Was dem Gemeinderat gelungen ist
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4. Februar 2026 – Die Legislatur geht zu Ende, die Wahlen stehen bevor. Der Gemeinderat musste in den letzten dreieinhalb Jahren einige Rückschläge in Kauf nehmen – wir haben darüber berichtet. Vieles ist aber auch gelungen. Deshalb haben wir eine Top 10-Liste dieser Projekte erstellt.

VON BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI
Unser Rating ist in einem zweistufigen Verfahren entstanden. Zuerst haben wir uns auf 10 Themen geeinigt, dann haben wir individuell je eine Rangliste erstellt und die Punkte zusammengezählt. Daraus resultierte die vorliegende Top 10-Liste. Parallelität der Ereignisse: Am Dienstag hat der Gemeinderat seinen «Tätigkeitsbericht Legislaturschwerpunkte 2022–2026» auf 9 A4-Seiten publiziert. Sie finden das Dokument am Schluss dieses Artikels unter dem entsprechenden Link. Wir halten uns ein wenig kürzer:
1. Photovoltaik
Auch wenn das Thema Klimaerwärmung derzeit leicht vergessen geht, hat es an Dringlichkeit nicht verloren. Die Gemeinde strebt «Netto-Null» auf gemeindeeigenen Liegenschaften, Anlagen und Betrieben bis 2035 an. Nach langem Stillstand hat sie in dieser Legislatur auf 9 Dächern Solarzellen mit einer Leistung von insgesamt 528’500 kWh installiert. Damit können pro Jahr 61 Tonnen CO2 eingespart werden. Die produktivste Solarfläche mit 158’000 kWh wurde auf dem Dach des Gemeindesaals montiert. Parallel dazu hat die Schule Anstrengungen unternommen, um die Kinder für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Im Rahmen der «Klimaschule» fand im Oescher ein «Blackout-Day» statt, an dem zur Überraschung der Schülerinnen und Schüler plötzlich der Strom ausfiel, sowie ein «Aktionstag Solarenergie», bei dem die Kinder auf dem Oescher-Dach Solarpanels montieren durften.

2. Fernwärme
Auf dem Riet und den angrenzenden Strassen werden derzeit Leitungen für das Fernwärmenetz verlegt. Natürlich gibt es bei diesem Projekt einen Wermutstropfen: der Zollikerberg bleibt wieder einmal aussen vor, weil das Spital Zollikerberg bei der Fernwärme nicht mitmacht. Aber immerhin liegen im Dorf von den rund 1500 Liegenschaften etwa 520 im Versorgungsgebiet, von denen etwa 150 mit Fernwärme versorgt werden können, darunter grosse Abnehmer wie das Fohrbach oder die Schulhäuser. Ursprünglich planten die Werke am Zürichsee, in Zollikon pro Jahr 16’000 bis 22’000 Megawattstunden Energie zu verkaufen und so ein Viertel des Gasabsatzes oder 3000 Tonnen CO2 einzusparen. Nach dem Ausstieg des Spitals sollen es immer noch über 18’000 Megawattstunden sein. Ein wichtiger Schritt Richtung Nachhaltigkeit: die Energie spendet uns der Zürichsee.
3. Biodiversität
Während einem der Dorfplatz im Sommer nach wie vor «wie eine riesige Pfanne vorkommt, auf der man Spiegeleier braten könnte» (Aussage eines Zolliker Architekten), bemüht sich die Gemeinde um Fortschritte bei der Biodiversität auf anderen gemeindeeigenen Grundstücken. Das Naturschutzinventar wurde überarbeitet. Es umfasst laut Gemeinderat nun «67 wertvolle Lebensräume mit klaren Pflegevorgaben». Wer auf der Bergstrasse vom Dorf Richtung Fohrbach fährt, hat sicher schon bemerkt, dass die Wiese rechts der Strasse nicht mehr gemäht, sondern stehen gelassen wird. Ausserdem hat die Gemeinde ein Gebäudebrüter-Inventar erstellt, Nisthilfen für Vögel montiert und mit Wildhecken und kleinen Gewässern neue Lebensräume für Kleintiere geschaffen.
4. BZO-Deal mit dem Spital Zollikerberg
Mit der von der Stimmbevölkerung angenommenen Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) hat der Gemeinderat die Voraussetzung geschaffen, dass das Diakoniewerk Neumünster seine «Vision 2030» des Spitalareals verwirklichen kann. Konkret: die Erweiterung des Spitalbetriebs, die Einrichtung eines Geburtshauses anstelle des heutigen Provisoriums, den Bau eines Lern- und Bildungshauses sowie die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum für das Personal und für MieterInnen. Im Gegenzug hat sich das Diakoniewerk verpflichtet, keine Bauten auf dem 24’000 m2 grossen Park zu errichten. Die Anlage soll mit einem grösseren Weiher noch attraktiver werden. Der Kraftort mit seiner Ruhe und dem alten Baumbestand bleibt erhalten, neue Wege und Sitzgelegenheiten sollen ihn für die Besucherinnen und Besucher von Berg und Dorf noch attraktiver machen.

