«Ich bin ganz klar ein ‹local hero›»

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9. Februar 2026 – Diesmal kam das Publikum nicht nur in den Genuss eines interessanten Gesprächs zwischen Barbara Lukesch und dem Zolliker Musical- und Jazz-Panisten Hans Ueli Schläpfer. Der Künstler bewies vor und nach dem Talk auch noch sein Können am Flügel.

Hans Ueli Schläpfer im Gespräch mit Barbara Lukesch (Foto/Videos: ZN)
Hans Ueli Schläpfer im Gespräch mit Barbara Lukesch (Foto/Videos: ZN)

VON RENE STAUBLI

Viele von uns kennen die erfolgreichen Musicals «Sister Act», «Blume von Hawaii» und «Bye bye Bar». Bei letzterem wartet eine Gruppe von Menschen auf den Abflug in die Ferien, aber es kommt immer etwas dazwischen: der Pilot ist betrunken und nicht einsatzfähig, dann bricht an der Maschine auch noch ein Flügel ab. Die Passagiere unterhalten sich am Gate mit Liedern, davon viele Ohrwürmer: «Campari Soda», «Gigi vo Arosa», «Volare», «Besame Mucho», «With a little help from my friends».

Es sei seine Aufgabe, solche Produktionen musikalisch zu gestalten, sagt Hans Ueli Schläpfer. «Als musikalischer Leiter bin ich dafür verantwortlich, dass die Musik funktioniert, ich leite die Proben mit den Sängerinnen und Sängern, bearbeite wenn nötig die Partitur, gebe die Interpretation des Stücks vor und organisiere die Bandproben.»

Seine Klavierausbildung erhielt er am berühmten Berklee Musikcollege in Boston. Barbara Lukesch bat ihn, seine Erlebnisse in den USA zu schildern. Er habe dort eigentlich nur einen Sommerkurs belegen wollen, sagte Schläpfer, doch daraus seien drei Jahre geworden, «und ich bin als gut ausgebildeter Musiker zurück in die Schweiz gekommen». Es sei nicht schwierig gewesen, am College aufgenommen zu werden – «wenn man den nötigen Scheck dabei hatte, war man bereits akzeptiert». Aber während der Ausbildung sei der Ausleseprozess dann ziemlich brutal gewesen; er habe sich aber immer im oberen Drittel der 3500 Jazzstudenten halten können.

Zurück in der Schweiz habe er Bands gegründet und gerne gejazzt. Im gemütlichen Saal des Café am Puls gab Schläpfer dem Publikum eine Kostprobe seines Könnens:

Begonnen hatte seine Liebe zum Klavierspiel in frühesten Jugendjahren. Die Grossmutter war Opernsängerin, und es habe keine Diskussionen gegeben, dass sich die Enkel in ihrer Stube ans Klavier setzen mussten. Viele Jahre später habe er dann selber an der Zolliker Musikschule unterrichte, ehe er seine professionelle Band- und Musical-Karriere startete.

Die Rede kam auch auf den Stress, der mit diesem vielfältigen Job in der aufregenden Theaterwelt verbunden ist. Barbara Lukesch wollte wissen, wie intensiv das Ensemble für ein Stück proben müsse, ob dabei der Teamgeist arg strapaziert werde und wie oft man eine Produktion vorführen könne, ohne dass sie einem als Musiker verleide.

Das Publikum zum Lachen bringen

Tatsächlich seien die rund sieben Probewochen vor einer Premiere sehr anstrengend. «Man ist im Ensemble immer zusammen, oft kommt etwas dazwischen, zum Beispiel ein Ausfall wegen Krankheit, es ist ein ewiges Auf und Ab». Dann folge die Premiere, «und erst danach beginnt man so richtig zu spielen und beispielsweise auch gelungene Witze auszubauen, um das Publikum zum Lachen zu bringen».

Beim Musical «Forever young», das in einem Altersheim spielt, in dem es hoch zu und her geht, besteht einer der Gags darin, dass ein Bewohner dem Klavier spielenden Hauswart Schläpfer aus zwei Metern Distanz ein Zeltli zuwirft, das dieser mit dem Mund zur Belustigung des Publikums geschickt auffängt. «Habt ihr das lange geübt?», fragte Barbara Lukesch. «Überhaupt nicht, entweder geht’s oder es geht nicht», lachte Schläpfer.

Ab und zu komme dann auch der Regisseur wieder vorbei und schicke dem Ensemble nach der Aufführung «ein langes Mail mit kritischen Anmerkungen». Dann gelte es, die nötigen Verbesserungen vorzunehmen und mit vollem Schwung weiterzumachen. Gewisse Produktionen habe er schon mehr als 100mal gespielt, «und es hat mich kein bisschen gelangweilt». Die Arbeit schweisse einen zusammen, aber nach der Dernière gehe man wieder eigener Wege – um sich bei der nächsten Produktion erneut zusammenzuraufen.

Seine 70 Jahre sieht man dem Pianisten nicht an. Auf die Frage, wie lange man diesen Job durchhalte, verwies Schläpfer auf den grossen Artur Rubinstein, der mit 90 noch Konzerte gegeben habe:

Künstler würden ja immer auch «ein wenig idealisiert bis glorifiziert», sagte Barbara Lukesch. Sie verfügten über ausserordentliches Talent, viele hätten ein aufregendes Leben zwischen Paris, London und Zürich, «nix von bürgerlicher Enge und Spiessigkeit» – ob das bei ihm auch so sei?

Schläpfer antwortete kurz und bündig: «Ich bin ganz klar ein ‹local hero› und habe das Glück, dass ich von Zollikon aus arbeiten kann.» Sprachs und setzte sich zur Freude des Publikums noch einmal an den Flügel.

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