Was vor dem Spaziergänger-Paradies war

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12. Oktober 2026 – An schönen Herbsttagen ist die Allmend eine phantastische Promenade für Spaziergänger und «Hündeler». Als Zollikon noch ein Bauerndorf war, gab es tägliche «Alpaufzüge», und auch nachts war die Allmend äusserst belebt.

Eine Zolliker Familie um 1921 beim Spaziergang auf der Allmend (Foto/Illu: Zolliker Ortsmuseum)
Eine Zolliker Familie um 1921 beim Spaziergang auf der Allmend (Foto/Illu: Zolliker Ortsmuseum)

VON RENE STAUBLI

Das mit der Allmend ging so: Wer in der Gemeinde ein klitzekleines Stück Land besass – Minimalausdehnung «sieben Fuss lang und breit», knapp 5 m2 – hatte das Recht, seine Tiere auf der Allmend weiden zu lassen, die sich im Besitz der Dorfschaft befand. Dass man dem wertvollsten Eigenkapital Sorge trug, zeigt der Umstand, dass ab 1622 die «Nachtweide» eingeführt wurde, um das Vieh vor der Sommerhitzen und den Fliegen zu schützen.

Mitte Mai begannen jeweils die «Alpaufzüge», die mit einem Fest gefeiert wurden. Der eine Hirte führte die Kühe vom Ortsteil Gstad am See durchs Oberdorf und die Hohlgass hinauf zur Allmend. Der andere trieb das Vieh vom Gugger und Trubenberg die steile Sägegasse hinauf und durchs Kleindorf zum heutigen Friedhof, dem östlichen Eingang zur Allmend.

Heimweh nach dem Stall

Im alten Schulbuch «Unser Zollikon» wird der sommerliche Aufzug so beschrieben: «Es ist fünf Uhr abends. Die Bauern haben eben ihre Kühe gemolken. Da ertönen langgezogene Hornstösse. Der Hirt beginnt die Herde zu sammeln. Sofort öffnen sich die Ställe. Jeder Viehbesitzer treibt seine Tiere auf die Strasse, wo sie sich der immer grösser werdenden Herde anschliessen. Oben auf der Allmend weiden sie bei Einbruch der Nacht. Sobald sie satt sind, legen sie sich zum Wiederkäuen und zum Schlafen nieder. Mit dem ersten Morgengrauen fangen sie wieder an zu fressen, bis sich das Heimweh nach dem Stall meldet. Dann sammeln sie sich an den Gattern und harren der Hirten. Diese erscheinen um fünf Uhr und führen den Zug dorfwärts vor die geöffneten Ställe. Jede Kuh kennt ihre Heimstatt, tritt ein und wird gleich gemolken.»

Blick von der Allmend auf die Hohlgass, die heutige Bergstrasse
Blick von der Allmend auf die Hohlgass, die heutige Bergstrasse

Um 1900 wurden in Zollikon 57 Viehbesitzer mit etwa 400 Kühen gezählt. Wie heute musste auf der Hohlgass, der heutigen Bergstrasse, mit tierischem Stau im Berufsverkehr gerechnet werden. Dann erfolgte das grosse Hofsterben. Aus dem Bauerndorf wurde eine Vorortsgemeinde, Autos nahmen die Bergstrasse in Beschlag, und die Allmend wurde zur beliebten Flaniermeile für die Bevölkerung.

Die Allmend gehört der Gemeinde, die das Land verpachtet. Dann und wann erinnern die weidenden Kühe an die alte Nutzung.

Allmend – Flaniermeile für die Bevölkerung (Foto: Adrian Michael)
Allmend – Flaniermeile für die Bevölkerung (Foto: Adrian Michael)

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