Kontrahenten in Samthandschuhen
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30. Januar 2026 – Zunächst stellten sich die vier Kandidaten vor, dann mussten sie Komplimente für die Arbeit des Gemeinderats vortragen. Damit war der Ton für den Abend im voll besetzten Gerensaal gesetzt: man wollte sich nicht wehtun. Erst am Schluss kam es zu einem Disput. (4 Kommentare)
30. Januar 2026 – Zunächst stellten sich die vier Kandidaten vor, dann mussten sie Komplimente für die Arbeit des Gemeinderats vortragen. Damit war der Ton für den Abend im voll besetzten Gerensaal gesetzt: man wollte sich nicht wehtun. Erst am Schluss kam es zu einem Disput.

VON BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI
Für diesen Disput war Martin Byland verantwortlich. Der Zolliker Rechtsanwalt – ehemals Gemeinderat, heute Bezirksrat und Vorstandsmitglied der Zolliker FDP – konfrontierte den Schulpfleger Rui Biagini (GLP), der Präsident werden möchte, mit einer ungewöhnlichen Frage. Er habe vernommen, so Byland zu Biagini, dass er in den Schulpflege-Sitzungen dreieinhalb Jahre lang fast nichts gesagt, sondern nur schweigend dagesessen habe – wie er das erkläre, wo er doch dauernd von offener Kommunikation rede?
Hatte da jemand in der Schulpflege aus dem Nähkästchen geplaudert und das Kollegialitätsprinzip verletzt? Und damit ausgerechnet das getan, was man Biagini immer wieder vorwirft? «Interessant, dass Sie über solche Informationen verfügen», erwiderte Biagini. Nach dem Ende der Veranstaltung darauf angesprochen, sagte Byland, er habe «das einfach so gehört».
Ein kritisches Votum kam auch von Elternseite. Es sei in all den Jahren nicht möglich gewesen, mit der Schulpflege zu reden. David Sarasin (FDP), der andere Schulpfleger, der Präsident werden möchte, wies den Vorwurf zurück und erinnerte an Reglemente bzw. Hierarchiestufen, die beim Austausch zu beachten seien. Biagini plädierte einmal mehr für eine offenere Kommunikation zwischen Schulpflege und Eltern. Diese Auseinandersetzungen fanden aber wie gesagt erst ganz am Ende der Veranstaltung statt.
Ein Strauss von Komplimenten
Anfangs ging es darum, dem Gemeinderat Komplimente für die ablaufende Legislatur zu machen. Patrick Dümmler (FDP) sagte, es sei ein wenig komisch, sich selber zu loben, machte aber natürlich mit. Alle vier priesen die Art und Weise, wie der Gemeinderat die Ortskernentwicklung Zollikerberg angepackt und vorangebracht habe. Erwähnt wurden auch die Fortschritte in den Bereichen Nachhaltigkeit (Solar, Biodiversität), die Stabilität bei den Finanzen, die verbesserte Infrastruktur (Fitnessgeräte auf der Sportanlage Oescher) und generell der offenere Dialog mit der Bevölkerung.
Die Moderatorin Claudia Eberle-Fröhlich (vormals Verlegerin des «ZollikerZumikerBoten») fragte die Kandidaten anschliessend, ob es im Gemeinderat Verbesserungspotenzial gebe?
Dümmler wünscht sich, dass dort die Anliegen der Schule deutlicher vertreten werden, gerade im Immobilienbereich, was noch gewisse Lernprozesse erfordere. Sarasin plädiert dafür, dass man «die Einheitsgemeinde leben muss»; als Schulpräsident würde er im Gemeinderat nicht nur sein Ressort vertreten, sondern sich auch bei anderen Geschäften engagieren. Biagini würde die Anliegen der Schule, insbesondere auch die der Eltern, stärker gewichten und die anstehenden Probleme «lösungsorientiert anpacken». Hermann Stern (GLP) wiederum will sich als «kreativer Denker auch mal verrückte Ideen einfallen lassen», zum Beispiel die Alimentierung eines Bürgerrats mit einem Budget von 100’000 Franken. Dieser Rat könnte Ideen entwickeln und sie dem Gemeinderat vorschlagen.
