Auf die Zolliker Jagdaufseher ist Verlass

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10. April 2026 – Wenn die Wiesen zu blühen beginnen, kommen die Rehe aus dem Wald, um zu äsen. Dann steigt die Zahl der Zusammenstösse mit Autos, und die Zolliker Jagdaufseher müssen ausrücken. Das tun sie auch, wenn Spaziergänger verletzte, kranke oder tote Tiere melden. (3 Kommentare)

10. April 2026 – Wenn die Wiesen zu blühen beginnen, kommen die Rehe aus dem Wald, um zu äsen. Dann steigt die Zahl der Zusammenstösse mit Autos, und die Zolliker Jagdaufseher müssen ausrücken. Das tun sie auch, wenn Spaziergänger verletzte, kranke oder tote Tiere melden.

Von Auto angefahrenes Reh am Strassenrand (Foto: ???)
Von Auto angefahrenes Reh am Strassenrand (Foto: zVg)

VON RENE STAUBLI

Thomas Gugler ist ein Fall in besonderer Erinnerung geblieben, mit dem er als Jagdaufseher konfrontiert war. Er wollte an einem Samstagmorgen gerade mit seiner Tochter zum Einkaufen ins Dorf fahren, als ihn ein Anruf der Zürcher Verkehrsleitzentrale erreichte. Spaziergänger hätten gemeldet, dass sich in Küsnacht ein Schwan in Ufernähe auffällig verhalte. Wenn man auf Pikett sei, müsse man jederzeit mit einem solchen Auftrag rechnen, sagt Gugler, «ob am Tag oder mitten in der Nacht».

Er habe seine Schusswaffen eingepackt und sei hingefahren. Zuvor habe er darum gebeten, dass auch zwei Polizisten vor Ort seien – «ich wollte keine Schwierigkeiten mit Passanten bekommen, die kein Verständnis dafür haben, was wir oftmals tun müssen». Der Schwan sei offensichtlich krank gewesen. Er habe ihn vom Ufer aus mit dem Schrotgewehr erschossen. Anschliessend barg die Seepolizei das Tier. Bei der Untersuchung habe man Vogelgrippe festgestellt.

Louis Wirtz gehört ebenfalls zu den Zolliker Jägern, die Pikettdienst leisten. Weil er als ehemaliger Wirt der «Zolliker Stube» weitherum bekannt ist, erreichen ihn nebst den Anrufen aus den Leitzentralen auch viele Hilfeersuchen von Privaten. Ein Blick auf seinen Einsatzplan zeigt, wie vielfältig die Aufgaben sind: «Rehunfall, Tier erlöst», «toter Marder, entsorgt», «junge Tauben im Nest, Beratung», «toter Dachs, entsorgt», «verletzter Reiher, erlöst, entsorgt», «toter Biber, entsorgt».

Die Zolliker Jagdaufseher können laut Bundesgesetz verletzte oder kranke Tiere jederzeit erlegen, auch wenn sie geschützt sind wie Schwäne, Biber oder Reiher. 5 der 7 Pächter im Zolliker Jagdrevier sind vereidigte Aufseher. Wenn die andern beiden Jagdpächter in eine Situation geraten, bei der es um ein geschütztes Tier geht, müssen sie die Hotline der kantonalen Jagdverwaltung anrufen, die ihnen nach Schilderung der Umstände einen entsprechenden Auftrag erteilt. Ist die Hotline nicht erreichbar, dürfen sie das verletzte Tier erlösen, müssen aber nachher Meldung erstatten.

Jede Woche ein Einsatz

Im vergangenen Jahr sind die Zolliker Jagdaufseher 52 Mal ausgerückt, meist nach Anrufen der Einsatz- oder Verkehrsleitzentrale der Kantonspolizei. Im Frühling geht es oft um Kollisionen von Autos, Motorrädern und auch Fahrrädern mit Wild, das die Strassen überquert. Gugler und Wirtz raten besonders in den nächsten Wochen dazu, auf der Binz-, Forch- und Zumikerstrasse die Geschwindigkeit zu reduzieren, «vor allem in der Morgendämmerung und beim Einnachten, wenn Rehe und andere Wildtiere aus den Wäldern kommen».

Protokoll-Eintrag: «Toter Fuchs auf Witikonerstr. Seite Zollikon, Tier entsorgt.»
Protokoll-Eintrag: «Toter Fuchs auf Witikonerstr. Seite Zollikon, Tier entsorgt.»

Wenn es trotz vorsichtiger Fahrweise zu einem Unfall komme, solle man «die Ruhe bewahren, das verletzte Tier keinesfalls anfassen, die Polizei oder direkt einen Jagdaufseher anrufen, wenn man einen persönlich kennt÷ Unter keinen Umständen dürfe man die Unfallstelle verlassen, sagt Gugler. Wer das tue, müsse mit einer Strafverfolgung wegen Fahrerflucht rechnen.