5. Sanierung Sportanlage Oescher
Natürlich kann man Fragezeichen an dieser Leistung machen. Die Sanierung hat 3,6 Millionen statt der ursprünglich bewilligten 2,25 Millionen Franken gekostet – 60 Prozent mehr, weil der beauftragte Projektleiter nicht wusste, dass man laut neuen Gesetzesbestimmungen das Regenwasser nicht mehr einfach ableiten, sondern auffangen muss. Doch nun ist die Sportstätte fertig. Eine feine neue Tartanbahn, eine schöne Rasenfläche für die kleinen Fussballerinnen und Fussballer, frei zugängliche Sportgeräte. Das Oescher-Areal dürfte insbesondere in der wärmeren Jahreszeit zu einem Treffpunkt für alle werden. Das tut unserer Gemeinde gut.
6. Dialogabende
Seit Jahren beklagen sich in Zollikon PolitikerInnen und Parteien über mangelnde Transparenz bei wichtigen politischen Entscheidungen. Immer vor den Wahlen betonen dann die Kandidierenden, sie wollten dieses Manko endlich beheben. «Es geht mir um bessere Transparenz», sagte jüngst der RGPK-Präsidiumsanwärter Marc Raggenbass, als wir ihn porträtierten. Patrick Dümmler, designierter Gemeindepräsident, will «ganz auf Kommunikation, Partizipation, Transparenz und gute Zusammenarbeit» setzen. Man darf dem Gemeinderat attestieren, dass er mit den Dialogabenden einen Schritt in diese Richtung gemacht hat. Die Anlässe waren gut besucht, lebendig und informativ. Hoffentlich geht das so weiter – und vielleicht werden dann auch einmal gute Ideen aus der Bevölkerung nicht nur aufgenommen, sondern auch umgesetzt.
7. Digitalisierung
Nebst der Klimaerwärmung ist die Digitalisierung ein zweites grosses Thema, das auch lokale Auswirkungen hat. Die Gemeinde hat einige Weichen gestellt: Baugesuche werden inzwischen durchgängig digital bearbeitet; die Bauabteilung arbeitet mit einer Baubewilligungssoftware. Bei der Einwohnerkontrolle und beim Steueramt kann man online Termine vereinbaren. Nach der Pensionierung zweier Mitarbeiterinnen hat im Eingangsbereich des Gemeindehauses ein digitaler Portier den Dienst angetreten. Es gibt Infoscreens in allen Schul- und Betreuungshäusern, Outdoorscreens beim Gemeindehaus und beim Freizeitdienst sowie interaktive Whiteboards in den Schulzimmern. Der Gemeinderat hat seine Ziele, dass «zehn wichtige Kundenprozesse bis zum Ende der Legislatur medienbruchfrei ausgestaltet sind» zwar noch nicht ganz erreicht, aber einige Schritte sind getan.
8. Ortskern Zollikerberg
Zugegeben, wir waren ein wenig skeptisch und fragten am 24. Oktober 2024: «Für 169’000 Franken das Rad neu erfinden?». Der Gemeinderat bewilligte damals diesen stolzen Betrag für Workshops zur Neuentwicklung des Ortskerns im Zollikerberg. Die Planung sollte also wieder von vorne losgehen, obwohl es seit 30 Jahren in Leporello-Form eine «Vision für ein funktionierendes Zentrum Zollikerberg» gibt. Inzwischen hat es ein Auftaktforum, eine Online-Umfrage, ein Vertiefungsforum und eine Ergebniskonferenz unter Einbezug der Bevölkerung, der Verwaltung, der politischen Parteien, des Quartiervereins Zollikerberg und privater Immobilien-Besitzer gegeben. Man einigte sich auf eine Stossrichtung: Auf dem Geren-Areal sollen alle Gebäude abgebrochen werden und einem neuen Zentrum Platz machen. Auf der Roswies sollen unter Bewahrung einer grossen Freifläche Familien- und Alterswohnungen entstehen. Fazit: Es geht vorwärts, wir sind gespannt auf die künftigen Entwicklungen.

9. Grosse Bauvorhaben
Aller Anfang ist schwer, könnte man auch hier sagen, aber nun geht es vorwärts: die Sanierung des Fohrbach-Schwimmbads ist in vollem Gang, das provisorische Betreuungshaus Rüterwis ist bewilligt und kann gebaut werden, die Fussballer bekommen auf dem Riet definitiv einen Kunstrasen, der die Trainingsbedingungen massiv verbessern wird. In absehbarer Zeit könnte es also in Zollikon gleich zu drei grossen Einweihungsfeiern kommen.
10. Gemeindewebsite
Die Gemeinde hat ihr Schaufenster – die Website www.zollikon.ch – neu gestaltet. Ausgestellt sind in der Vitrine nebst der Gemeinde nun auch die Schule, die Badeanlagen und das Ortsmuseum. Es gibt sogar – gut versteckt – eine lokale KI namens zGPT. Auf die Frage, wie er die neue Website der Gemeinde findet, gibt der Chatbot folgende Antwort: «Ich konnte in den verfügbaren Unterlagen keine spezifischen Informationen oder Bewertungen zur neuen Website finden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Website laufend aktualisiert wird und als zentrales Informationsmedium für verschiedene Zielgruppen dient, insbesondere im Bereich Schule Zollikon.» Es geht doch nichts über künstliche Intelligenz.

Hier geht es zum «Tätigkeitsbericht Legislaturschwerpunkte 2022-2026» des Gemeinderats
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