Eine Bereicherung für den Zollikerberg

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7. Oktober 2026 – Der Zollikerberg kann aufatmen: endlich wieder ein Restaurant, in dem man richtig gut essen kann. Die «Neue Laterne» hat Vertrautes und Ungewohntes auf der Karte, kombiniert frech und frisch und bietet auch für’s Auge etwas. Das schöne Angebot hat allerdings seinen Preis.

Lachs im Melonen-Mantel (Fotos: ZN)
Lachs im Melonen-Mantel (Fotos: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

Vieles ist neu in der «Neuen Laterne»: Angefangen beim Namen über das Logo und die freundliche Inneneinrichtung bis hin zur komplett veränderten Speisekarte und dem Personal. Was nach Aussage von Geschäftsführer Daniele Zucca an diesem Oktoberabend noch fehle, sei die Garderobe, so dass unsere Jacken irgendwo im Inneren des Hauses deponiert werden. Das ist uns egal.

Viel mehr interessiert uns die neue Speisekarte, die nicht riesig ist und einiges an Konventionellem enthält wie Kürbissuppe (28 Fr.) und Rindstartar (32 Fr.), Entrecote (49 Fr.), Zürcher Geschnetzeltes (46 Fr.) und Mistkratzerli (40 Fr)., Tiramisu (15 Fr.) und Sorbets (5 Fr. pro Kugel). Dazu wartet sie mit einigen Überraschungen auf wie Safranrisotto & Luganighetta, einer Schweinswurst (37 Fr.), Pappardelle an Wildschweinragout, dunkler Schokolade und Pecorinospänen (38 Fr.) oder zum Dessert Marronimousse mit Amaretticrumble, Sauerkirschen, Meringue und Kaki-Vanille-Coulis (17 Fr.).

Franciacorta zur Eröffnung

Wir sind mit Freunden gekommen und eröffnen den Abend mit einem Glas Franciacorta Bellavista (13 Fr. pro dl). Eine gute Wahl: Das perlfrische Getränk schmeckt wunderbar und rinnt geschmeidig unsere Kehlen hinunter. Dazu wird uns dunkles Brot an feinem Olivenöl serviert. So kann es weitergehen.

Als Vorspeise wählen wir einmal norwegischen Lachs, mariniert mit Zitrusfrüchten, verfeinert mit rosa Pfeffer und Sauerrahm, ergänzt von Cantaloupe-Melone (29 Fr.). Der Herbstsalat mit Birnenstücken, Pekannnüssen, Gurken an Hausdressing (16 Fr.) stösst bei Dreien von uns auf Interesse. Sowohl der Lachs wie auch die Herbstsalate entzücken uns optisch: Beide Gerichte werden in kleinen Ringen kredenzt, einmal bestehend aus dünn geschnittenen Melonenscheiben, im anderen Fall aus feinen Gurkentranchen, die den Lachs beziehungsweise den Salat umfassen.

Herbstsalat im Gurkenmantel
Herbstsalat im Gurkenmantel

Die Portionen sind wohldosiert; wer mit einem Bärenhunger kommt, wäre wohl nicht ganz so zufrieden. Der Lachs mundet unserem Freund: die Kombination mit den sauren Zitrusnoten und dem kräftigen rosa Pfeffer kontrastiert mit der süssen Melone und stösst auf Wohlgefallen. Der Herbstsalat ist knackig, ein Eindruck, den die Nüsse und Birnen verstärken, das Hausdressing ist – wie auf der Karte angekündigt – «fein». Drei, vier Tropfen mehr davon wären allerdings keine Verschwendung gewesen.

Wir trinken, fachmännisch beraten von Daniele Zucca, der viele Jahre Erfahrung als Sommelier in seinem Curriculum anführt, ein Glas Chateau Croix-Mouton (9 Fr.) und 1 dl Querciegobbe (10.50 Fr.), zwei kräftige Rotweine. Unsere Freundin bleibt beim Franciacorta.