«Wir sichern zuerst die Unfallstelle und beruhigen die teilweise aufgelösten Autofahrer oder weinende Kinder», erklärt Wirtz das Vorgehen. Bevor man das Tier erlöse, bitte man die Leute, Distanz zu halten. Selbst bei Unfällen mit schwer verletzten Tieren stosse man zuweilen auf Unverständnis: «Es gibt Menschen, die uns ultimativ auffordern, mit dem Tier zum Tierarzt zu gehen. Dann müssen wir uns durchsetzen oder schlimmstenfalls die Polizei rufen.» Verletzte Wildtiere könne man nicht zum Tierarzt bringen.

Als Laie tut man sich schwer mit dem Gedanken, dass ein Tier erschossen wird. Bei den Jägern gehört das zum Handwerk. Sie nehmen bei ihren Einsätzen in der Regel zwei Waffen mit: ein Schrotgewehr und einen Revolver. Wenn es möglich sei, ganz nahe ans verletzte Tier zu kommen, bevorzuge man den Revolver, sagt Wirtz. Wenn die Gefahr bestehe, dass es aufstehe und flüchte, nehme man das Gewehr und schiesse aus ca. 20 Meter Entfernung mit Schrotmunition. Das oberste Prinzip sei, das Tier nicht unnötig leiden zu lassen.

Zuletzt füllen die Jagdaufseher für den betroffenen Autolenker noch ein Unfallprotokoll zu Handen der Versichrung aus und laden dann das tote Tier zum Abtransport in eine Plastikwanne oder auf den Anhänger. Sie fahren damit zur Turatzburg, wo die Gemeinde eine Kadaver-Sammelstelle unterhält.

Gewisse Einsätze wirken nach

Auch die erfahrensten Jäger erleben beim Pikettdienst Situationen, die ihnen nahe gehen. Letzten Sommer sei er gerade bei Donato Posca im TC Zollikerberg beim Pizzaessen gewesen, als die Polizei angerufen habe, erzählt Gugler. Ein Vater und sein Sohn hätten bei der Trichtenhausermühle ein verletztes Rehkitz in einem Gestrüpp entdeckt. Das Muttertier sei nicht zu sehen gewesen, das Junge könne sich kaum mehr bewegen.

Er habe seine Waffen geholt und sei hingefahren. Vor Ort habe er gesehen, dass dem Rehkitz bei einem Unfall oder einem Hundeangriff das halbe Bein abgerissen worden sei. Es habe vergeblich versucht, sich zu erheben. «Ich habe mich vorsichtig genähert, das Rehlein schaute  mich an, und ich wusste, ich muss dieses kleine Lebewesen von seinem Leiden erlösen, das hat mich noch lange beschäftigt.» Solche Situationen seien nicht zu vergleichen mit der Jagd, auf der man aus 40 Meter Distanz auf einen Bock schiesse.

Die Zolliker Jäger leisten ihren Dienst ehrenamtlich. Nur wenn Rehe bei Unfällen getötet werden, können sie den Automobilisten eine Rechnung stellen. Die 200 Franken fliessen «als Entschädigung für unseren Wildbretverlust und zur Deckung der Unkosten in die Jagdkasse», sagen Gugler und Wirtz.

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Und warum erschiesst Gugler den geschützten Schwan, offensichtlich krank…er wusste ja nicht, was der Schwan hatte…in Ufernähe. Vielleicht hätte der Schwan ja auch nur einen verletzten Flügel oder Bein haben können, dann verhalten sich alle Tiere auffällig. Menschen auch!
Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen wurde im Kanton Zürich kein Schwan mit Vogelgrippe registriert. Im November 2025 wurde im Kanton Zürich KEIN Schwan, aber eine Graugans positiv auf H5N1 getestet.(Männedorf). Aber als geübter Jäger (?) sollte Herr Gugler ja eine Graugans von einem Schwan unterscheiden können. Hoffe ich.
Anbei noch eine private Bitte an die Jägerschaft und Wildhüter. Haltet Euere Versammlungen doch in Zukunft in Euren Jagdhütten ab und nicht im öffentlichen Restaurant (bei Donato Posca im Tennisclub Zollikerberg). Uns wurde die Lust an der feinen Pizza genommen, als Ihr über noch zu bestellende Munition und Abschuss-Zonen diskutiert habt.

Vielen Dank an die «ZollikerNews» zum informativen Artikel zu den Aufgaben und Tätigkeiten der Zolliker Jagdaufseher. Zum Kommentar von Frau Anna Isliker: der Auftrag zum Einsatz den Schwan betreffend kam von der Kantonspolizei (ELZ). Frau Isliker war damals nicht vor Ort, und nach dem Einsatz wurde von den kantonalen Behörden beim betroffenen Schwan die ansteckende Vogelgrippe bestätigt. Ausserdem ist in einem öffentlichen Restaurant in der Schweiz – auch auf dem Zollikerberg – die Meinungs- und Diskussionsfreiheit an einem Abendessen unter Freunden glücklicherweise noch immer gewährleistet. Zum Rest des Kommentars: Da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Ein sehr informativer Bericht! Die beiden Herren erledigen ehrenamtlich und ihrer Freizeit wichtige Arbeit für unsere Gemeinde. Ich bin überzeugt, dass viele Zolliker wenig oder keine Ahnung haben bezüglich der vielfältigen Aufgaben der Zolliker Jäger. Es geht nicht nur um die Jagd und die Regulation des Wildbestands sondern auch um Tierschutzmassnahmen. Chapeaux!

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