Geri Meier und seine flexiblen Bienen

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6. November 2026 – Pro Bienenvolk hat Geri Meier in diesem Jahr doppelt so viel Honig geerntet wie in durchschnittlichen Jahren. «Die Bienen passen sich dem veränderten Klima an», sagt der erfahrene Imker vom Zollikerberg, «aber auch wir Züchter müssen flexibler auf die Veränderungen reagieren.»

Imker Geri Meier vom Zollikerberg (Foto: zVg/Pixabay)
Imker Geri Meier vom Zollikerberg (Foto: zVg/Pixabay)

VON RENE STAUBLI

Geri Meier hatte im letzten Jahr 10 Bienenvölker; nach Winterverlusten startete er nur noch mit 5 in die neue Saison. «Aber von diesen 5 sind im Frühling 4 Völker bereits so gross gewesen, dass sie bereit waren für das grosse Blütenfest», schwärmt er. Pro Volk habe er über 20 kg Honig ernten können, «weit mehr als die Bienen für ihren Eigenbedarf brauchen».

Zur Rekordernte habe vor allem das sonnige Wetter im Frühling beigetragen. Der Boden war noch feucht, nicht wie im Sommer, als es staubtrocken war. Regenphasen gab es keine. «Die Pflanzen konnten den Nektar so richtig fliessen lassen, starker Regen hätte ihn ausgewaschen.»

Die Klimaerwärmung wirke sich aber schon auf die Bienen aus, räumt Meier ein. Die Blütezeit gehe wegen der milden Winter früher los und sei «gestaucht». Früher hätten die Obstbäume klar vor dem Raps geblüht, heute komme je länger je mehr alles miteinander. «Das ist natürlich ein Wahnsinn für die Bienenvölker, die viel früher bereit sein müssen, um die Massentracht innert weniger Wochen hereinzuholen» – so nennt man das extrem reichhaltige Nahrungsangebot, wenn alles in Blüte steht. Seine Königinnen hätten schon Mitte Februar mit der Brut begonnen und ihre Völker in deutlich kürzerer Zeit als sonst aufgebaut – «sie sind bemerkenswert flexibel und können sich anpassen.»

«Die wollen immer arbeiten!»

Nach der «Massentracht» komme ab Juni die «Trachtlücke». Von da an gehe es geruhsamer zu und her, denn die grösste Arbeit sei ja getan. «Trotzdem sind meine Bienen im Hitzesommer frühmorgens bei noch erträglichen Temperaturen ausgeflogen», schmunzelt Geri Meier, «die wollen immer arbeiten, es ist eine wahre Freude, wie sie aus dem Kasten schiessen und zielstrebig wieder nach Hause zurückkehren!» Als Imker müsse er im Sommer insbesondere darauf achten, dass die Kästen Schatten bekommen und genug Wasser vorhanden sei. Im Inneren schützen sich die Bienen vor der Hitze, indem sie mit den Flügeln schlagen, ähnlich Opernbesucherinnen, die sich Luft zufächeln.

Wegen der Klimaerwärmung könne er nicht mehr wie früher nach dem Kalender arbeiten. Er müsse die Wetterentwicklung noch genauer beobachten und auch die sogenannten «Zeigepflanzen», an denen sich der Beginn der Blütezeiten ablesen lasse. An diesen äusseren Zeichen erkenne er, wann er seinen Völkern im Kasten beispielsweise mehr Platz verschaffen und weitere Wabenrahmen einhängen müsse. Die Bienen bauen diese Rahmen dann mit Wachszellen zu «Wiegen» für die Brut und zu Gefässen für Honig und Pollen (Bienenbrot) aus. «Interessanterweise vergrössert sich ein Volk bis zur Sommer-Sonnenwende am 21. Juni», sagt Meier, «von da an bildet sich der Bestand wieder zurück.»

«Sie suchen den Honig für sich selber»

Ihre Honigernte lagern die Bienen zuerst im unteren Teil der Kästen ein, im sogenannten Brutraum. Dort ziehen sie ihre Nachkommen in Waben auf und füttern sie mit Honig und Pollen. Über dem Brutraum, gleichsam im verstecktesten Winkel des Nests, vor Räubern geschützt, befindet sich der «Honigraum». «Wenn wir den Honig abschöpfen, tun wir das nur im Honigraum», sagt Meier, «aus dem Brutraum nehmen wir nichts.» Weil die Bienen den «überschüssigen» Honig eigentlich für den Winter gesammelt haben, werden sie ab dem Spätsommer mit Zuckerwasser versorgt. Meier sagt fast ein wenig entschuldigend: «Sie suchen den Honig ja eigentlich nicht für uns, sondern für sich selber.»

Aber natürlich nimmt er die reiche Ernte gerne entgegen. Er füllt den Honig in Gläser ab und verkauft ihn seinem wachsenden Kundenstamm. Vor Jahren habe er damit begonnen, mit dem Velo in der näheren Umgebung herumzufahren und Werbezettel in die Briefkästen zu werfen. Den schönen Erfolg führt er auch darauf zurück, «dass viele Leute der Meinung sind, der einheimische Honig wirke am besten gegen Allergien». Ob das so sei, wisse er allerdings nicht.

