Bei den Betroffenen wächst der Unmut
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24. März 2026 – Im Riet-Quartier ist das Unverständnis gross, wie lasch die Gemeinde mit der Parkplatzmisere umgeht. Zu den Betroffenen gehören die Therapeuten der «Casa Vitale» an der Riethofstrasse. Der zuständige Gemeinderat André Müller schiebt die Probleme auf die lange Bank. (1 Kommentar)
24. März 2026 – Im Riet-Quartier ist das Unverständnis gross, wie lasch die Gemeinde mit der Parkplatzmisere umgeht. Zu den Betroffenen gehören die Therapeuten der «Casa Vitale» an der Riethofstrasse. Der zuständige Gemeinderat André Müller schiebt die Probleme auf die lange Bank.

VON RENE STAUBLI
Die Parkplatzknappheit im Riet-Quartier rings um das Gewerbezentrum ist seit Jahren ein Thema. Mit dem Beginn der Bauarbeiten für das Fernwärmenetz hat sich die Situation massiv verschärft. Auf den regulären Parkplätzen werden Baumaterialien gelagert und Baumaschinen abgestellt. Anwohner und Betriebe hätten von der Gemeinde erwartet, dass sie schon vor Beginn der Bauarbeiten geeignete Massnahmen ergriffen hätte, um die Lage zu entspannen, insbesondere auch für Kurzparkierer. Doch der Plan, während der Arbeiten an der Fernwärmezentrale auf dem Fussballplatz im Riet eine temporäre Parkfläche einzurichten, wurde nicht umgesetzt.
Für Unverständnis sorge auch die erhöhte Polizeipräsenz im Quartier, berichtet ein Beobachter. Früher seien ein bis zwei Patrouillen pro Woche die Norm gewesen, heute gebe es mehrmals täglich Kontrollen; Bussen würden «inflationär verteilt» und das ohne jede Rücksicht: so sei die Polizei unmittelbar nach einer Abdankungsfeier in der katholischen Kirche schon wieder vor Ort gewesen, um zum Rechten zu sehen.
Mit der Geduld am Ende
Im Oktober 2025 riss bei Michel Thür der Geduldsfaden. Er reichte bei der Gemeinde eine offizielle Beschwerde «zur desolaten Parkplatzsituation in unserer Gemeinde Zollikon» ein. Thür arbeitet als Therapeut in der «Casa Vitale» an der Riethofstrasse und lebt im Zollikerberg. Bei unserem Gespräch ist auch seine Kollegin Ursula Hüni dabei; sie und alle andern PraxisbetreiberInnen in der «Casa Vitale» teilen die Einschätzung des Kollegen.
Die Arbeiten am Fernwärmenetz, die voraussichtlich bis ins Jahr 2028 dauern werden, «haben die Situation massiv verschärft», sagt Thür. Die Baufirma beanspruche viele Parkplätze für ihre Maschinen und als Depot für Materialien, unter anderem auch beim Fussballplatz. «Dort haben früher viele unserer PatientInnen ihr Auto abstellen können.»
Laut Thür und seiner Kollegin kommen immer mehr Klienten zu spät in die Behandlung, weil sie lange in der Gegend herumfahren müssen, bis sie einen Parkplatz finden. Es komme öfters vor, dass sie nach ergebnisloser Suche frustriert wieder nach Hause fahren, was in den Praxen zu spürbaren Umsatzeinbussen führe. Besonders betroffen seien ältere Menschen und solche mit körperlichen Einschränkungen, die aufs Auto und einen nahen Parkplatz angewiesen seien. Das gelte auch für Schwangere und Frauen mit Kleinkindern.
Gemeinderat Müller sagt zuerst dies…
Mitte November bekam Thür von Gemeinderat André Müller eine schriftliche Antwort. Müller zeigte Verständnis: «Wir können Ihren Unmut nachvollziehen.» Die Gemeinde bemühe sich, «alles zu unternehmen, um baldmöglichst eine Verbesserung der Situation zu erzielen». Konkrete Angaben zu diesen Bemühungen machte er nicht.
Erschwerend wirkten sich nicht nur die aktuellen Bauarbeiten aus, schrieb Müller, sondern auch die Nähe zum Spitalcluster Lengg, der auf Stadtgebiet liegt: «Zahlreiche Parkplätze in Zollikon werden von Mitarbeitenden und Besuchenden der umliegenden Spitäler genutzt, die über Tagesparkkarten verfügen oder nur kurze Zeit ihre Fahrzeuge auf unserem Gemeindegebiet abstellen.» Die Zolliker Parkierungsverordnung ermögliche «auch Auswärtigen den Erwerb von Tagesparkkarten». Komme dazu, dass die Zahl der Fahrzeuge in den letzten Jahren allgemein stark zugenommen habe.
Tatsächlich können gemäss dem Zolliker Reglement alle Personen Tagesparkkarten beziehen, deren Fahrzeug «von den Ausmassen her in ein Parkfeld passt». Solche Karten sind für Auswärtige attraktiv, denn sie kosten nur 12 Franken pro Tag, deutlich weniger als ein Tagesaufenthalt in einem Zürcher Parkhaus. Ein 10er-Block ist bereits für 100 Franken zu haben.
Was also plant der Gemeinderat für die Zeit nach der Beendigung der Arbeiten am Fernwärmenetz, um dem zunehmenden Druck der auswärtigen Mitarbeitenden und Besucher der Spitäler auf die Zolliker Parkplätze zu begegnen?
… und dann das
Auf Anfrage der «ZollikerNews» nimmt Müller seine Aussagen gegenüber Thür überraschenderweise wieder zurück: «Entgegen der Vermutungen» hätten Erhebungen ergeben, dass «die Anzahl der Benutzung von Tagesparkkarten in Stadtnähe im Vergleich zu den Anwohnenden- und Angestelltenparkkarten sehr gering» sei. Aus den vorliegenden Daten lasse sich schliessen, «dass der neue Spitalcluster nur einen begrenzten Einfluss auf die angespannte Parksituation» in Zollikon habe. Die Gemeinde gehe deshalb nicht davon aus, dass sich das bestehende Problem durch die Abschaffung oder Verteuerung der Tagesparkkarten für Auswärtige lösen lasse.
Würde man auf die Ausgabe der Karten verzichten, wäre das auch zum Nachteil der Besucherinnen und Besucher von Ortsansässigen und Gewerbetreibenden, schreibt Müller weiter. «Diese könnten dann nur noch maximal 3 Stunden parkieren, was für viele Zollikerinnen und Zolliker unbefriedigend wäre.» Ausserdem wäre für diesen Schritt eine Revision der Parkierungsverordnung erforderlich. Vor einer allfälligen Anpassung, so Müller, müsste die Situation «nach dem Fernwärmebau nochmals erhoben und zwingend eine politische Diskussion geführt werden».
Warum abwarten?
Davon, dass sich Gemeinderat Müller in seiner schriftlichen Antwort auf Vermutungen abgestützt hatte, ist Thür nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht überrascht. Nicht nachvollziehbar sei für ihn jedoch, dass die Gemeinde das Parkplatzproblem erst nach dem Fernwärmebau anpacken und in die politische Diskussion einbringen will – also erst im Jahr 2028. Er sagt: «Als Einwohner, Gewerbetreibender und Steuerzahler fühle ich mich von der Politik im Stich gelassen.»

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1 KOMMENTAR
Ich bin ein Patient von Herrn Thür und muste schon Termine 10 Minuten vorher absagen, weil ich weit und breit keinen Parkplatz finden konnte!! Ich habe Probleme mit meinem Bein und dem Rücken. Das bedeutet, dass es fûr mich extrem schwierig ist, wenn ich zu weit weg parken muss. Das kann so nicht weitergehen…