FDP: Grosser Sieg, bitterer Wermutstropfen

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10. März 2026 – Die FDP Zollikon stand nahe am totalen Triumph. Sie hatte mehr Kandidierende zur Hand als jede andere Partei. Sie liess im Wahlkampf ihre Muskeln spielen, tapezierte das Dorf mit Unmengen von Plakaten und schickte teure Hochglanz-Flyer in sämtliche Haushalte. Sie schaffte es sogar…

BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI

Barbara Lukesch und René Staubli

Die FDP Zollikon stand nahe am totalen Triumph. Sie hatte mehr Kandidierende zur Hand als jede andere Partei. Sie liess im Wahlkampf ihre Muskeln spielen, tapezierte das Dorf mit Unmengen von Plakaten und schickte teure Hochglanz-Flyer in sämtliche Haushalte. Sie schaffte es sogar, die schärfste Konkurrentin Forum 5W ins Unterstützungskomitee für den designierten Schulpflege-Präsidenten David Sarasin zu holen.

Die Rechnung ist mehrheitlich aufgegangen: Patrick Dümmler und Marc Raggenbass haben mit Leichtigkeit die Präsidien von Gemeinderat und RGPK übernommen. Sämtliche FDP-Kandidatinnen und Kandidaten wurden wiedergewählt und erzielten grösstenteils Spitzenresultate. Die FDP stellt ziemlich genau die Hälfte aller Behördenmitglieder. F5W-Präsident Jürgen Schütt ist vom Gesamtresultat nicht überrascht: «Zollikon ist eine FDP-Gemeinde, an ihr kommt man nicht vorbei.»

Doch da gibt es einen Wermutstropfen im Kelch der Freisinnigen: David Sarasin hat im ersten Anlauf die Wahl als Schulpflegepräsident nicht geschafft. Er muss am 14. Juni zur Stichwahl gegen den vermeintlichen Aussenseiter Rui Biagini (GLP) antreten. Was sind die Gründe für diese ungewohnte Teilniederlage?

Die FDP betont unentwegt den Stellenwert von «Eigenverantwortung» und «Leistung». Sie hat es im Wahlkampf aber tunlichst vermieden, die Leistungen von Sarasin als Vizepräsident der Schulpflege zu hinterfragen und kritisch zu würdigen. Sarasin selber verwies bei öffentlichen Auftritten stets auf seine Führungserfahrung als langjähriger CEO einer Bank und betonte, dass er mit diesem Leistungsausweis auch eine Schule führen könne – kein Wort zu den ungelösten Problemen in der Schulpflege. Diesen unkritischen Umgang mit der eigenen Leistung hat die Stimmbevölkerung offensichtlich nicht goutiert. Viele FDP-Wählerinnen und -wähler haben Sarasin ganz einfach an den hohen Ansprüchen der eigenen Partei gemessen und für zu leicht befunden.

Auch das Zweckbündnis der Freisinnigen mit dem Forum 5W stiess bei vielen Stimmberechtigen auf wenig Gegenliebe. Sie durchschauten die Absicht und waren verstimmt: es ging für beide Parteien offensichtlich darum, sich gegenseitig am Schopf aus dem gemeinsam angerichteten Sumpf zu ziehen.

Claudia Irniger, Sarasin, Brigitte Eigenmann (alle FDP) sowie Sabine Knüsli-Suter, Virginie Tschannen Trüb und Sonja Lier (alle F5W) waren im siebenköpfigen Gremium weder in der Lage, die Krise im Schulhaus Rüterwis zu bewältigen noch den Wettbewerb für die Erweiterung des Schulhauses Buechholz professionell zu begleiten. Beide Parteien haben dafür am 8. März die Quittung bekommen: die FDP mit der Abstrafung von Sarasin, das Forum 5W mit dem schlechten Wahlresultat von Lier und der Nichtwahl von Philippe Klemenz. Erstaunlich nur, dass die FDPlerin Eigenmann als Beste der Schulpflege wiedergewählt wurde, wo sie doch in ihrem Kerndossier «Immobilien» beim Buechholz-Projekt ebenso versagt hatte wie ihre Parteikollegen Irniger und Sarasin.

Vielen BeobachterInnen des Wahlkampfs mag auch unsympathisch vorgekommen sein, wie unfair Biagini zum Teil angegriffen wurde, auch aus der freisinnigen Ecke. So durfte das FDP-Urgestein Viktor Sauter, inzwischen aus der Partei ausgetreten, aber Noch-Präsident der RGPK, im Amtsblatt vom 27. Februar in einem Leserbrief verbreiten, für ihn sei Biagini «nicht wählbar»: Mit seinen «Einzelvorstössen im Schulhaus Rüterwis und dem Wirbel, den er initiiert oder zumindest aktiv unterstützt hat», sei er «mitverantwortlich, dass wohlverdiente Lehrpersonen die Schule verlassen haben». Hier trat das altbekannte FDP-Muster zutage: Schuld sind die anderen.

Auf Anfrage der «ZollikerNews» waren von den drei «Grossen» FDP, F5W und GLP nur die Grünliberalen bereit, ihren finanziellen Aufwand für den Wahlkampf offenzulegen (27‘599.80 Franken). Für FDP-Präsident Felix Heer stehen auf kommunaler Ebene «andere Aspekte im Vordergrund wie das persönliche Engagement der Kandidatinnen und Kandidaten, ihre Verankerung im Dorf sowie das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler».

Wie wahr!

Frontfoto: Screenshot FDP-Wahlwebsite

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