Adrienne Suvada zieht ihre Kandidatur zurück

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26. Januar 2026 – Am Freitag sagte Adrienne Suvada, sie halte an ihrer Kandidatur für das Gemeindepräsidium fest. Dann sah sie die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens ein und kapitulierte. Oberste Priorität für die SVP war, die andern vier Kandidaturen nicht zu beschädigen. (1 Kommentar)

26. Januar 2026 – Am Freitag sagte Adrienne Suvada, sie halte an ihrer Kandidatur für das Gemeindepräsidium fest. Dann sah sie die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens ein und kapitulierte. Oberste Priorität für die SVP war, die andern vier Kandidaturen nicht zu beschädigen.

Adrienne Suvada letzte Woche vor der «Zolliker Stube» (Foto: ZN)
Adrienne Suvada letzte Woche vor der «Zolliker Stube» (Foto: ZN)

VON RENE STAUBLI

Am Freitag um 17.18 Uhr schrieb Adrienne Suvada auf eine entsprechende Frage der «ZollikerNews»: «Die Kandidatur wird aufrecht erhalten.» Die Überzeugung hielt nicht lange an. Suvada teilte dem Ortspräsidenten Bernhard Ecklin wenig später mit, sie ziehe ihre Kandidatur zurück. Es folgte eine Videokonferenz mit dem ganzen SVP-Vorstand, der ihren Entschluss akzeptierte und begrüsste.

Der Rückzug sei ihr nicht leicht gefallen, zitiert die SVP Zollikon Suvada in einer Medienmitteilung von heute Montagmorgen. Gleichzeitig erforderten die Umstände ihrer aktuellen beruflichen Situation ihre volle Konzentration. Am Freitag war bekannt geworden, dass die Gemeinde Erlenbach und Suvada, die dort als Gemeindeschreiberin angestellt ist, die Zusammenarbeit beenden.

Schaden abwenden

Drei Punkte waren laut Ecklin entscheidend für den Rückzug der Kandidatur: Schaden von den übrigen vier SVP-Kandidaten abzuwenden, Schaden von der Ortspartei abzuwenden und Suvada in Schutz zu nehmen. Die Medienberichte über die politischen Auseinandersetzungen in Erlenbach hätten wahrscheinlich endlose Kreise gezogen, sagt Ecklin. Die Sache sei so verkachelt gewesen, «dass nichts mehr zu gewinnen war». Man habe den Bezirkspräsidenten der SVP und den Kantonalpräsidenten Domenik Ledergerber informiert. Beide seien mit der Aufgabe der Kandidatur einverstanden gewesen.

Suvada hat ihre Website bereits vom Netz genommen. An der heutigen Kandidaten-Präsentation der SVP in der Aula Buechholz wird sie nicht mehr teilnehmen, damit der Abend nicht zu einer reinen «Erlenbach/Suvada»-Veranstaltung wird. Ecklin sagt, er werde im Namen des Vorstands eine Erklärung abgeben. Danach soll die Aufmerksamkeit den übrigen vier Kandidaten gelten.

Die Attraktion, dann der erste Riss

Der Fall Suvada wirft grundsätzliche Fragen auf. Sie hat einen Master in Kommunikation und zusätzlich einen Master of Law, kennt sich also auf beiden Gebieten aus. Dass sie in Zollikon nicht nur für den Gemeinderat kandidierte, sondern gleich noch fürs Präsidium, war ein kommunikativer Schachzug, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Eine junge Zollikerin, gut ausgebildet, mit einer bemerkenswerten Karriere, Gemeindeschreiberin im benachbarten Erlenbach, die aus dem Stand das Zolliker Gemeindepräsidium anstrebt – das war eine attraktive Geschichte.

Einen ersten Riss bekam ihre Strategie, als sie im Oktober im SVP-Blatt «Zürcher Bote» eine bissige Kolumne unter dem Titel «Linkes Erfolgsrezept im politischen Prozess» publizierte und sich über den Politstil der Linken mokierte. Bei den Zolliker Parteien links der Mitte – F5W, EVP, SP – kam der Text nicht allzu gut an. Ihr scheine nicht klar zu sein, hiess es, dass sie diesen Teil der Stimmbevölkerung zwingend brauche, um zumindest als Gemeinderätin gewählt zu werden.

