Schönheit um jeden Preis

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10. Februar 2026 – «Neulich beim Scrollen durch Instagram fühlte ich mich kurz in eine Parallelwelt versetzt: Kaum ein Gesicht ohne Highlighter-Wangenknochen, makellose Lippenbögen und eine Stirn so glatt wie ein frisch bezogenes Hotelkissen.»

Makellose Schönheit (Symbolbild)
Makellose Schönheit (Symbolbild)

VON BIANKA LICHTENBERGER

Neulich beim Scrollen durch Instagram fühlte ich mich kurz in eine Parallelwelt versetzt: Kaum ein Gesicht ohne Highlighter-Wangenknochen, makellose Lippenbögen und eine Stirn so glatt wie ein frisch bezogenes Hotelkissen. Schönheitsideale gibt es wohl, seit es Spiegel gibt – aber noch nie waren sie so uniform und so kostspielig wie heute.

Was früher die Teenie-Zeitschrift und der ‹Bravo›-Starschnitt waren, sind heute eine Heerschar von Influencern. Wer mit 25 aussieht wie 25, scheint fast schon aus der Zeit gefallen. Botox zur Glättung der Stirn, Hyaluron für den Schmollmund, Fettabsaugung für die Modellierung dort, wo der Algorithmus angeblich Kurven verlangt– das alles ist längst keine Ausnahme mehr.

Im Gegenteil. Laut aktuellen Statistiken steigen die Ausgaben für Schönheitsbehandlungen unter jungen Erwachsenen rasant. Ein jugendlicher Look wird nicht mehr als Geschenk, sondern als Investment betrachtet. Doch wie hoch ist der Preis für diese Art von ‹Optimierung›? Wer sich mit 25 die erste Spritze setzen lässt, tritt oft eine Kettenreaktion los. Denn das Problem mit der Schönheit auf Pump: sie verlangt regelmässig Nachschub. Die Haut gewöhnt sich an die Füllstoffe, das Auge an den Filtereffekt – und schon tauchen neue Mängel auf, für die es natürlich auch eine (teure) Lösung gibt.

Die Kosten? Einmal angefangen, sind Summen im vierstelligen Bereich pro Jahr keine Seltenheit. Hochgerechnet auf 20 Jahre kann das leicht ein Kleinwagen oder auch ein Eigenheim werden. Ironischerweise ist die Sehnsucht nach Individualität oft der Antrieb hinter diesen Eingriffen. Doch am Ende sehen viele aus wie aus derselben App gefallen. 

Was treibt uns eigentlich an? Vielleicht ist es weniger der Wunsch, anders zu sein, als vielmehr die leise Angst, nicht dazuzugehören – oder die Hoffnung, in einer Welt voller digitaler Masken doch irgendwie gesehen zu werden. Schönheit wird zur Eintrittskarte, zum Schutzschild, zur Währung im Spiel um Likes und Aufmerksamkeit. Wer kann es verdenken? In einer Zeit, in der das Äussere lauter spricht als das Innere, setzt man halt auf die beste Fassade.

Ob das am Ende glücklich macht? Sicher ist nur: Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Bewunderung und ein bisschen Magie im eigenen Spiegelbild – die ist vermutlich unbezahlbar. Alles andere steht auf der Rechnung.»

Bianka Lichtenberger hat Wirtschaftswissenschaften und Soziologie studiert. Als ausgebildete Wirtschaftsjournalistin hat sie für das «Handelsblatt», die «Wirtschaftswoche», das «Manager Magazin» und den «Spiegel» geschrieben. Sie bekleidete anschliessend Führungspositionen im Bereich globale Organisationsentwicklung bei Alusuisse-Lonza, Schindler, ABB und ist Professorin der Fachhochschule Graubünden. Sie sagt: «Wir leben in einer Welt, die uns je länger je mehr herausfordert.» In ihrer Kolumne wird sie sich solchen Brennpunkt-Themen widmen.

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