Krisenkommunikation à la Schulpflege
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15. April 2026 – Die letzten vier Jahre schlitterte die Schulpflege von einer Krise in die nächste. Jetzt legt sie einen Tätigkeitsbericht vor, der einen grossen Bogen um alle Probleme macht und sich festklammert an Reglementen, Konzepten und Richtlinien.

VON BARBARA LUKESCH
Die Schulpflege hat eine mehr als schwierige Legislatur hinter sich: Krise in der Schule Rüterwis, personelle Probleme innerhalb der Schulverwaltung, Übungsabbruch beim Erweiterungsprojekt Buechholz, interne Probleme bei der Zusammenarbeit. Um so gespannter war man auf den Tätigkeitsbericht, den das Gremium gerade eben vorgelegt hat. Würde sich die Schulpflege nebst anderen Themen auch mit diesen heiklen Punkten auseinandersetzen?
Zuerst zum Erfreulichen: Die Schule bietet seit Sommer 2024 die Berufslehre «Fachperson Betreuung» an und hat zwei Ausbildungsplätze im Oescher geschaffen. Positiv ist sodann der Baubeginn des Provisoriums für das Betreuungshaus Rüterwis. Angesichts der wachsenden Bedürfnisse ist sicher auch die Schaffung der Fachstelle «Besondere Förderung» – so der neukreierte Begriff für sonderpädagogische Massnahmen – ein begrüssenswerter Entscheid.
Um die unerfreulichen Dinge macht die Schulpflege einen grossen Bogen. Die Krisenmonate im Schulhaus Rüterwis waren nichts weiter als «Turbulenzen», die freilich zu einem Sturm der Entrüstung unter Hunderten von Eltern geführt haben, zum Exodus von nahezu der Hälfte der Lehrpersonen, darunter viele mit grosser Erfahrung, und zu medialem Echo bis hin zu NZZ und «Tages-Anzeiger». Dass es inzwischen weitere Wechsel in der Schulleitung gegeben hat und die Schulkultur im Team nachhaltig beschädigt ist – kein Thema.
Vergeblich sucht man im Bericht auch nach den finanziellen Folgen, welche die Aufräumarbeiten auf den drei grossen Baustellen hatten. Billig waren die Wechsel in der Schulverwaltung und die fortgesetzte Inanspruchnahme von SpringerInnen sicher nicht.
Locker weggeschrieben wird auch der Abbruch des Architekturwettbewerbs für die Erweiterung des Schulhauses Buechholz. Der satte Abschreiber von 200’000 Franken, den Schulpfleger David Sarasin während dem Wahlkampf locker mit den Worten «lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende» abtischte, wird gar nicht erst erwähnt.
Bei der Schuldzuweisung ist die Schulpflege wie gewohnt auskunftsfreudiger: «Bedauerlicherweise war die Koordination im Bereich Schulhausbauten innerhalb der Einheitsgemeinde nicht optimal abgestimmt, was zu Verzögerungen, Unter- und Abbrüchen geführt hat.» Dass von der Schulpflege niemand in der Buechholz-Jury Einsitz nehmen wollte – geschenkt! Stattdessen teilt man der Öffentlichkeit nun schmallippig mit: «Über das weitere Vorgehen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.»
Der Abstraktionsgrad der Ausführungen im 10seitigen Tätigkeitsbericht ist gewaltig. Man bekommt den Eindruck, dass die Schulpflege vier Jahre lang an Strukturen, Leitfäden, Grob-, Notfall- und Krisenkonzepten, Reglementen, Organisationsentwicklungs-Projekten, Richtlinien, Prozessbeschrieben und Budgetprozessen gearbeitet hat. Dabei geht es in der Schule doch in erster Linie um Kinder und Lehrpersonen.
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