Gut gemeint, bescheidene Erkenntnisse

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9. April 2026 – Der Dialogabend vom Mittwoch zeigte die Grenzen des Formats auf – das Publikum war mit der Aufgabenstellung überfordert. Wenn es um die Zukunft der Gemeinde geht, muss der Gemeinderat vorangehen und konkrete Optionen zur Diskussion stellen.

Überwiegend älteres Publikum im Gemeindesaal (Foto: ZN)
Überwiegend älteres Publikum im Gemeindesaal (Foto: ZN)

VON RENE STAUBLI

Bauvorstand Dorian Selz führte durch den Abend und stellte gleich zu Beginn klar: «Wir kommen nicht mit einem vorgefertigten Plan. Es ist an uns allen, als Gemeinschaft zu entscheiden, wohin die Reise geht.» Der Abend zeigte freilich, dass er den Anwesenden damit eine Aufgabe zuschob, die in dieser Runde nicht zu lösen war.

Wie soll Zollikon im Jahr 2040 aussehen? Setzen wir auf Wachstum? Wollen wir die Freiflächen im Dorf und auf dem Berg bewahren? Wie soll sich die Bevölkerung zusammensetzen? Wie bewältigen wir den Verkehr? Alles grosse Fragen für einen 90minütigen Abend.

Selz versuchte Schwerpunkte zu setzen: «Im Gesundheitscluster Lengg wird es dereinst 20’000 Arbeitsplätze geben, der Bevölkerungsdruck auf Zollikon wird zunehmen, die Mieten für Wohnungen werden steigen, denn in der Lengg arbeiten gut bezahlte Spezialistinnen und Spezialisten, die mit ihren Familien in unserer Gemeinde wohnen möchten.»

Das überwiegend grauhaarige Publikum reagierte mit allgemeinen Wunschvorstellungen: «Wir möchten eine gemischte, vielfältige, lebhafte Bevölkerung mit einer guten sozialen Durchmischung.» Selz hakte nach: «Dann wollen wir Ja sagen zum sozialen Wohnungsbau? Das ist der Kern, über den wir uns unterhalten müssen!» Verstärkter sozialer Wohnungsbau könne unter anderem bedeuten, dass Eigentümer 3 günstige Wohnungen anbieten müssten, wenn sie 10 neue bauen; das Gesetz ermöglicht solche Vorschriften. Natürlich gab es im Publikum Widerstand gegen diese Idee – 10 Prozent der Wohnungen seien doch bereits gemeinnützig, hörte man, da brauche es nicht solche Eingriffe ins Privateigentum.

Die Diskussion mäanderte vom Beugi-Areal über mögliche Verdichtungen im Riet, die Wiedereinzonung von vor Jahren ausgezonten Flächen in der Rüterwis, die vernachlässigte Neophytenbekämpfung im Wald und die befürchtete Einschnürung von Einfamilienhäusern durch Wohnblocks bis hin zur von Gemeindepräsident Sascha Ullmann schon mehrfach geäusserten Idee, der Schule das Gemeindehaus zur Verfügung zu stellen. Déja vues en masse.

Eine Frau brachte die allgemein herrschenden Befürchtungen auf den Punkt: «Ich weiss nicht, wie man weitere 3000 Menschen in unserer Gemeinde unterbringen kann. Es ist einfach von allem zu viel, zu viel Verkehr, zu viel Stress, zu wenig Ruhe.»

Je länger der Abend dauerte, desto grösser wurde die Einsicht, dass dem Gemeinderat die Bereitschaft zum Dialog zwar hoch anzurechnen ist. Dass er aber angesichts der kargen Ausbeute nicht darum herumkommen wird, in die Vorleistung zu gehen und der Bevölkerung konkrete Optionen vorzuschlagen, die sie diskutieren kann. Die Gemeindeversammlung hat ihm dafür am 3. Dezember 2025 einen Rahmenkredit von 300’000 Franken bewilligt.

Zollikon als Planungsweltmeisterin

Zweite Einsicht: Gäbe es Planungsweltmeisterschaften, würde die Gemeinde Zollikon zum engsten Favoritenkreis gehören. Schon im Jahr 2009 hatte sich der Gemeinderat Gedanken zur Entwicklung Zollikons gemacht. In Zusammenarbeit mit Fachpersonen und unter engem Beizug der Bevölkerung führte er Planungswerkstätten durch, machte eine Testplanung, gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag und formulierte konkrete Entwicklungsschritte. Sieben Jahre später legte er ein «Leitbild für den Ortskern» vor, das am gestrigen Abend wohl mehrheitsfähig gewesen wäre:

  • Zollikon soll seinen eigenständigen, dörflichen Charakter behalten und seine Identität stärken.
  • Die parkähnliche Grünfläche soll mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und hoher Aufenthaltsqualität einladend und für alle zugänglich sein.
  • Der Dorfplatz soll räumlich klar gefasst und als attraktiver und lebendiger Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens ausgebaut werden.
  • Abwechslungsreiche Interaktionen und Aktivitäten in verschiedenen Zonen sollen die Bevölkerung miteinbeziehen und Identität vermitteln.
  • Die Alte Landstrasse soll als zentrales Verbindungselement und verkehrsberuhigte Begegnungszone des öffentlichen Lebens fungieren.
  • Ergänzende Nutzungen sollen in baulich, wirtschaftlich und gesellschaftlich überzeugender Form zentrumsnah entwickelt werden.

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