«Man muss die Mahlzeiten zelebrieren»

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31. März 2026 – Essen ist eines der grossen Themen unserer Zeit. Die Zolliker Ernährungsspezialistin Eva Maiwald berät Menschen, die schlanker, gesünder und leistungsfähiger werden möchten. Auch in ihrer Familie versucht sie, ihren hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Am 9. April ist sie bei uns zu Gast im «Talk am Puls».

Eva Maiwald (Illustration: Willi Spirig)
Eva Maiwald (Illustration: Willi Spirig)

Mein Mann steht jeweils als Erster auf und macht mir, seitdem wir uns kennen, einen Cappuccino. Mit Bio-Kuhmilch, wenn möglich Demeter. Hafer- und Sojamilch mag ich nicht, dazu enthalten sie viel zu viel Zucker. Gut wäre natürlich auch, wenn ich den Tag mit einem Glas Wasser beginnen würde. Trinke ich später, und zwar viel.

Ich brauche rund eine halbe Stunde, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Solange rede ich nicht. Um 7 Uhr muss ich dann allerdings unsere 10-jährige Tochter Mia wecken. Ich merke auf der Stelle, ob es schwierig wird oder ob sie gut drauf ist und beim ersten Augenaufschlag schon einen Witz erzählt. Hunger hat sie auf jeden Fall. Je nach Stimmung bekommt sie ein Haferflocken-Schokolade-Müesli mit Milch oder eine Johanna Budwig-Crème, bestehend aus Magerquark, Leinöl, geschroteten Leinsamen, Früchten und Nüssen. An guten Tagen ist sie bereit für die Budwig-Crème. Ich schwöre darauf. Budwig war eine Naturwissenschafterin und Ernährungspionierin, deren Ratschläge ich gern befolge.

Auch wenn es verpönt ist, bringe ich Mia mit dem Auto ins Oescher-Schulhaus. Würde sie laufen müsste sie bereits um 7.35 Uhr los. So haben wir etwas mehr Zeit und Musse. Sobald es wärmer wird, gehen wir wieder zu Fuss. Ich begleite sie, weil ich nachher auf der Allmend meinen einstündigen Morgenwalk absolviere. Je nach Tagesform bewege ich mich zügig; oft jogge ich auch. Bewegung ist mindestens so zentral für die Gesundheit wie eine gute Ernährung und – nicht vergessen – regelmässiger Stressabbau in Form von Entspannung.

Um 9 Uhr bin ich wieder daheim und mache mir mein Frühstück: eine Budwick-Crème oder eine Art Porridge, da wechsle ich ab. Nachher geht’s unter die Dusche.

Mittwoch bis Freitag bin ich in meiner eigenen Praxis bei uns daheim und arbeite als Kinesiologin und Ernährungsberaterin. Montags und dienstags fahre ich nach Küsnacht in eine relativ neue Hausarzt-Praxis, in der ich auch kinesiologisch arbeite und meine Ernährungsberatung, wenn gewünscht, in Kombination mit einer Stoffwechselanalyse anbiete. Dazu braucht es eine spezielle Atemgasmaske, mit deren Hilfe gemessen wird, wie gut der Körper Fett, Kohlehydrate und Eiweiss verstoffwechselt.

Seit Januar mache ich freitags und manchmal auch samstags eine zusätzliche Ausbildung in Epigenetik Balance. Sehr wissenschaftlich, sehr anspruchsvoll und verbunden mit viel Lernen.

Dem widme ich mich, sobald meine letzten Patienten die Praxis verlassen haben. Manchmal gehe ich aber auch in der Migros im Dorf einkaufen, wasche und putze die Wohnung, oder erledige Büroarbeit wie die Buchhaltung. Am Donnerstag hat Mia Schwimmkurs. Normalerweise findet der im Fohrbach statt. Seitdem sich die Anlage im Umbau befindet, muss sie nach Witikon ins Schwimmbad Looren. Manchmal fährt mein Mann sie, manchmal ich. Solange sie am Schwimmen ist, gehe ich spazieren.

Um 18 Uhr wird bei uns gegessen. Daran halten wir eisern fest, nicht zuletzt, weil meine Familie ab 17 Uhr Hunger hat. Dann bekommen sie zunächst einmal eine schöne Schale Rohkost bestehend aus Tomaten, Peperoni, Rüebli und Gurke. Das ist eine super Geschichte, die vor allem den Blutzuckerspiegel tief hält. Das muss man natürlich schön präsentieren; schliesslich isst das Auge mit.

Dem messe ich sowieso grosse Bedeutung bei. Ich decke den Tisch sorgfältig mit hübschen Servietten und Tischsets, stelle ein paar Kerzenständer dazu und sorge dafür, dass wir ein weiches Licht haben. Das alles hat grossen Einfluss auf die Stimmung. Meiner Meinung nach sollte man die gemeinsamen Mahlzeiten richtig zelebrieren.

Ich selber esse kein Fleisch. Mein Vater, ein Beizer, hat bei uns daheim Hühner, Truthähne und Hasen geschlachtet, die er dann zum Ausbluten aufgehängt hat. Das hat mich dermassen abgestossen, dass ich seither kein Stück Fleisch mehr runterbringe. Ich koche meiner Familie zwar schon mal etwas Pouletfleisch, bereite aber lieber Salate, Gemüse, Hülsenfrüchte, Tofu, Suppen und auch mal etwas Fisch wie Lachs zu. Mia schimpft zwar manchmal, weil es jeden Tag Salat bei uns gibt, aber immerhin sagen ihre Freundinnen, mein Gurkensalat sei der beste.

Zum Trinken gibt es bei uns Wasser und Tee, selbstverständlich ungesüsst.

Gegen 19 Uhr sind wir mit dem Essen fertig, manchmal wird es auch später. Ich räume dann die Küche auf und um 19.30 Uhr ist es auch schon wieder Zeit, um unsere Tochter für das Bett parat zu machen. In einer ersten Phase liest Mia selber in einem Kinderbuch; anschliessend lese ich ihr noch gut 20 Minuten aus einem etwas anspruchsvolleren Buch vor. Um 21 Uhr ist Lichterlöschen.

Dann ist auch für mich und meinen Mann Feierabend. Ich setze mich mit einer Tasse Tee aufs Sofa. Aktuell schwöre ich auf Leber-Gallen-Tee; manchmal ziehe ich aber auch einen Entspannungstee vor. Dazu esse ich ein sehr kleines Stück 90prozentige, nahezu schwarze Schokolade. Das ist ein Ritual, das ich hochhalte. Je nach Lust und Laune schaue ich ein bisschen Fernsehen oder lese etwas. Ich liebe Bücher. Gerade habe ich mir in der Bibliothek das Bändchen «Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen» von Axel Hacke, dem bekannten deutschen Schriftsteller und Journalisten, geholt.

Um 22 Uhr will ich schlafen. Das gelingt mir problemlos, weil ich bereits um 18 Uhr gegessen habe und mein Körper genügend Zeit für alle Stoffwechselprozesse und die Verdauung hat. Diesen Ratschlag gebe ich auch all meinen Patienten: Gönnen Sie Ihrem Körper drei bis vier Stunden Zeit zwischen dem Abendessen und dem Gang ins Bett.» (aufgezeichnet von Barbara Lukesch)

«Talk am Puls»: Donnerstag, 9. April. Die Bar öffnet um 19 Uhr, der Talk beginnt um 19.30 Uhr, anschliessend gemütliches Beisammensein. Der Eintritt ist frei. Gastgeber im Café am Puls ist Pfarrer Simon Gebs.

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