Wie soll Zollikon in Zukunft aussehen?

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2. April 2026 – Der Gemeinderat lädt die Bevölkerung zum Ideenaustausch ein. Es geht um eine grosse Frage: Wie soll sich unsere Gemeinde in den nächsten 25 Jahren entwickeln, um den wachsenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen zu genügen?

Vision: Ahorn-/Rietholz im Zollikerberg, stark verdichtet (Fotos: Adrian Michael, KI)
Vision: Ahorn-/Rietholz im Zollikerberg, stark verdichtet (Fotos: Adrian Michael, KI)
Heute: Ahorn-/Rietholz, bescheiden verdichtet
Heute: Ahorn-/Rietholz, bescheiden verdichtet

VON RENE STAUBLI

Ein Blick zurück: 1973 beschloss die Gemeindeversammlung eine grundlegende Revision der Ortsplanung. Es dauerte 10 Jahre, bis der «kommunale Gesamtplan» geboren war. Inzwischen ist er mehr als 40 Jahre alt. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Papier:

Siedlung: «Die alten Ortskerne und Weiler sollen in ihrer Geschlossenheit, Dichte und Gliederung erhalten werden. Die lockere Bebauung und starke Durchgrünung der Zolliker Hanglagen soll bewahrt bleiben. Die beiden Gemeindeteile sind je mit einem Zentrum auszustatten, das möglichst viele Funktionen in sich vereinigt.»

Versorgung: «Die Versorgung der Wohnbevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen und teilweise auch des mittelfristigen periodischen Bedarfs soll innerhalb der Gemeindeteile gewährleistet sein. Das für den Eigenbedarf notwendige Gewerbe soll begünstigt werden.»

Verkehr: «Der Durchgangsverkehr ist auf wenige Hauptachsen zu kanalisieren. Die Anwohner dieser Achsen sind durch besondere Massnahmen vor unzumutbaren Verkehrsimmissionen zu schützen. Auf den Quartierstrassen ist der motorisierte Verkehr so zu organisieren, dass die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet und ihr Wohlbefinden nicht gestört ist. Für Fussgänger und Radfahrer ist ein vom motorisierten Verkehr möglichst getrenntes, attraktives Wegnetz bereitzustellen. Die Gemeinde hat Voraussetzungen zu schaffen, dass künftig vermehrt das öffentliche Verkehrsmittel benutzt wird.»

Nicht alle Wünsche sind in Erfüllung gegangen. Die Dorfzentren müssen nach wie vor neu erfunden werden. Die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen erfolgt zu einem beträchtlichen Teil nicht mehr über lokale Anbieter, sondern über Einkaufszentren und das Internet. Das Zolliker Gewerbe kann seit 1996 nicht mehr so einfach begünstigt werden, weil die Gemeinde grössere Aufträge ausschreiben muss, so dass sich auch Auswärtige bewerben können. Der motorisierte Durchgangsverkehr ist zwar kanalisiert, aber der Schutz vor Immissionen lässt manchenorts zu wünschen übrig. Von einem «attraktiven Wegnetz für Fussgänger und Radfahrer» sind wir noch ein gutes Stück entfernt, und die Staus auf den Strassen zeigen, dass das eigene Auto für viele nach wie vor attraktiver ist als der öffentliche Verkehr.

Der Richtplan stellt die Weichen

Am Dialogabend geht es um den kommunalen Richtplan, der in groben Zügen vorgibt, wie sich die Gemeinde entwickeln soll. Zum Beispiel: Wollen wir es weiterhin zulassen, dass die Zolliker Hanglagen mit uniformen Terrassenhäusern zubetoniert werden? Wäre es sinnvoll, den Zollikerberg massiv zu verdichten, um die Wohnungsnot zu lindern, etwa mit Hochhäusern im Gebiet Ahorn/Rietholzstrasse? Machen wir aus Zollikon längerfristig eine echte Seegemeinde mit einer attraktiven Wohn- und Freizeitmeile direkt am Wasser, einer Seebadi mit grösserer Kapazität, vielleicht sogar mit einer Parkanlage auf einer aufgeschütteten Halbinsel?

Vision: Attraktive Seepromenade mit Aufschüttung
Vision: Attraktive Seepromenade mit Aufschüttung und grösserer Badi
Heute: Von der Verkehrsinfrastruktur zerschnittener Seeanstoss
Heute: Von der Verkehrsinfrastruktur zerschnittener Seeanstoss

Und wie halten wir es mit den grossen Grünflächen rund um die Schulhäuser Oescher und Buechholz? Gehen wir noch einen Schritt weiter und machen sie zu richtig attraktiven Parkanlagen? Wollen wir es den Hauseigentümern an der Alten Landstrasse mittels Um- oder Aufzonungen erlauben, ihre Einfamilienhäuser durch schön gestaltete Wohnblocks zu ersetzen – unter der Bedingung, dass sie 3 von 10 neuen Wohnungen zu zahlbaren Preisen für Familien in einfacheren Verhältnissen anbieten? Gemäss dem kantonalen Planungs- und Baugesetz dürfen Gemeinden von den Grundeigentümern solche Kompromisse verlangen. Sollen in den Erdgeschossen dieser Häuser auch «nicht kommerzielle Treffpunkte» eingerichtet werden, um dem Dorf neues Leben einzuhauchen?

Der kommunale Richtplan stellt solche Weichen. Die Vorschriften auf Ebene der Parzellen werden dann in der ebenfalls zu revidierenden Bau- und Zonenordnung (BZO) geregelt.

Vision: mehr Wohn- und Schulraum rund ums Buechholz
Vision: mehr Wohn- und Schulraum rund ums Buechholz
Heute: Buechholz-Hügel ohne Verdichtung
Heute: Buechholz-Hügel ohne Verdichtung

Das alles sind Visionen, die am Dialogabend diskutiert werden können. Natürlich werden etliche Wunschvorstellungen der Bevölkerung mit dem geltenden Recht kollidieren. Denn über dem kommunalen Richtplan steht der regionale Richtplan und über diesem der kantonale Richtplan. Dieser formuliert «Mindestanforderungen» an den regionalen Richtplan und der wiederum ist bindend für den kommunalen Zolliker Richtplan. Der Entwicklungsspielraum ist also begrenzt. Dennoch bieten sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten an.

Im Behördenjargon tönt das so: «Der kommunale Richtplan ist ein Koordinationsinstrument für eine umwelt- und sozialverträgliche Gemeindeentwicklung. Er zeigt auf, wie die Anforderungen an eine qualitätsvolle räumliche Entwicklung vor dem Hintergrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums erfüllt werden können.»

Am Dialogabend sind laut Gemeinde «alle willkommen, auch Personen, die (noch) nicht stimmberechtigt sind, sei es aufgrund ihres Alters oder weil sie keinen Schweizer Pass haben». Man erhoffe sich «unterschiedliche Perspektiven, um Zollikon weiterzuentwickeln». Zu Beginn der Veranstaltung gibt es eine Kurzbefragung via Smartphone.

3. Dialogabend: Mittwoch, 8. April, 19.30 Uhr, Gemeindesaal

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