Schliesslich sollten sich die vier Kandidaten auch noch überlegen, worauf sie im Jahr 2030 nach der nächsten Legislatur stolz sein möchten. Auf eine Schule, in der wieder Ruhe eingekehrt sei und die ihre Bauprojekte verwirklicht habe (Biagini). Auf bedeutende Schritte vorwärts bei der Entwicklung der beiden Dorfzentren (Dümmler). Auf eine Schule, die einen stolz mache, die nicht mehr schlechtgeredet werde und bei der nächsten Evaluation des Kantons top abschneide (Sarasin). Dass Zollikon zu einem Vorbild für eine funktionierende Bürgerpartizipation geworden sei (Stern).
Wo landet Stern?
Den angehenden Gemeinderat Stern, der so gut wie gewählt ist, weil es für die 6 Sitze nur 6 Kandidierende gibt, lernte man bei dieser Gelegenheit ein wenig besser kennen. Als Gründer und Chef der Finanzberatungsfirma Obermatt möchte er seine Fähigkeiten nutzen, «um Gemeindeprojekte effizienter, nachvollziehbarer und zukunftsfest zu gestalten». Er würde das Ressort Finanzen gerne übernehmen, falls es dort zu einem Wechsel käme – wobei: «als Legastheniker wäre ich vielleicht doch besser im frei werdenden Liegenschaften-Ressort untergebracht». Wie alle Kandidierenden betonte auch Stern, wie wichtig es ihm sei, dass die Zolliker EinwohnerInnen bei wichtigen Projekten mitreden können.
Fazit: Das Publikum erlebte einen Wohlfühlabend, ein Schaulaufen in Samthandschuhen – bis ganz am Schluss Rechtsanwalt Byland doch noch für einen kleinen Eklat sorgte.
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12.01.26: Marc Raggenbass, Kandidat für die RGPK und das Präsidium
20.01.26: David Sarasin, Kandidat für die Schulpflege und das Präsidium
22.01.26: Rui Biagini, Kandidat für die Schulpflege und das Präsidium
26.01.26: Adrienne Suvada zieht ihre Kandidatur für den Gemeinderat und das Präsidium zurück
28.01.26: Patrick Dümmler, Kandidat für den Gemeinderat und das Präsidium
Für den Gemeinderat: Patrick Dümmler, Sandra Fischer, André Müller, Dorian Selz, Sylvie Sieger, Hermann Stern
Für die Schulpflege: Christian von Ballmoos, Rui Biagini, Brigitte Eigenmann-Gossauer, Philippe Klemenz, Sabine Knüsli, Sonja Lier, Andrea Linter, David Sarasin, Andreas Tschopp, Nicole Waechter
Für die RGPK: Iris Heeg, Felix M. Huber, Christopher Linter, Severin Luder, Daniel Oettli, Marc Raggenbass, Sandra Strickler, Thomas Winkler
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4 KOMMENTARE
Zufall oder Absicht? Das Foto zeigt den vermeintlich gähnenden David Sarasin. Zufall, weil der Fotograph einen schlechten Tag hatte oder Absicht, weil der Liebling der «ZollikerNews» Biagini neben dem «gelangweilten» Sarasin besser aussieht?
Ja, Zufall.
Auch wenn, bis auf das Schulpflegepräsidium, wohl alle gewählt sind – ein paar kritischere Fragen wären schon möglich gewesen. Der «kleine Eklat» am Schluss war eher ein laues Lüftchen. Es erwartet uns ein Wohlfühlgremium mit mehr Transparenz, aufgefrischten Kinderspielplätzen sowie ein paar «Aufgleisungen», und wir wissen nun, dass im Hochbau alles immer viel teurer wird als budgetiert und bewilligt. Kommt gut.
Im letzten Teil – also in der Befragung der beiden Kandidaten fürs Präsidium der Schulpflege – befremdete mich das Niveau der Voten und der Diskussion. Ist so eine Veranstaltung dazu da, jemand zu löchern mit Fragen, auf die er wegen der Schweigepflicht gar keine Antwort geben darf? Spricht es von einer hohen Diskussionskultur, wenn jemand, der nicht Mitglied dieser Behörde war oder ist, dem Kandidaten vorwirft, er hätte 3 Jahre lang nichts gesagt? – An ein solches Niveau haben wir uns durch das Vorbild der aSozialen Medien leider gewöhnen müssen, dies ist aber für eine Gemeinde wie Zollikon nicht nachahmenswert!