Ein Opfer des eigenen Erfolgs

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27. Februar 2026 – Das Café am Puls unterzieht sein Angebot einer radikalen Schrumpfkur. Schluss mit dem «besten Kaffee auf dem Zollikerberg» – hin zum Ort von Begegnung und Austausch. Eine zehnwöchige Pause soll dem gebeutelten Team Zeit für Erholung und Stabilisierung verschaffen.

Ort der Begegnung: Das Café am Puls (Foto: ZN)
Ort der Begegnung: Das Café am Puls (Foto: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

«Nicht schon wieder!» werden sich viele denken, wenn sie den Aushang an der Fensterfront des Cafés am Puls in Zollikerberg lesen. Dort erfahren sie nämlich, dass der beliebte Treffpunkt bis zum 6. Mai geschlossen bleibt. Ab dann werde er jeweils von Mittwoch bis Freitag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet sein. Der Grund? «Eine weitere Um- und Neugestaltung des Konzepts».

Erstaunlich! Schliesslich hatte das Café erst eine knapp zweimonatige Winterpause hinter sich, in der man sich schon einmal der Um- und Neugestaltung des Konzepts angenommen hatte. Den Verantwortlichen war klar geworden, dass das Café nicht mehr Schritt halten konnte mit den zunehmenden Besucherzahlen. Es mangelte an Personal, immer mehr Freiwillige zogen sich ganz zurück. Das Erstellen der Dienstpläne wurde zusehends zur Herkulesaufgabe. Kaum war ein Loch gestopft, zeigte sich das nächste an anderer Stelle. Wer blieb, leistete Zusatzschichten und brannte aus. Hinter vorgehaltener Hand beklagten sich verschiedene Freiwillige über mangelnde Wertschätzung, was die Stimmung im Team zusehends belastete. Ein Teufelskreis.

Fünf Jahre nach der Eröffnung bestand also dringend Handlungsbedarf. So beschränkte man den Betrieb auf vier Tage pro Woche von Dienstag bis Freitag, reduzierte das Angebot über Mittag und schraubte die eigenen Ansprüche damit deutlich herunter. Es gab personelle Wechsel. Im Januar wagte man die Wiedereröffnung.

Exodus der Freiwilligen

Zu früh offenbar. Denn keine zwei Monate später ist klar: Das Café am Puls braucht eine wesentlich tiefgreifendere Reorganisation. Pfarrer Simon Gebs, der als Teil der CaP-Leitung Mitverantwortung trägt, räumt denn auch unumwunden ein, dass wir uns mit dem Projekt «ressourcen- und kostenmässig» übernommen haben: «Unser Anspruch, so etwas wie High End-Gastronomie zu bieten, hat zur Erschöpfung aller Beteiligten geführt.»

Nur schon der Werbeslogan vom «besten Kaffee auf dem Zollikerberg» habe die Erwartungen derart hochgetrieben, dass der Druck immer grösser geworden sei. Dazu sei das Platzangebot mit dem ursprünglich gar nicht geplanten Einbezug des Kirchgemeindesaals derart gewachsen, dass Personal und Freiwillige immer stärker gefordert worden seien.

Notfallübungen hätten schon beinahe zur Tagesordnung gehört, so Gebs, was die Anstellung von zusätzlichem bezahlten Personal nötig gemacht habe. Die Folge? «Steigende Kosten, so dass das Café am Puls nie nur annähernd seine Kosten decken konnte.»

Habe man ursprünglich auf 60 Freiwillige zurückgreifen können, sei diese wichtige Ressource inzwischen auf knapp 40 geschrumpft. Nun brauche es einen Kurswechsel, der dieses bei vielen so beliebte Angebot zwar erhalte – «das bleibt eine Herzensangelegenheit unserer Kirchgemeinde» –, aber auf eine Basis stelle, der man auf Dauer auch gewachsen sei: «Wir müssen das Café am Puls neu denken».

Keine Mittagsküche mehr

Der erste Schritt in diese Richtung sei die nun anberaumte Pause von rund zweieinhalb Monaten, in der alle Beteiligten «zur Ruhe kommen können, um uns als Team wieder zu stabilisieren.» Um diesmal eine wirklich nachhaltige Verbesserung zu erreichen, habe man die Reduktion des Betriebs auf drei Halbtage beschlossen und damit auch die Preisgabe der Mittagsküche.

Gleichzeitig aber halte man an allen zusätzlichen Angeboten wie der Apéro-Time, dem Talk am Puls, dem Sing- und Strickcafé fest: «Das Café am Puls soll in allererster Linie ein Ort der Begegnung und des Austauschs und weniger ein schickes Café sein», sagt Gebs. Man wolle das ursprüngliche Anliegen des «Mitenand und fürenand» wieder ins Zentrum stellen.

Damit es diesmal gelingt, hat man auch personelle Veränderungen vollzogen. Das entscheidende Problem stelle sich bei der Rekrutierung von Freiwilligen, unter denen es tatsächlich zu einem Riesenaderlass gekommen sei. Gebs nickt. Da sei tatsächlich einiges schiefgelaufen: «War es der zunehmende Druck, der die Qualität der Arbeit zunehmend beeinträchtigte, das Fehlen von Wertschätzung, belasteten Loyalitätskonflikte die Stimmung im Team?» Er zuckt mit den Achseln. Es hätten wohl mehrere Faktoren dazu beigetragen. Wovon er allerdings überzeugt sei: «Mit dem neuen Konzept, das tiefe Einschnitte vornimmt, und der neuen Leitung sind wir auf dem richtigen Weg.»

Freiwillige gesucht: Unter diesem Link finden Sie alle Angaben.

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