Wer soll dieses Gremium führen?

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26. Februar 2026 – Von den 10 Kandidierenden fanden nur 7 den Weg in die Aula Buechholz. Die Journalistin Manuela Moser leitete das Podium souverän und machte keinen Bogen um heikle Themen. Rui Biagini (GLP) und David Sarasin (FDP) schärften ihr unterschiedliches Profil.

Biagini, Waechter, Tschopp, Moser, Linter, von Ballmoos, Sarasin, Lier (Foto: ZN)
Biagini, Waechter, Tschopp, Moser, Linter, von Ballmoos, Sarasin, Lier (Foto: ZN)

VON BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI

Es war die spannendste Frage des Abends, und sie kam aus dem Publikum. Ein Mann wandte sich an David Sarasin: «Was hätten Sie angesichts der Krise im Rüterwis anders gemacht, wenn Sie Präsident der Schulpflege gewesen wären?» Sarasin sagte, er wäre «viel schneller vor Ort gewesen», hätte sich «persönlich ein Bild von der Situation gemacht, Präsenz gezeigt, mit allen geredet und dann gehandelt».

Die Moderatorin fragte Biagini, wie er es als Präsident in einer solchen Situation machen würde? «Genau so, wie David es jetzt beschrieben hat», erwiderte Biagini, «man muss genau hinschauen, sich aus erster Hand informieren und dann etwas tun.» Heute müsse er sich fragen, «warum ich damals das Gremium nicht davon überzeugen konnte, die Krise ernst zu nehmen, obwohl ich wusste, was im Rüterwis seit Monaten abging». Auf Nachfrage aus dem Publikum schob Sarasin die Verantwortung auf die Präsidentin Claudia Irniger ab, er sei damals nur Vizepräsident gewesen.

Auch beim Thema «Abbruch des Architekturwettbewerbs Buechholz» zeigten sich die Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten. Sarasin beschrieb die Kommunikationsprobleme zwischen dem Gemeinderat und der Schulpflege. Es sei nicht klar definiert gewesen, wer welche Aufgaben zu übernehmen habe – ein klares Führungsproblem – «das Wichtigste ist, dass man daraus lernt.» Es sei gut gewesen, den Architekturwettbewerb abzubrechen: «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.»

Biagini kritisierte, dass weder die Präsidentin noch ihr Stellvertreter Einsitz in der Jury genommen hatten. Es sei ihm auch unverständlich, warum man den Wettbewerb abgebrochen habe: «Man hätte mit den Architekten reden können, es wäre sicher möglich gewesen, die guten Vorschläge zur Erweiterung des Schulhauses zu realisieren und die Probleme mit dem Pavillon zu lösen.» Das einzige Resultat sei nun ein Rechtsstreit mit den Architekten.

Das Publikum erlebte Sarasin, «den nüchternen Favoriten» (O-Ton Moser), der seine Führungserfahrung beschwor und mit Vorliebe von «Strukturen», «Strategien», «Priorisierung von Themen» und «klaren Entscheidungswegen» sprach. Und sein Gegenüber Biagini, «den unbequemen Aussenseiter» (O-Ton Moser), der das verlorene Vertrauen in die Schulpflege wieder aufbauen möchte, «den Puls an der Basis fühlen» und «die Leute mitnehmen will». Beide betonten, dass sie auch Qualitäten auf dem Feld des andern haben: Sarasin rühmte seine kommunikativen Fähigkeiten, bei Biagini gehören zu einem partizipativen Führungsstil auch klare Entscheidungen.

Fehlendes Bekenntnis

Die Neulinge kamen ebenfalls zu Wort. Für den Parteilosen Andreas Tschopp wäre «so weiter wie bisher eine schlechte Option.» Er kritisierte die Schulpflege insbesondere für ihren beschönigenden Umgang mit den enttäuschenden Evaluationsergebnissen des Kantons: «Es fehlte ein Bekenntnis zu den unbefriedigenden Zuständen und eine klare Kommunikation, wie man die Probleme lösen will.»

Christian von Ballmoos (FDP) sprach wie Sarasin von «Infrastruktur», «Budget» und «Projekten». Aus seiner Sicht als Vater funktioniere die Schule Zollikon «massiv gut». Eine klare Führung sei das Wichtigste, «und wie man kommuniziert, ist komplett egal».

Nicole Waechter (GLP) merkte man an, dass ihr insbesondere das Wohl der Kinder während der Schulzeit am Herzen liegt. Sorgen bereite ihr beispielsweise, dass sie sich im Zeitalter der Digitalisierung immer weniger bewegen.

Andrea Linter (SVP) möchte in der Schulpflege ihre beruflichen Erfahrungen einbringen: «Ich weiss, was von den Kindern nach der Schule erwartet wird.».

Bedenkliche Visitenkarte

Das Forum 5W, die zweitstärkste politische Kraft in Zollikon, neuerdings Juniorpartnerin der FDP, irritierte mit ihrer Prioritätensetzung: Sabine Knüsli (bisher) und Philippe Klemenz (neu) blieben der Veranstaltung aus beruflichen Gründen fern, Sonja Lier (bisher) setzte sich mit dreiviertelstündiger Verspätung an die Seite von Sarasin, und Jürgen Schütt war als einziger Ortspräsident nicht anwesend. Die FDP-Vertreterin Brigitte Eigenmann-Gossauer (bisher) fehlte krankheitshalber.

In der Aula Buechholz erschienen nur rund drei Dutzend Interessierte, die meisten politisch in ihren Parteien engagiert. Kurzfristig und mit wenig Werbung anberaumt, war es leider eine Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber eine höchst interessante.

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