Blumenrain, 10-Mio-Schweiz und «Trichti»

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23. Mai 2026 – Die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative der SVP hätte grosse Auswirkungen auf den Gesundheits- und Pflegebereich. Drei Zolliker Institutionen legen die entsprechenden Zahlen offen. Und bei der «Trichti»-Beiz kommt es zu einem Wettrennen mit der Zeit.

BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI

Barbara Lukesch und René Staubli

Vielleicht haben Sie sich ja schon ein Urteil zur «Keine 10 Millionen-Schweiz»-Initiative gebildet. Vielleicht aber auch nicht. Die folgenden Zahlen sollten Sie sich auf jeden Fall anschauen.

Zur Erinnerung: bei dieser Abstimmung geht es um die Frage, ob wir die ständige Wohnbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf unter 10 Millionen begrenzen wollen. Darüber hinaus hält der Initiativtext fest, dass die Schweiz bei fortgesetztem Überschreiten der 10 Millionen-Grenze auch das Abkommen mit der EU zur Personenfreizügigkeit kündigen müsste. Ein Eingriff, der automatisch zum Ende weiterer Verträge mit der EU führen würde.

Die Zunahme der Wohnbevölkerung hat grösstenteils mit der Zuwanderung von Menschen zu tun, die bei uns als Arbeitskräfte beschäftigt sind. Ohne sie würden Schweizer Unternehmen, aber vor allem auch Spitäler sowie Alters- und Pflegeheime unter einem beachtlichen Personalmangel leiden. Bundesrat Beat Jans brachte das Problem im «Tages-Anzeiger» kürzlich auf den Punkt: «Diese Initiative kann Ihre Gesundheit gefährden».

Ist das so? Wir haben drei Zolliker Institutionen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich gebeten, uns ihre Personallisten aufgeschlüsselt nach Nationalitäten offenzulegen. Angefragt wurden das Wohn- und Pflegezentrum Blumenrain, das Gesundheitszentrum für das Alter Rebwies und das Spital Zollikerberg. Die Ergebnisse können einem zu denken geben:

Im Blumenrain arbeiten 72 SchweizerInnen und 70 AusländerInnen aus insgesamt 25 Ländern, darunter 39 aus Nicht-EU-Ländern wie Afghanistan, China, Serbien, der Ukraine, Somalia oder Eritrea, das mit 10 Personen eine der stärksten Gruppen stellt. Die anderen 31 stammen aus EU-Ländern, davon 12 aus Deutschland und 5 aus Österreich. Was würde wohl passieren, wenn sich das Blumenrain nicht länger oder nur noch eingeschränkt auf dem nahezu weltweiten Arbeitsmarkt bedienen könnte?

Die Situation im Gesundheitszentrum für das Alter Rebwies passt ins Bild. Dort setzt sich die 57-köpfige Belegschaft aus 22 AusländerInnen und 35 SchweizerInnen zusammen. Aus Deutschland kommen 5, aus Italien und der Ukraine je 2, die weiteren aus anderen Ländern Europas, aber auch aus Eritrea, Sri Lanka, dem Irak und Iran.  

Im Spital Zollikerberg stehen 884 Schweizer Mitarbeitenden 357 aus dem Ausland gegenüber. Von den Pflegenden kommen 196 Personen aus dem Ausland und 571 aus der Schweiz. Die Ärzteschaft setzt sich aus 71 AusländerInnen und 116 SchweizerInnen zusammen. Die zehn am stärksten vertretenen Nationen stammen hier aus der EU: Deutschland, Österreich, Portugal, Italien, Kroatien, Griechenland und Niederlande. Von ausserhalb Europas sind bloss Indien und Eritrea in dieser Liste vertreten.

50 Prozent pflegende AusländerInnen im Blumenrain, 40 Prozent im Gesundheitszentrum für das Alter Rebwies, 26 Prozent Pflegende und rund 40 Prozent Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland im Spital Zollikerberg: Man stelle sich die drei Institutionen einfach einmal ohne diese Arbeitskräfte vor.

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Beim Restaurant-Projekt Trichtenhausermühle kommt es zu einem Wettlauf mit der Zeit. Im Vertrag der Gemeinde mit der Besitzerfamilie Heer steht, dass die Baubewilligung für den Umbau spätestens 2026 vorliegen müsse, ansonsten falle das ganze Geschäft dahin. Das ist ziemlich ambitiös, denn das Jahr endet in 7 Monaten. Ist das noch zu machen?

Der Familiensprecher Deion Impallomeni-Heer sagt, man habe seit der Unterzeichnung des Vertrags am 27. Oktober 2025 eine komplette Revision des bisherigen Bauprojekts vorgenommen, das ursprünglich den Einbau von 7 Wohnungen vorsah. Derzeit warte man auf ein Gutachten zur Schutzwürdigkeit des Gebäudes, das die Gemeinde bei einem unabhängigen Büro in Auftrag gegeben habe. Erst dann könne man «die Planung finalisieren». Von der Bauabteilung habe er am 24. März vernommen, dass die Erstellung dieses Gutachtens nicht länger als drei Monate dauern sollte. Garantien für die Einhaltung des Zeitplans gebe es unter diesen Umständen keine.

Der Vertrag verpflichtet die Eigentümer, das Gebäude zu sanieren und anschliessend 30 Jahre lang ein Restaurant zu betreiben. Dafür sollen sie von der Gemeinde mit insgesamt 1,5 Millionen Franken entschädigt werden. Für den Fall, dass der Restaurantbetrieb früher eingestellt würde, müssten sie das Geld anteilsmässig zurückerstatten. Weiter sieht der Vertrag einen Pächter mit europäischer Küche vor. Man habe in der Zwischenzeit mit mehreren Anwärtern Gespräche geführt, sagt Impallomeni: «Mit einem der Interessenten sind wir bereits tiefer in die Detailplanung eingestiegen.»

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