Idealer Aussichtsberg für «Light-Wandersleute»
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Barbara Lukesch und René Staubli: «Wer nicht so trittsicher ist, aber trotzdem auf 2000 Meter Höhe die Aussicht geniessen möchte, sollte einen Ausflug auf den Schäfler im Alpstein machen. Dabei hat man die Wahl zwischen zwei attraktiven Routen.»
BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI
Wer sich im Alpstein ein wenig auskennt, weiss: die «Kampfwanderer» kommen schon beim Morgengrauen in Wasserauen an, um die 1500 Meter Höhendifferenz hinauf zum Säntis in Angriff zu nehmen. Nach 10 Uhr folgt dann der Schwall der «Lightwanderer», welche sich für die Überwindung der ersten 700 Meter der Ebenalpbahn anvertrauen. Ideal ist, dazwischen einzutreffen, denn dann ist das Seilbähnli halb leer.
Um 9.15 Uhr tauchen wir bei der steilen Bergfahrt zunächst in dichten Nebel ein. Die talwärts fahrende Kabine ist beim Kreuzen nur schemenhaft zu erkennen. Doch dann hellt sich die graue Sauce allmählich auf, bis die Sonne schliesslich durchbricht – was für ein Genuss!
Es gibt zwei Varianten, wie man von der Ebenalp auf den Schäfler steigen kann. Zunächst sei die einfachere, kürzere beschrieben. Nach wenigen Metern entdecken wir einen aus Holz geschnitzten Wegweiser mit einem kunstvollen Widder- oder Ziegenkopf. 1 Stunde bis zum Gipfel, lesen wir, das ist für unsereins ziemlich sportlich, denn wir setzen uns auf jedes freie Bänkli und benötigen deshalb gut und gern die doppelte Zeit.

Der schöne Bergwanderweg ist weiss-rot-weiss markiert. Über weit auseinanderliegende Stufen geht es gemütlich bergan. Einen Wanderstock dabei zu haben, ist gleichwohl keine schlechte Idee, denn der Untergrund ist steinig. Auch sollte man sich an den Rat unseres Wanderkollegen Thomas Widmer halten, der einmal sagte: «Immer stehen bleiben, wenn man in die Ferne schaut.» Wenn wir das tun, sehen wir weit oben unser Ziel, den Berggasthof auf dem Schäfler.


Ein Vorteil dieser Wanderung ist, dass man Kinder bedenkenlos mitnehmen kann. Es gibt keine gefährlichen Abgründe, wie sie sonst im Alpstein oft anzutreffen sind. Der Skilift in der grossen Mulde rechterhand erinnert uns daran, dass die Ebenalp im Winter auch ein beliebtes Skigebiet für Familien ist, ebenfalls ganz ungefährlich.
Nachdem wir eine steinerne Alphütte passiert haben, steigt der Weg steiler an. Auf halber Strecke zum Gipfel geniessen wir den Blick in die Tiefe und sehen unterhalb eines markanten Felsbandes einen schmalen Wanderweg.

Wer dort entlang geht, hat sich für die zweite Variante entschieden, den Umweg über die Wildkirchlihöhle und das Berggasthaus Aescher. Wir kommen noch darauf zurück, doch zunächst bewältigen wir die restliche Wegstrecke bis zum Gasthaus Schäfler auf 1924 Metern Höhe, wo wir uns einen kühlen Flauder gönnen, ein spezielles Appenzeller Süssgetränk – das Wort Flauder kommt übrigens von Flickflauder, wie man die Schmetterlinge in dieser Gegend nennt.

Anschliessend landen wir wieder mal auf einem Bänkli, geniessen die Aussicht aufs Nebelmeer und füttern Bergdohlen, die uns hungrig umkreisen und keine Berührungsängste haben. Selber haben wir nach der kurzen Wanderung noch keinen grossen Hunger. Eigentlich schade, denn der «Schäfler» ist für seine feine Gerstensuppe mit Wienerli weitherum bekannt.


Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns an den Abstieg. Inzwischen sind viele Wanderer unterwegs. Die Frage taucht auf, ob man wirklich alle zehn Meter grüssen oder es bleiben lassen soll. Uns wird die Grüsserei auf vielbegangenen Wegen bald zu viel; wenn jemand stumm an uns vorbeigeht, sind wir froh, wenn jemand «Grüezi» sagt, fügen wir uns und grüssen eher reserviert zurück. Ein heikler Punkt, bei dem sich die Geister scheiden.
Kurz vor der Ebenalp machen wir noch einen kleinen Abstecher in den gepflegten Alpengarten mit den vielen Pflanzen. Beim Geländer riskieren wir einen Blick in den Abgrund. Der Seealpsee verbirgt sich nach wie vor unter einer dicken Nebeldecke.


Jetzt knurrt der Magen aber tüchtig. Auch auf der Ebenalp ist die Gerstensuppe nicht zu verachten. Wir löffeln sie auf der Terrasse, wo es zwar windig ist, aber nicht so penetrant nach Hörnli mit Chäs riecht wie im Inneren der Beiz. Bei geeignetem Wetter wartet auf der Ebenalp noch ein besonderes Vergnügen: man kann Gleitschirmfliegern beim Starten zusehen, ziemlich spektakulär.
Zweite Variante
Die alternative Route ist um einen Kilometer länger und ein wenig beschwerlicher, nicht gefährlich, aber man muss schon gut auf den Weg achten, weil er unterhalb des schon beschriebenen Felsbandes an einem steilen Hang verläuft.
Von der Bergstation der Seilbahn geht es zunächst hinunter zur Wildkirchlihöhle, wo vor Urzeiten Neandertaler lebten und Höhlenbären ihren Winterschlaf hielten. Nach wenigen Schritten kommt man zu einer der ältesten Gastwirtschaften der Schweiz, dem Aescher, angeklebt an die Felswand. Dort bewirteten Eremiten und Sennen schon um 1800 erste Gäste.
Die Beiz ist inzwischen berühmt, unter anderem, weil das Magazin «National Geographic» Fotos über Orte druckte, «die man nie vergessen wird». Als Roger Federer vor acht Jahren mit seiner Familie dort war und Bilder postete, ging der Aescher definitiv um die Welt.


Der Aufstieg zum Schäfler ist gut signalisiert. Bei der steinernen Alphütte treffen die beiden Routen aufeinander. Welche Variante man auch wählt: die Wanderung auf 2000 Meter Höhe in der grossartigen Alpsteinkulisse macht wirklich Spass.
Uns bringt die Luftseilbahn hinunter nach Wasserauen, der Nebel hat sich noch nicht verzogen. Wenn die Sonne scheinen würde, wäre es toll, im Schwendebach zu kneippen. Vielleicht nächstes Mal.
Anreise: Mit dem ÖV von Zürich nach Gossau und von dort mit der Appenzellerbahn via Urnäsch und Appenzell nach Wasserauen.
Anforderungen Variante 1: 4,6 km, 350 m auf- und abwärts, 2 ½ Stunden
Anforderungen Variante 2: 6,5 km, 580 m auf- und abwärts, 3 ½ Stunden
Routen: PDF Variante 1 und PDF Variante 2 von SchweizMobil