
Pizza in Stücken, variabel belegt: Mozzarelline und Rucola (Fotos: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

Kaum haben wir uns gesetzt, geht es ruckzuck los. Vor uns landen drei kleine Teller mit Salat, etwas Rucola und feingeschnittener Eisberg an einer schmackhaften, sämigen Sauce. Etwas überrascht blicken wir uns an: ein Gruss aus der Küche? Keine Ahnung. Dazu gibt es knuspriges Weissbrot und ein Schälchen Olivenöl, das ausgezeichnet schmeckt.

Nach einem Blick in die Speisekarte wird klar, dass das Angebot an diesem Abend, erst dem dritten seit der Wiedereröffnung, limitiert ist: Pizza und sonst nichts. Warum nicht? Wir haben lange keine Pizza mehr gegessen. Ohne irgendein Zeichen von unserer Seite bringt Rolf Gränicher, das Kellner-Urgestein vom Zollikerberg, eine Portion kleiner Pizzastücke und schiebt jedem von uns eins auf die inzwischen vor uns stehenden Teller. Das Besondere an dieser Variante, so Gränicher, sei die neapoletanische Salami. Schmeckt lecker. Auch der Teig ist angenehm dünn und knusprig gebacken. Beizenchef Francesco Miraldi erklärt uns später, dass ihm seine Eltern, die in Fehraltorf selber ein Restaurant führen, den Teig liefern. Sein Geheimnis? Er dürfe 36 Stunden lang ruhen.

Was wir bestellen mussten, sind die Getränke: eine Flasche Bolgheri Rosso (84 Franken) und dazu einen Liter Mineralwasser (13 Franken). Der Wein ist gut: kräftig, erdig und gleichwohl versehen mit einer samtenen Note, die ihn sanft den Hals hinuntergleiten lässt. Miraldi erklärt uns, dass es ihm ein besonderes Anliegen war, eine gute, aber bezahlbare Variante dieses Spitzenweins aus dem malerischen Bolgheri, einem Dorf in der Toscana, aufzutreiben. Dabei sei er zufällig auch auf das Olivenöl gestossen, das ihn auf der Stelle begeistert habe. Das wolle etwas heissen, sei er doch aufgewachsen mit dem Öl seiner Eltern, das diese aus den Früchten der hauseigenen Olivenbäume gepresst hätten. Bisher habe es für ihn nur das und kein anderes gegeben.

Einfach köstlich!

Die nächste Runde Pizzastückchen steht an. Der Belag: Mozzarelline-Kügelchen, Rucola und das ganze verfeinert mit einem Hauch Knoblauch und ein, zwei Spritzern Olivenöl und Balsamicoessig. Köstlich!

Dann ist wieder Fleisch dran: Coppa, die – so erfahren wir – von Hand und nicht mit der elektrischen Maschine geschnitten werde, um ihren Geschmack unberührt zu lassen von der in der Maschine entstehenden Hitze. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass wir einen Unterschied feststellen würden. Der italienische Rohschinken auf knusprigem Pizzaboden schmeckt auf jeden Fall gut.

Langsam durchschauen wir das Prinzip, das unserem Essen zugrunde liegt. Wir sind natürlich alle daran gewöhnt, in anderen Restaurants eine Pizza mit dem bestellten Belag zu bekommen. Selbstverständlich ist auch, dass unsere Pizza auf’s Mal kommt: ein Teigrondell, das die unangenehme Eigenschaft hat, allzu schnell zu erkalten, was dazu führt, dass der Mozzarella zäh, ja, klumpig wird. Die Folge? Viele lassen einen erheblichen Teil ihrer Pizza auf dem Teller liegen.

Im Vergleich dazu ist Miraldis Idee, den Gästen kleine Stücke zu servieren, die mit wechselnden Zutaten belegt sind, originell, aber auch hilfreich. Keine kalte Pizza mehr und jedes Mal eine Überraschung: Was liegt wohl diesmal auf unseren Tellern? Für einmal ist es ein Teigdreieck versehen mit einer Portion würzigem Mascarpone. Auch Fisch darf nicht fehlen: die Pizza al Tonno, ergänzt mit ein paar Zwiebelringen, erfüllt die entsprechenden Wünsche.

Danach wird’s nochmals richtig fleischlich: Eine Kombination aus wunderbarem Parmaschinken und Rucola schmeckt köstlich. Den Schlusspunkt setzt eine Variante aus Bio-Champignons – auch Pilze sind im Programm – und Rohschinken.

Rohschinken und Bio-Champignons vervollständigen die Auswahl
Rohschinken und Bio-Champignons vervollständigen die Auswahl

Dann sind wir satt und zufrieden. Kein unangenehmes Völlegefühl, sondern sogar noch Platz für ein Dessert. Die Karte ist noch etwas bescheiden. Tiramisu, verspricht Miraldi, sei in Vorbereitung. So nehmen wir zweimal heisse Beeren mit Vanilleglace und einmal Caffé Affogato, eine Nachspeise, die  aus zwei Kugeln Vanilleglace besteht, die in heissem Espresso «ertränkt» («affogato») werden. Eine solide Wahl.

Die süsse Nachspeise: Vanilleglace mit heissen Beeren
Die süsse Nachspeise: Vanilleglace mit heissen Beeren
Zum Abschied offeriert uns der Chef einen starken Lemoncello
Zum Abschied offeriert uns der Chef einen starken Lemoncello

Wir verlassen die neue «Alte Laterne» und sind gespannt, was Miraldi in den kommenden Wochen und Monaten sonst noch an Neuerungen in der Pipeline hat.

Überrascht sind wir, als wir daheim einen Blick auf die Rechnung werfen: 99 Franken für dreimal Pizza (inkl. Brot, Olivenöl und Salat) sind nicht billig, gehen aber in Ordnung, 84 Franken für einen so feinen Wein muss man bezahlen. Aber 62 Franken für drei sehr konventionelle Desserts? Wir staunen und rechnen nach: Offensichtlich haben wir die doppelte Anzahl Portionen bezahlt. Auch die Administration muss sich noch einspielen. Wir melden uns bei Miraldi, und er bereinigt das Missgeschick umgehend.

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