Mit Verlusten muss man rechnen

Die jährliche Honigernte ist das eine, die Zucht das andere. Den Verlust von 5 Völkern im letzten Winter könne er sich nicht vollständig erklären, sagt Meier. Gut, es habe im Herbst eine «Räuberei» zwischen zwei Völkern gegeben, wobei eines vernichtet worden sei – «da geht es um Leben und Tod!». Aber abgesehen davon habe er eigentlich alles gut gemacht und auch darauf geachtet, die gefürchtete Varroamilbe im Zaum zu halten.

Das Ungeziefer, das seit 1984 in der Schweiz sein Unwesen treibt, profitiert von den milderen Wintern und der dadurch längeren Brutphase, indem es mehr Vermehrungszyklen hat. Befällt die Milbe die Bienen, kann sie sie mit ihrem Virus flugunfähig machen. Als neue Bedrohung sei die asiatische Hornisse aufgetaucht, die nicht nur Pflanzen fresse, sondern auch Insekten jeglicher Art, also auch Wild- und Honigbienen. Sie sei bereits an Dutzenden Orten in Zürich registriert worden. «Das wird eine neue Herausforderung», meint der Imker, «der Weg auf den Zollikerberg ist nicht mehr weit».

Um das eigene Überleben zu sichern, produziert das Bienenvolk im Frühling viele neue Königinnen, damit diese neue Völker heranziehen können. Da aber jedes Volk nur eine einzige Königin duldet, zieht in der Regel die alte Königin mit einem Teil des Volkes aus, bevor die Jungköniginnen schlüpfen: «Wir Imker sind gar nicht erfreut, wenn die Bienen schwärmen», sagt Meier, «denn dann teilt sich das Volk auf, und man kann keinen Honig mehr ernten.» Um das Schwärmen zu verhindern, schneiden die Imker die neuen Königinnenzellen aus.

Spannend ist, wie gross ein Volk werden kann: In einer gewachsenen Population leben und arbeiten bis zu 14’000 Bienen, was eine gewisse Vorsicht im Umgang ratsam macht. Geri Meier nähert sich seinen Kästen jedenfalls in aller Regel im Imker-Ganzkörperanzug: «Meine Bienen sind eben nicht immer so zahm.»

Bienen haben verschiedene Jobs

Faszinierend ist, dass die Bienen im Verlauf ihres kurzen Lebens verschiedene Jobs verrichten und dabei in der Hierarchie langsam aufsteigen. Die Jungbienen betätigen sich zuerst als Putzkraft der Schlupfzellen. Als Ammenbienen füttern sie die Larven mit Honig und Pollen. Später nehmen sie ihren Genossinnen, die von der Nahrungssuche nach Hause kommen, den Nektar ab und füllen ihn in die Zellen. Wenn sie ins Alter kommen, wo die Wachsdrüsen aktiv werden, bauen sie Waben. Schliesslich übernehmen sie die Bewachung des Eingangs zum Kasten. Die Königsaufgabe ist dann das Sammeln von Nektar, Pollen und Wasser, was mit einer gewissen Ertrinkungsgefahr verbunden ist. «Diesen Job machen die reiferen Bienen», erzählt Meier, sichtlich angetan vom hohen Organisationsgrad seiner Völker.

Beim Sammeln entfernen sich die Bienen bis zu einem Radius von drei bis fünf Kilometern von ihren Brutkästen, wobei sie kraftsparend in der näheren Umgebung fliegen, falls das Blütenangebot reichlich ist. Wenn sie eine grosse Tracht finden, also eine Blumenwiese voller Nektar, führen sie nach der Rückkehr im Bienenstock einen speziellen Kreiseltanz auf und signalisieren damit, in welcher Richtung und in welcher Entfernung sich die ergiebigen Jagdgründe befinden. Dann fliegen die andern Bienen zielstrebig los. Sie orientieren sich dabei am Sonnenstand.

Starke Verbindung zur Natur

Geri Meier beobachtet seine Völker mit grosser Begeisterung. Sie faszinierten ihn nicht nur als Lebensgemeinschaften, schön sei auch die starke Verbindung zur Natur, die sich aus der Hege und Pflege der Bienen ergebe: «Man wird sensitiver, was in der Pflanzenwelt vor sich geht.»

Eine Konstante gebe es: was er in diesem Jahr mache, präge das nächste. Wenn es ihm nicht gelinge, gute Jungvölker aufzuziehen, zahle er dafür im Folgejahr den Preis: «Ich muss immer vorausdenken.»

Inzwischen richten sich die Bienen für die Winterruhe ein, «sie schlafen nicht, sie ruhen nur», stellt Meier klar. Dabei bilden sie eine Kugel, in der sie sich bei kalten Temperaturen abwechselnd wärmen: «Diejenigen, die aussen sind, dürfen nach einiger Zeit ins warme Innere.»

Auch er habe nun seine Ruhe, sagt Geri Meier, und das sei schön. Er bekomme in den kommenden Monaten ein wenig Abstand, freue sich aber auch in seinem 17. Jahr als Imker schon auf die nächste Saison: «Wenn ich merke, dass meine Bienenvölker erwachen, packt mich das Fieber.»

Winterruhe für die Bienen und den Imker
Winterruhe für die Bienen und den Imker

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