«Beugi-Nutzung sollte bis 2030 geklärt sein»
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30. Oktober 2026 – Entscheidend sei nicht die Anzahl der Ziele, «sondern dass wir in zentralen Bereichen konkrete Fortschritte erzielen», erklärt Gemeindepräsident Patrick Dümmler. Für die nächsten vier Jahre habe der Gemeinderat «klare Prioritäten gesetzt». Wir präsentieren die Legislaturziele 2026 – 2030 des Gemeinderats und haken nach.

INTERVIEW: RENE STAUBLI
Vor vier Jahren präsentierte der Gemeinderat zuerst «Wortwolken» und anschliessend eine Vielfalt von Zielen, darunter auch unrealistische wie die Untertunnelung der Strassemverkehrs im Zollikerberg. Diesmal habe man sich auf das Machbare beschränkt und die Legislaturschwerpunkte «erstmals eng zwischen Gemeinderat und Schulpflege abgestimmt», sagt Dümmler. So könne man die Entwicklung der Gemeinde und jene der Schule stärker miteinander verbinden. Bei der Gemeinde liegt der Fokus auf der Ortsentwicklung und der Lebensqualität. Die Legislaturziele sind grau hinterlegt:
Ortsentwicklung: Die Gesamtrevision der Ortsplanung wird durchgeführt. Dabei werden die Grundlagen für die räumliche Entwicklung Zollikons in den nächsten 15 bis 25 Jahren erarbeitet. Die Ortsplanung erfolgt in zwei Schritten: zunächst mit der kommunalen Richtplanung und anschliessend mit der kommunalen Nutzungsplanung, mit welcher die Bau- und Zonenordnung sowie der Zonenplan gesamthaft revidiert werden.
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Wird die Alte Landstrasse noch in dieser Legislatur zu einer Begegnungszone mit Tempo 20?
Die Idee geniesst starke Unterstützung, aber es ist noch kein Entscheid gefallen. Der nächste Schritt ist die Auswahl eines Planungsbüros, dass uns bei der Erarbeitung der möglichen Aufwertungsvarianten unterstützt. Die Umgestaltung soll im Nachgang zum Einbau des Fernwärmenetzes im Jahr 2028 erfolgen, sofern die Planung auf Zustimmung im Dorf und bei den Direktbetroffenen stösst und keine Rechtsmittel die Umsetzung verzögern. Wir legen auch hier Wert auf eine breite Diskussion mit der Bevölkerung.
Wird parallel dazu der Dorfplatz noch in dieser Legislatur auf menschen- und klimafreundliche Weise aufgewertet?
Für die weitere Planung sollten wir die Alte Landstrasse und den Dorfplatz als Ensemble betrachten. Auch das Beugi-Areal gehört zu diesem zentralen öffentlichen Raum, denn je nach Nutzung ergänzen sich die drei Elemente. Für uns gehört es zu den Schwerpunkten der Planung, auf alle damit zusammenhängenden Fragen gute Antworten zu finden.
Stellt der Gemeinderat noch in dieser Legislatur einen konkreten Entwicklungsplan für das Beugi-Areal vor?
Der Schwerpunkt liegt in dieser Legislatur klar auf der Ortskernentwicklung Zollikerberg. Es wäre nicht realistisch, parallel zwei grosse Zentrumsentwicklungen mit derselben Intensität voranzutreiben. Beim Beugi streben wir an, dass bis zum Ende der Legislatur die Nutzung geklärt ist.
Ortskernentwicklung Zollikerberg: Das 2024 gestartete Entwicklungsprojekt für den Zollikerberg wird weitergeführt. Die Entwicklungsmöglichkeiten werden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie vertieft geprüft und ein Architektur-Wettbewerb durchgeführt. Das daraus hervorgehende Siegerprojekt bildet die Grundlage für die anschliessende Projektierung. Ziel ist ein zukunftsweisender Ortskern, der Raum für Begegnungen schafft, die umliegenden Quartiere besser vernetzt und die Identität des Zollikerbergs als eigenständigen Teil von Zollikon stärkt.
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Wird die Machbarkeitsstudie der Bevölkerung vorgelegt? Und wenn ja, wann?
Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie mit der Bevölkerung diskutieren, in welchem Rahmen ist noch offen. Wir gehen Stand heute davon aus, dass wir die Ergebnisse im April 2027 vorliegen haben.
Geht der Gemeinderat davon aus, dass der Architekturwettbewerb noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden kann?
Vorbehältlich nicht einplanbarer Verzögerungen: Ja, so ist es vorgesehen.
Wer entscheidet, letztlich über das Siegerprojekt?
Das wird eine Jury sein, deren Zusammensetzung wir im Verlauf des Prozesses noch festlegen werden. Wir halten es für eminent wichtig, dass dort Repräsentanten der Bevölkerung vom Zollikerberg vertreten sind und nicht nur Architekten und Politiker.
Attraktivierung Seeufer: Ausgewählte Bereiche entlang des Seeufers werden weiterentwickelt und aufgewertet. Im Zentrum stehen die Wässerig-Wiese, die Anlegestelle sowie der Seezugang beim ehemaligen Altersheim am See. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität und den Zugang zum See für die Bevölkerung zu verbessern.
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Wann stellt der Gemeinderat der Öffentlichkeit das definitive Projekt für die Gestaltung der Wässerig-Wiese vor?
Wir erwarten, dass wir die erste Etappe nächstes Jahr beginnen können. Die zweite kommt dann einige Zeit später, denn der Kanton plant, die Linienführung der Seestrasse in diesem Bereich anzupassen, was uns zusätzliche Möglichkeiten auf dem Areal schaffen würde. Wir diskutieren auch, ob man den Zugang zur Wässerig von der Bushaltestelle Bahnübergang her vereinfachen könnte, beispielsweise mit einem Lift oder mit einer Treppe. Bislang musste man ja einen grossen Umweg gehen, wenn man mit dem ÖV dorthin gelangen wollte. Wir bringen unsere Ideen im Rahmen der Neuplanung für die Seestrasse beim Kanton ein.
Was schwebt dem Gemeinderat zur Aufwertung der Schiffsanlegestelle mit dem kleinen Park neben der Seebadi vor?
Zuerst realisieren wir das Projekt Wässerig, denn dort werden bald die Bauarbeiten für die unterirdische Seewasserzentrale für die Fernwärme abgeschlossen sein. Dann können wir das Areal übernehmen und nach unseren Wünschen gestalten. Bei der Schiffsanlegestelle neben der Badi sind wir noch nicht so weit. Absehbar ist, dass der Kanton die Einmündung der Bahnhofstrasse in die Seestrasse neu gestalten wird. Vorgesehen sind eine Lichtsignalanlage und anstelle der Unterführung ein Fussgängerstreifen. Dann wird man den kleinen Park, den Bootshafen, die Schiffsanlegestelle und die Aussichtsterrasse leichter erreichen können.
Was kommt zuerst: die Klärung der Zukunft des ehemaligen Altersheims am See oder die Aufwertung des dortigen Seezugangs?
Die Aufwertung des Seezugangs wird zuerst kommen. Seit dem damaligen Beschluss der Gemeindeversammlung ist der Seeuferanteil – anders als das Altersheim auf der anderen Strassenseite – vollständig in Gemeindebesitz. Das heisst, wir können dort rascher vorwärtsmachen. Wir wollen in dieser Legislatur bei allen drei Seezugängen vorwärtskommen. Ob alles schon fertig sein wird, glaube ich eher nicht. Aber wir wollen zumindest alles unternehmen, dass die drei Zolliker Seezugänge spätestens in der nächsten Legislatur von der Bevölkerung noch besser benutzt werden können.
Wohnraumpolitische Grundsätze und Immobilienstrategie: Wohnraumpolitische Grundsätze werden festgelegt und eine Immobilienstrategie erarbeitet. Damit werden langfristige Grundlagen für den Umgang mit den gemeindeeigenen Liegenschaften, wie beispielsweise dem Beugi oder dem ehemaligen Altersheim am See geschaffen, und der künftige Investitionsbedarf für Instandsetzungen, Erneuerungen, Erweiterungen oder Umnutzungen festgelegt. Berücksichtigt werden dabei auch veränderte Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, unter anderem im Alter.
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Wird die Gemeinde weiterhin eigene Immobilien verkaufen? Und wenn ja, in welcher Grössenordnung?
Diese Frage ist Teil unserer strategischen Diskussion zu den wohnraumpolitischen Grundsätzen, deren Ergebnis wir schriftlich festhalten wollen. Grundsätzlich kann ich es mir nicht vorstellen, dass man einfach sagt, nein, wir verkaufen überhaupt nichts mehr. Wir haben heute ein sehr diverses Portfolio mit mehr als 100 Liegenschaften im Finanzvermögen, deren Zweck nicht der Erledigung von Gemeindeaufgaben dient. Der Bestand ist historisch gewachsen und von unterschiedlicher Qualität. Die Frage stellt sich, welchen Zweck jede einzelne Liegenschaft erfüllen könnte, beispielsweise beim Thema «Wohnen im Alter» oder «günstiges Wohnen». Gewisse Liegenschaften werden wir entsprechend entwickeln, andere unterhalten und belassen wir, wie sie sind, und wiederum andere werden wir umnutzen oder eben auch verkaufen.
Wie stellt sich der Gemeinderat zum Plan, das ehemalige Altersheim Beugi fürs Wohnen im Alter umzunutzen?
Grundsätzlich positiv, das ist aber nur eine von mehreren Optionen. Der Standort Beugi wäre für ältere Personen vor allem angesichts der zentralen Lage attraktiv. Man hat die Möglichkeit, zu Fuss einkaufen zu können. Ein mögliches Konzept ist – im Dorf wie im Berg – die Idee des «10-Minuten-Dorfs», d.h. viele Produkte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs sind in einem Umkreis von 10 Minuten zu Fuss erreichbar. Folglich könnte man das Beugi gut für einen Bevölkerungsteil nutzen, der vielleicht nicht mehr so mobil ist. Ich will das Ergebnis unserer Diskussionen über mögliche Nutzungen nicht vorwegnehmen, aber wir werden die Option «Wohnen im Alter im Beugi» sicher prüfen.
Wie lautet der wichtigste «wohnraumpolitische Grundsatz» des Gemeinderats?
Was wir im Bereich der Wohnbaupolitik machen, soll meiner Meinung nach der breiten Bevölkerung dienen und der Gemeinde den grösstmöglichen Nutzen bringen. Und zwar nicht nur heute, sondern auch langfristig. Doch noch sind wir nicht so weit, wir müssen als Gemeinderat diesen Grundsatz noch zusammen erarbeiten.
Integrierte Versorgung: Eine koordinierte und integrierte Versorgung mit Fokus auf ältere Menschen in der Gemeinde wird aufgebaut. Ziel ist es, die verschiedenen Angebote und Akteure besser zu vernetzen und ältere Menschen bedarfsgerecht zu unterstützen.
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Was ist im Vergleich zu heute die wichtigste konkrete Verbesserung, von der alte Leute bis in 4 Jahren profitieren können?
Die Gemeinde Zollikon soll fürs Alter so aufgestellt sein, dass möglichst unnötige Pflegeheimeintritte verhindert werden und die Menschen lange im eigenen «Daheim» bleiben können.
Kulturhaus Villa Meier Severini: Die Villa Meier-Severini soll künftig als öffentliches Kulturhaus genutzt und zu einem Begegnungsort für die Bevölkerung werden. Das heutige Ortsmuseum soll seinen bisherigen Standort aufgeben und in das neue Kulturhaus integriert werden.
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Wie viel Geld ist erforderlich, um das Kulturhaus Meier Severini am Dufourplatz betriebsfertig zu machen?
Noch können wir keinen konkreten Betrag nennen. Denn wir sind mittendrin in der Grundlagenermittlung und Projektentwicklung. Klar ist, dass der Entscheid über den Ausführungskredit in der Kompetenz der Gemeindeversammlung liegt, voraussichtlich wird der Souverän im Juni 2027 darüber abstimmen können.
Was geschieht mit dem Gebäude, in dem heute das Ortsmuseum untergebracht ist?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber noch keinen Beschluss. Vorstellbar sind eine noch offene Nutzung für Gemeindezwecke, eine Abgabe im Baurecht oder eine Vermietung an Private. In jedem Fall stellt sich die Frage, wer das Haus saniert. Soll das die Gemeinde machen oder könnte es Sache der Partei sein, die das Objekt übernimmt? Die Herausforderung dabei: ein grosser Teil des Gebäudes inklusive Innenräume ist geschützt, man darf also nichts verändern, sondern nur instandsetzen.
Zwei Fragen zum Schluss: Das wohl grösste Gegenwartsthema fehlt in den Legislaturzielen: der Klimawandel. Warum?
Wir haben diesen Schwerpunkt bereits in der letzten Legislatur kommuniziert: Wir wollen bis zum Jahr 2035 mit den gemeindeeigenen Liegenschaften, Anlagen und Betrieben klimaneutral werden. Die Arbeit an diesem wichtigen Thema geht selbstverständlich weiter, und die Fortschritte sind beachtlich: Wir ersetzen Heizungssysteme klimaneutral, sei es mit Fernwärme, wo wir unsere Liegenschaften anschliessen können, oder mit individuellen Lösungen wie Erdsonden und Wärmepumpen. Bei der Fahrzeugbeschaffung setzen wir, wenn immer möglich auf Elektroantrieb. In der vorletzten Legislatur gab es noch kein einziges Photovoltaik-Modul auf einer gemeindeeigenen Liegenschaft, jetzt haben wir Hunderte. Der Ausbau wird weitergehen, Photovoltaik wird bei Dachsanierungen immer ein Thema sein, sofern es auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Der Gemeinderat betont in seiner Medienmitteilung zu den Legislaturzielen die enge Verbundenheit mit der Schule. Man stehe bei vielen Zukunftsfragen vor gemeinsamen Aufgaben. Hatte der Gemeinderat genug von den Alleingängen des Schulpräsidiums, die im November 2023 sogar zu einer Behördenkonferenz führten, einer eigentlichen Krisensitzung zwischen Gemeinderat und Schulpräsidium zum Thema Zusammenarbeit?
Wir wollen ein klares Signal setzen, dass wir eine Einheitsgemeinde sind. Wir haben in der Medienmitteilung bewusst hervorgehoben, dass wir unsere Arbeit gemeinsam erledigen, und dass die gegenseitige Abstimmung in dieser Legislatur besser werden soll, als sie es in der Vergangenheit war.
Der Gemeinderat stellt der Bevölkerung seine Legislaturschwerpunkte im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom 2. Dezember 2026 vor.
Legislaturziele Gemeinderat 2022 – 2026
Legislaturziele Schule 2022 – 2026
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