Endlich wieder Sonne und ein blauer Himmel!
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Barbara Lukesch und René Staubli: «Am Karfreitag lag das Appenzellerland noch unter einer dicken Schneedecke. Dann schmolz die Sonne die weisse Pracht innert Kürze weg. An Ostern war der Weg frei für eine tolle Tour mit bombastischer Aussicht.»

VON BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI
Dieser Wanderausflug wird als «Bänkli-Tag» in unsere Geschichtsbücher eingehen. Schon am Bahnhof Bühler, wo wir auf unsere Freunde warten, geniessen wir die warme Sonne. Auffällig: die Sträucher und Bäume knospen auf dieser Höhe noch kaum, während es im Unterland bereits blüht und spriesst. Wir machen uns auf den Weg, er ist mit «Hohe Buche» gut ausgeschildert. Vom Bahnhof geht es an der grossen Tisca-Teppichfabrik vorbei steil nach oben. Schon nach wenigen hundert Metern erscheint der Hohe Kasten in unserem Blickfeld; er wird uns den ganzen Tag begleiten. Ebenso der wuchtige Säntis. Wir geniessen den Anblick – natürlich auf einem Bänkli.


Wir befinden uns auf dem Weg «Rond om Bühler». Auf etlichen Schautafeln erfährt man Wissenswertes zur bemerkenswerten Industriegeschichte des Dorfes, über die heimische Pflanzen- und Tierwelt, über Kultur und Brauchtum sowie interessante Geschichten über das Appenzellerland. Faul, wie wir heute sind, geniessen wir nach etwas oberflächlichem Studium lieber wieder die Sonne.

Nun geht es sehr gemächlich bergan. Wir treffen nur noch vereinzelt auf Schneefelder, die Wege sind bereits gut gespurt. Der Blick auf den Bodensee lässt nicht lange auf sich warten, und dann sind wir auch schon beim Gasthaus Hohe Buche. Dass es wie ein Provisorium aussieht, täuscht nicht. Am 27. Februar 1990 schlug während des Wintersturms «Vivian» ein Blitz ins Gebäude. Sowohl das Gasthaus als auch der dazugehörige Bauernhof brannten vollständig ab. Die Wiedereröffnung fand noch im selben Jahr statt. Inzwischen ist aus dem Provisorium ein Providurium geworden.



Diesmal verpflegen wir uns nicht auf der einladenden Sonnenterrasse der Beiz, sondern ein Stück weiter oben beim Stall auf der Kuppe. Drinnen muhen die Kälber, wir setzen uns draussen auf die lange Bank, auf der gut und gern 20 Wandersleute Platz finden würden. Die Verpflegung aus dem Rucksack schmeckt köstlich: belegte Aufbackbrötli und Rohkost.


Hinunter zur Wissegg sind es nur ein paar Minuten. Wir überqueren die Strasse und stossen auf dem Weg Richtung Gäbris bald auf «Breitenebnet City». Hier sind wir noch nie vorbeigekommen, ohne im Hofladen von Barbara Linsener eine feine Konfi zu kaufen.
Nach einem kurzen, steilen Stück müssen wir uns entscheiden, ob wir durch den Wald auf den Oberen oder auf dem Strässchen zum Unteren Gäbris wandern wollen. Weil im Wald noch ziemlich viel Schnee liegt, fällt uns die Wahl nicht schwer. Die Belohnung folgt auf dem Fuss: eine bombastische Aussicht in die österreichischen Berge. Natürlich finden wir wieder ein Bänkli, diesmal eines in Geissenform, denn wir befinden uns auf Gaiser Boden.

Wir kehren im Unteren Gäbris ein, wo wir einen Cappuccino, ein Bier, eine kalte Ovo aus frischer Milch vom Hof und ein Rivella bekommen. Die Sonne wärmt uns, eine Katze macht es sich auf den Knien verschiedener Gäste bequem und schnurrt behaglich. Es herrscht rundherum eine friedliche Stimmung, der Frühling ist da!
Bei all den vielen Pausen ist die Zeit weit fortgeschritten. Wir brechen wieder auf und gelangen zum Gäbrisseeli, einem Kleinod, das ein lokaler Landwirt ehrenamtlich angelegt hat. Enten paddeln vergnügt um die Wette. Man kann das Moorseelein auf einem schmalen Weg umrunden. In den nächsten Monaten wird es wieder eine Menge Kaulquappen haben, und bald danach quaken die Frösche.

Schon bald taucht linkerhand die Häusergruppe Schwäbrig auf. Dort betrieb Jörg Kachelmann von 1990 bis 2013 seinen Wetterdienst Meteomedia. Wir überlegen uns, wie die Wanderung weitergehen soll. Es gibt drei Varianten. Über den Sommersberg nach Gais, da lockt eine fantastische Aussicht ins Rheintal. Oder kurz vor dem Sommersberg Richtung Klosmeren und von dort durch eine tolle Landschaft hinunter zum Stoss, wo man ins Appenzeller Bähnli nach Gais steigen könnte (diesen Weg haben wir im PDF eingezeichnet). Wir wählen die dritte Möglichkeit und nehmen den kürzesten Weg auf dem meist autofreien Asphaltsträsschen direkt nach Gais, vorbei an der stetig wachsenden Rehaklinik, die sich seit der Gründung im Jahr 1959 als «Vorreiterin im Kampf gegen die körperlichen und seelischen Schädigungen der fortschreitenden Zivilisation» anpreist. Es sind vor allem Herz- und Burnout-Patienten, die im unvergleichlichen Appenzeller Klima genesen.
Bald darauf stehen wir auf dem Dorfplatz von Gais, das im Jahr 1977 den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes für den Erhalt des Dorfbildes erhalten hat. Das Örtchen war zwischen 1749 und 1860 weltberühmt als Molkenkurort. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Wir sind glücklich nach dieser schönen, entspannten Frühlingswanderung.

Anforderung: 14,9 km, 687 Meter aufwärts, 590Meter abwärts. 4 ½ Stunden (ohne Bänkli).
Route: PDF von SchweizMobil
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