Kommunikationskiller

0 KOMMENTARE

30. März 2026 – Was sind das für schöne Abende, wenn der Ballbesitz unter den Anwesenden gut verteilt ist, wenn alle zu Wort kommen und sich an lebhaften Diskussionen beteiligen können. Es gibt aber auch das Gegenteil, vor allem dann, wenn Kommunikationskiller mit am Tisch sitzen.

Illustration Kommunikationskiller
Einer spricht, für alle andern wird es anstrengend (Illustration: KI)

Von BARBARA LUKESCH

Kennen Sie Leute, die in jeder Gesprächssituation und bei nahezu jedem Thema reingrätschen und vermelden: «Das ist mir auch passiert» oder «Genau. Das haben wir letzten Sommer in den Ferien auch erlebt.» Von da an übernehmen sie und schildern ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Gefühle, Wahrnehmungen und Probleme haarklein ohne Punkt und Komma. Ihr Gesprächsbeitrag bleibt auf der Strecke. Ziemlich frustrierend. Aber hartgesottene Kommunikationskiller und -killerinnen kennen gar nichts.

Unter diesen Oberbegriff gehören noch weitere Spezialisten und Spezialistinnen. Fragen sind vielen von ihnen unbekannt. Interesse am Gegenüber? Fehlanzeige! Selber reden macht doch viel mehr Spass als irgendwelchen Langweilern oder sagen wir vermeintlichen Langweilern zuzuhören und ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Ich-Gesellschaft zeigt sich mit vielen verschiedenen Gesichtern. Die ganz besonders Selbstbewussten bezeichnen sich selber als «Sender» und degradieren alle anderen damit automatisch zu den «Empfängern». Die Einen haben etwas zu sagen, die anderen sollen, bitte schön, zuhören.

Unschön sind auch die Peitscher. Das sind Leute, die es dummerweise nicht geschafft haben, ihre Grsprächspartnerinnen ganz abzuklemmen und sich nun in der misslichen Lage befinden, dass auch jemand anders mal was sagt. Um diese Person zur Eile anzutreiben, kommentieren sie jedes Wort mit zusehends atemloseren «ja, ja, ja» und hetzen sie damit über die Sätze. Ungeduld strömt ihnen aus jeder Pore, und wer nicht völlig gefühllos ist, wird sich innert Kürze derart unwohl fühlen, dass er die Gesprächsführung noch so gern dem oder der anderen wieder überlässt.

Irritierend sind auch jene, die die Schilderung einer anwesenden Person mit absolutem Schweigen quittieren. Nicht einmal ein «aha» oder ein «echt?» kommt ihnen über die Lippen, geschweige denn eine auf Klärung bedachte Frage oder ein wohlwollender Kommentar wie «Das muss ja wirklich hart für dich gewesen sein.» Empathie war gestern. Mit solchen Kollegen und Kolleginnen fühlen Sie sich nachher so schlecht, als hätten Sie einen Fehler gemacht, etwas total Peinliches von sich gegeben oder mindestens etwas so Banales, dass es sich für einen intelligenten Zeitgenossen erübrigt, darauf zu reagieren.

Nicht ganz einfach sind auch diejenigen, die eine Anekdote oder ein simples Erlebnis so detailversessen und dazu langsam erzählen, dass das minuten-, ja über einen Abend verteilt auch stundenlange Zuhören wirklich qualvoll werden kann. Innerlich driftet man zwar ab, bemüht sich aber mit kurzen «ach ja» oder «nein, wirklich?» die kommunikative Fassade aufrechtzuerhalten. Und betet, dass es doch irgendwann mal zu Ende sein möge.

Dabei könnte Miteinanderreden doch so einfach sein. Ein munteres Hin und Her, einmal du, einmal ich, mal mehr, mal weniger, gut verteilter Ballbesitz. Wie schön, wenn das gelingt.

………………..

Wenn Sie unseren wöchentlichen Gratis-Newsletter erhalten möchten, können Sie sich gerne hier anmelden. Sie können diesen Artikel auch in Ihrem Netzwerk teilen:

WIR FREUEN UNS ÜBER IHREN KOMMENTAR

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

dreizehn + fünf =

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht