Unkorrekt zwar, aber unglaublich lustig
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5. März 2026 – Wir lassen in lockerer Folge Menschen zu Wort kommen, die einer etwas speziellen Leidenschaft mit grosser Begeisterung frönen. Zum Auftakt: Die Freude an deutschen Filmkomödien –«Fack ju Göhte», «Willkommen bei den Hartmanns», «Extrawurst» und dergleichen.

VON BARBARA LUKESCH
Es gibt Leidenschaften, zu denen ich mich problemlos bekenne. Es fällt mir leicht zu erzählen, dass ich extrem gern koche und mindestens genauso gern in die Oper gehe. Das ist gesellschaftlich breit akzeptiert, ja, sogar hochanerkannt, altersgemäss und löst bei niemandem das Gefühl peinlichen Berührtseins aus.
Nun habe ich aber eine weitere Leidenschaft, bei der ich nicht ganz so sicher bin, wie Sie darauf reagieren. Ich liebe deutsche Kinokomödien wie «Fack ju Göhte», «Willkommen bei den Hartmanns», «Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt», «Contra» oder «Extrawurst».
Als wäre die Vorliebe für diese – man kann es fast nicht anders sagen – Kinderfilme nicht schon seltsam genug, habe ich «Fack ju Göhte» sechsmal gesehen, «Willkommen bei den Hartmanns» viermal, «Magical Mystery» drei- oder viermal, da bin ich mir nicht mehr ganz sicher, «Contra» viermal und «Extrawurst» bisher erst einmal. Wobei wir gerade kürzlich beschlossen haben, uns die Komödie nochmals anzuschauen.
Sie sehen, es handelt sich um einen schweren Fall. Da stellt sich natürlich die Frage, was mich dermassen begeistert und immer wieder auf’s Neue ins Kino lockt. Nehmen wir «Fack ju Göhte», die Schulkomödie, in deren Zentrum der Bankräuber Zeki Müller steht.
Nach der Entlassung aus dem Gefängnis will sich Zeki die Beute seines letzten Überfalls besorgen und realisiert, dass inzwischen ein Schulhaus auf dem Platz errichtet worden ist, unter dem das Geld begraben liegt. Um sich Zugang dazu zu verschaffen, heuert Zeki in der Schule an und wird Lehrer einer Problemklasse, an der bisher alle Lehrpersonen gescheitert sind. Einige extrem chaotische Streiche, Turbulenzen und verbale Entgleisungen später wird selbstverständlich alles gut: Zeki ist geläutert, verliebt und wird hauptamtlich Lehrer dank eines von der Rektorin eigenhändig gefälschten Zeugnisses.
Zugegeben, die Geschichte ist harmlos. Entscheidend ist etwas anderes: Die Hauptdarsteller, allen voran Elyas M’Barek, aber auch die Nachwuchstalente, die die Schüler spielen, sind umwerfend komisch.
Zeki ist so frech, dass man mitunter leerschluckt. Gnadenlos weist er seine SchülerInnen in die Schranken («Chantal, heul leise!») und geht den schlimmen Jungs, die sich auch mal an einem schwächeren Klassenkameraden vergreifen, ziemlich grob an den Kragen. Einen drückt er im Hallenbad so lange unter Wasser, bis er elendiglich zappelt und verzweifelt nach Luft schnappt. Selber schuld, denke ich und identifiziere mich mit dem Bankräuber.
Als Zeki seiner Klasse mitteilt, dass sie auf eine Exkursion gehen werden, jammert besagter Schüler, ein nahezu hoffnungsloser Fall: «Herr Müller, aber nicht wieder ins KZ!». Das geht natürlich gar nicht und ist gerade deshalb so unglaublich witzig.
Sie werden vielleicht einwenden, dass ein einmaliger Besuch dieses Films vielleicht noch vertretbar wäre, aber nicht gleich sechs. Das läuft bei mir anders: Beim ersten Mal realisiere ich überhaupt erst, dass es sich hier um ein Werk handelt, das perfekt in mein Humorschema passt. Den zweiten Besuch nutze ich, um Gags und Pointen mitzubekommen, die mir angesichts des rasanten Tempos entgangen sind. In der dritten Runde bin ich dann bereit, mich ganz dem Genuss hinzugeben. Alle weiteren Besuche beziehen ihren Reiz daraus, dass ich bereits weiss, wann eine besonders gelungene Szene kommt und mich tierisch darauf freue.
Politisch wunderbar unkorrekt
Einen cineastischen Wurf ganz nach meinem Geschmack haben auch die Macher der jüngst veröffentlichten Komödie «Extrawurst» gelandet. An der Generalversammlung des örtlichen Tennisklubs kommt es zu einem faustdicken Krach, weil die Mitglieder einen neuen Grill anschaffen wollen. Einer der besten Spieler ist türkisch-stämmig, und deshalb kommt die Frage auf, ob es nicht einen zweiten Grill brauche, weil er kein Schweinefleisch isst. Die anschliessenden Kontroversen bewegen sich im Minenfeld kultureller und religiöser Unterschiede, sind politisch unkorrekt und legen auf humorvolle Weise ziemlich viel Alltagsrassismus offen.
Zwei der Hauptdarsteller sind hundertprozentige Garanten für einen Lachschlager: Der Holländer Hape Kerkeling, der den übergewichtigen und masslos überforderten Klubpräsidenten spielt, und Christoph Maria Herbst, die Humor-Allzweckwaffe aus Deutschland, der immer wieder mit wunderbar unkorrekten Rollen aufwartet. Diesmal spielt er einen eifersüchtigen Ehemann, dessen Frau sich für den muslimischen Kollegen stark macht. Hohes Witzlevel, grosses Kino.
Ans Herz legen möchte ich Ihnen noch meinen Lieblingsfilm mit Christoph Maria Herbst: «Contra». Eine bissige Satire, in der er den politisch sehr, sehr unkorrekten Professor Dr. Richard Pohl spielt, der eine Studentin, die er rassistisch beleidigt hat, zur Wiedergutmachung auf einen Debattier-Wettbewerb vorbereiten muss. Muten Sie sich den Trailer zu! Dann werden Sie noch besser verstehen, warum ich diese Art von Filmen umwerfend finde.»
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