Die Suche nach den Goldstücken

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10. Oktober 2026 – Wer es schafft, sich nicht von negativen Gedanken erdrücken zu lassen, sondern auch dem Hellen und Heiteren in seinem Leben Platz einzuräumen, ist ein Glückspilz. Manchmal braucht es allerdings auch ein paar bewusste Eingriffe, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen.

Lichtblicke am düsteren Himmel (Illustration KI-generiert)
Lichtblicke am düsteren Himmel (Illustration KI-generiert)

VON BARBARA LUKESCH

Ich weiss nicht, wie es Ihnen ergeht. Mich befällt seit einiger Zeit immer wieder ein Gefühl von Weltschmerz angesichts der sich auftürmenden Probleme, Krisen und Kriege auf diesem Planeten. Richtig schlimm wurde es nach dem überwältigenden und in dieser Höhe wohl doch für viele überraschenden Wahlerfolg der als gesichert rechtsextrem geltenden AfD im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. In dem Moment hatte ich das Gefühl, als würden sich alle Gewissheiten auflösen. Ich war richtiggehend deprimiert.

In meinem Büro in Zürich, wo Fotografen, Grafikerinnen, eine Museumsleiterin und andere Journalistinnen arbeiten, sitzen wir jeweils am Mittag zusammen, essen etwas, einen Salat, ein Müesli, eine Wähe oder Suppe, und quatschen über Gott und die Welt. Mal ist es anregend und lustig, mal überraschend, oft hat es mit dem Weltgeschehen zu tun, und oft landen wir dann natürlich bei negativen, ja, schrecklichen Ereignissen und Entwicklungen. Gestern war es die drohende Auslöschung der Menschheit durch KI. Sie sehen, was ich meine?

Seit einiger Zeit haben wir eine neue Regel eingeführt: Zum Ausklang unserer gemeinsamen Mittagessen erzählen alle noch etwas Positives aus ihrem Leben. Das kann etwas Winziges sein, nichts Weltbewegendes. So erfahren wir dann, dass der Schokokuchen in Ottolenghis neuem Kochbuch «Simple too» eine Wucht ist; dass die nächste Ausstellung unserer Kollegin, die ein Museum leitet, auf bestem Weg ist und demnächst eröffnet wird; dass eine andere Kollegin ihr altes Velo geflickt und eine erste begeisternde Tour um den Greifensee unternommen hat. Im Anschluss setzen wir uns beschwingt an unsere Pulte und arbeiten weiter. Kein Witz!

Dass wir im Trend liegen, fiel mir diese Woche verschiedentlich bei der Zeitungslektüre auf. Die Kolumnistin und SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser beklagte in ihrem jüngsten Beitrag im Online-Magazin «Republik» einen anti-queeren Backlash. Doch statt sich ausschliesslich den wirklich beunruhigenden Entwicklungen auf der ganzen Welt zu widmen, mündete ihr Text in den Appell, sich auf die Suche nach «Golden Nuggets» zu machen. In ihrem Fall: die gleichgeschlechtliche Ehe ist nun auch in Nepal erlaubt. In Bolivien hat zum erstenmal ein Frauenpaar geheiratet und Ungarn und Botswana streichen Anti-Gay-Gesetze.

Schmunzeln musste ich auch, als ein Redakteur des deutschen Nachrichtenmagazins «Spiegel» in einem Kommentar etwas zerknirscht offenbarte, seitens der Leserschaft werde zusehends mehr der Wunsch geäussert, nicht ausschliesslich Horrormeldungen zu verbreiten, sondern auch mal etwas Positives und Schönes. Im Anschluss probierte er genau das und musste einräumen, dass es nicht ganz so einfach ist.

Dass sich die Menschen nach freundlichen Nachrichten und hoffnungsvollen Geschichten sehnen, zeigt auch die Platzierung des Buches «Der Positive-Gedanken-Trick» auf den vorderen Rängen der Bestsellerliste. Das Buch verspricht Tricks, dank denen es gelingt, negative Gedanken und belastenden Ballast loszulassen. Wer kennt diese Erfahrung nicht: Man liegt im Bett, und statt einzuschlafen, drehen sich die Gedanken im Kreis. Wieder und wieder wälzt man Sorgen, beschwört Befürchtungen und Ängste und kommt einfach nicht zur Ruhe.

Mir tut es gut, wenn ich mich darauf beschränke, mir die positiven Erlebnisse des Tages in Erinnerung zu rufen. Das entspannt mich – und kurze Zeit danach bin ich eingeschlafen.

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