Lockere Tour über den scharfen Lägerngrat
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Edwin van der Geest: «Allmählich wird man etwas schneemüde. So mache ich mich heute an die Abarbeitung einer langjährigen Pendenz, fahre nach Baden und wandere über den Lägerngrat nach Regensberg und Dielsdorf. Eine tolle Halbtagestour.»
VON EDWIN VAN DER GEEST
Das hübsche Städtchen Baden lädt zum Verweilen ein. Fast bleibe ich nach dem Zmittag in der Gartenbeiz beim People Watching sitzen, anstatt mich auf die Socken zu machen. Doch die scharfe Kante des Lägernausläufers lockt – sie beginnt quasi mitten in Ennetbaden. Die Wanderroute startet gleich knackig mit ein paar Hundert Treppentritten, bis ein Felsvorsprung unterhalb der Burg Schartenfels zu einer kurzen Verschnaufpause einlädt.

Hier droht eine Tafel dem urbanen Menschen, dass er ab sofort Trittsicherheit und Schwindelfreiheit braucht. Das mag aus Sicht der Bergler etwas übertrieben sein, aber immerhin führt der felsige Pfad schön der Gratkante entlang nach oben. Abstürzen ist eher unmöglich, aber die Augen offenhalten muss man schon – ich nenne das T3-Genuss. Langsam sinkt auch der Lärmpegel des städtischen Verkehrsrauschens und macht Platz für das Pfeifen der Singvögel in den Büschen und auf den Bäumen.


Der Pfad steigt noch ein Weile zügig an, dann legt sich das Gelände zurück und flacht schliesslich ab. Eine weitere Tafel am Wegrand erklärt, warum neuerdings grosse Lichtungen in den Wald geschlagen werden. Das sei gut für die Artenvielfalt. Gut so, denn dadurch wird auch immer wieder der Fernblick auf die weisse Alpenkette frei! Dazwischen schimmern Limmat und Zürichsee, ein schöner Anblick.
Dann ist doch tatsächlich ein Drahtseil gespannt, um eine leicht exponierte Stelle zu passieren. Das wars dann aber schon mit Abenteuer, wenig später erreiche ich den ersten «Gipfel» bei Punkt 805. Hier wird der Grat zum Rücken. Ein breiter Waldweg führt nun ziemlich flach zum rund 15 Minuten entfernten Burghorn, das wieder etwas über seine Umgebung herausragt. Zeit für eine kleine Pause und einen Schluck Wasser auf einem der stählernen Bänklein.



Auf einem guten Pfad geht es leicht abwärts zur Burgruine, wobei der Grat gegen Norden ziemlich senkrecht ins Wehntal abfällt. Das merkt der Wanderer aber kaum, da der Weg in sicherem Abstand zur Gratkante angelegt ist. Bald erreiche ich die Ruine der im 13. Jahrhundert geschleiften Burg und damit ein Fahrsträsschen. Die drohende Langeweile wird zunächst durch Skyguide-Infotafeln am Wegrand aufgefangen. Die Luftraumhüter haben ziemlich viele Antennen auf den Berg gepflanzt, der nahe Flughafen grüsst.
Wenig später passiere ich die sich im Wiederaufbau befindende Hochwachtbeiz, dereinst Bergstation eines längst stillgelegten Seilbähnchens. Zügig marschiere ich über den immer breiter werdenden Bergrücken nach Regensberg hinunter, das wie eine Kanzel über dem weiten Glattal emporragt.

Dort locken zunächst ein feines Stück Kuchen und eine kühle Schorle im Gasthof Löwen. Danach wird das schön erhaltene Burgstädtchen begutachtet, bevor ich den kurzen Abstieg durch die Rebberge nach Dielsdorf unter die Füsse nehme. Am Bahnhof angekommen beschliesse ich, dass dies nun das nördliche Ende meiner noch ziemlich unvollendeten Juratransversale ist.
Anforderung: 14,6 km, 635 m auf- und 596 m abwärts, 4 1/2 Stunden.
Route: PDF von SchweizMobil

Der Zolliker Edwin van der Geest ist ein begeisterter Wanderer. Er beschreibt regelmässig seine Lieblingstouren, die sich insbesondere für gut trainierte Wandersleute eignen.