Erbitterte Auseinandersetzung

Kam dazu, dass in Erlenbach seit mehr als einem Jahr eine erbitterte politische Auseinandersetzung stattfindet. Unter anderem reichten fünf ehemalige Gemeinderäte Strafanzeige gegen den amtierenden parteilosen Gemeindepräsidenten wegen übler Nachrede ein. Ins Visier geriet auch Suvada – einerseits wegen ihres Führungsstils, anderseits wegen der möglichen Doppelbelastung und Interessenkonflikte als Gemeindeschreiberin und Exekutivmitglied der benachbarten Gemeinde Zollikon.

In dieser aufgeladenen Situation entschied Suvada, sich mit den Medien anzulegen. Sie beauftragte eine Zürcher Anwaltskanzlei, gegen den Erlenbacher «Spatz», die «Zürichsee-Zeitung» und den «ZollikerZumikerBote» juristisch vorzugehen. Die Zeitungen hatten Recherchen zum Erlenbacher Konflikt angestellt. Der absehbar grosse Wirbel trug ihr unter anderem die Schlagzeile «Kandidatin fürs Gemeindepräsidium verpasst Medien einen Maulkorb» ein («Tages-Anzeiger»). Der Bumerang schlug mit voller Wucht bei ihr ein. Es stellt sich die Frage, warum Suvada von ihrem Umfeld nicht besser beraten wurde. Immerhin sitzt im Wahlkomitee SVP-Nationalrat Gregor Rutz, der in Zollikon die PR-Agentur Rutz & Partner betreibt.

Nach Suvadas Rücktritt ist der Kampf um das Zolliker Gemeindepräsidium schon sechs Wochen vor der Wahl gelaufen. Als einziger Kandidat verbleibt Gemeinderat Patrick Dümmler. Das mit Spannung erwartete Zusammentreffen mit Suvada am Podiumsgespräch des Quartiervereins vom Donnerstag fällt aus. Das Teilnehmerfeld im Gerensaal schrumpft auf vier Personen: Dümmler (FDP), Hermann Stern (GLP), der neuer Gemeinderat werden möchte, sowie David Sarasin (FDP) und Rui Biagini (GLP), die für das Schulpräsidium und damit für den siebten Gemeinderatssitz kandidieren.

Link auf die Medienmitteilung der SVP

Wahlen 2026 auf einen Klick:

19.11.25: Zollikon steht vor einem heissen Wahlkampf
08.01.26: Störgeräusche im «Vatikan des Freisinns»
12.01.26: Marc Raggenbass (Kandidat für die RGPK und das Präsidium)
20.01.26: David Sarasin (Kandidat für die Schulpflege und das Präsidium)
22.01.26: Rui Biagini (Kandidat für die Schulpflege und das Präsidium)

Für den Gemeinderat: Patrick Dümmler, Sandra Fischer, André Müller, Dorian Selz, Sylvie Sieger, Hermann Stern

Für die Schulpflege: Christian von Ballmoos, Rui Biagini, Brigitte Eigenmann-Gossauer, Philippe Klemenz, Sabine Knüsli, Sonja Lier, Andrea Linter, David Sarasin, Andreas Tschopp, Nicole Waechter

Für die RGPK: Iris Heeg, Felix M. Huber, Christopher Linter, Severin Luder, Daniel Oettli, Marc Raggenbass, Sandra Strickler, Thomas Winkler

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Der Explosion in Erlenbach, welche mit der Freistellung von A. Suvada ein vorläufiges Ende nahm, ging bereits bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur ein sichtbarer Schwelbrand voraus. Dass sich ein Wahlkomitee von einer Kandidatin blenden lässt, kann passieren. Aber wie das Finale in der Causa Suvada kommunikativ ablief, war unterirdisch!
HWV-Homepage zu Frau Suvada: «Im Bereich Kommunikation ist sie insbesondere spezialisiert auf den Bereich der Krisenkommunikation.» In diesem Fall kann man wohl von einer Katastrophenkommunikation sprechen. Den Medien einen anwaltlichen Maulkorb zu verpassen, ist politischer Selbstmord. Wurde sie durch den Ortspräsidenten, ihre Anwaltskanzlei oder Repräsentanten der PR-Agentur Rutz & Partner schlecht beraten?
Die grössten Sorgen des Ortspräsidenten sind, weiteren Schaden von den SVP-Kandidaten bzw. seiner Partei abzuwenden. Eine weitere Amtsperiode ohne SVP in den Behörden scheint sein Albtraum zu sein. Ecklin (24. März 2025): «Dass die Dominanz [der FDP] zum Besten der Gemeinde ist, finde ich nicht.»
Meine Meinung: Neben der dominanten FDP braucht es keine weiteren rechtsbürgerlichen Vertreter, schon gar nicht vom rechtesten Rand (Hebelgesetz).

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