Klassische Gerichte, überraschende Kombination

Nach einer angemessenen und sehr angenehmen Pause stehen unsere Hauptspeisen vor uns. Wie bereits die Vorspeisen werden sie auf eleganten steingrauen Tellern serviert, die dem Essen uneingeschränkt den Vortritt lassen. Mein Mann möchte unbedingt wissen, was es mit dem Zürcher Geschnetzelten nach Art des Hauses auf sich hat. Unser Freund schliesst sich ihm an. Mich reizen die Blaukartoffel-Gnocchi mit Steinpilzen und marinierten roten Crevetten (39 Fr.); unsere Freundin hat Lust auf das Mistkratzerli in Honig-Senf-Marinade. Anstelle von Bratkartoffeln bittet sie um Pommes Allumettes.

Überraschende Kombination:  Zürcher Geschnetzeltes mit Shitake-Pilzen
Überraschende Kombination:  Zürcher Geschnetzeltes mit Shitake-Pilzen

Unser Urteil: Die Portionen sind angenehm bemessen. Nicht zu gross, nicht zu klein, gerade richtig. Das Zürcher Geschnetzelte verdankt seine spezielle Note auch den Shitake-Pilzen, die in gut sichtbaren Stücken über das Fleisch verteilt sind. Die beiden Esser loben das zarte Kalbfleisch, die gehaltvolle sämige Sauce, sind aber etwas enttäuscht von der Rösti, die tatsächlich etwas bleich auf dem Teller liegt.

Das Mistkratzerli hingegen ist äusserst knusprig und schmeckt speziell dank der würzigen Marinade. Wie es Hühnchen so an sich haben, ist das Brustfleisch eher trocken, während die Schenkel saftiger sind. Geschmackssache, wer welche Teile vorzieht.  

Kross und schmackhaft: das MistkratzerliShitake-Pilzen
Kross und schmackhaft: das Mistkratzerli

Die Blaukartoffel-Gnocchi sind so blau, ja, violett, wie es die bei jedem Grossverteiler inzwischen erhältlichen blauen Kartoffeln erwarten lassen. Sie sind perfekt in der Konsistenz. Die Kombination mit den frischen aromatischen Steinpilzen, die einen gedanklich in einen lichtdurchfluteten Herbstwald entführen, ist eine Wucht. Wozu es die marinierten roten Crevetten braucht, erschliesst sich mir nicht ganz. Vielleicht als zusätzlichen Farbtupfer?

Wie im Herbstwald: blaue Gnocchi, rote Crevetten
Wie im Herbstwald: blaue Gnocchi, rote Crevetten

Beim Dessert halten sich unsere Freunde zurück: eine Kugel Schoggiglacé für ihn und für sie eine Kugel Green Apple-Sorbet, ergänzt mit einem Schuss Wodka. Ich möchte unbedingt wissen, was der Küchenchef auf den ebenfalls steingrauen Teller zaubert, wenn er Marronimousse mit Amaretticrumble, Sauerkirschen, Meringue und Kaki-Vanille-Coulis ankündigt. Nummer Eins: Das Marronimousse ist Weltklasse. Nummer Zwei: die orangegelben Kaki-Coulis-Tupfer plus die Sauerkirschen passen perfekt dazu. Nummer Drei: Die Amaretticrumble, knusprig wie es sich gehört, bilden einen grossartigen Kontrast. Nummer Vier: Die winzigen Meringues sind süsse Hingucker. Fazit: 100 Punkte.

Ein Dessert mit Suchtpotenzial
Ein Dessert mit Suchtpotenzial

Zum Schluss muss bei allem Lob noch ein ernstes Wort erlaubt sein: Die «Neue Laterne» hat ihren Preis. Pro Paar bezahlten wir 204 Franken. Das ist doch sehr viel, insbesondere weil wir nicht einmal eine Flasche Wein, einen Kaffee oder Schnaps getrunken und bei den Desserts grosse Zurückhaltung gezeigt haben.

Trotzdem ist es schön, dass die Gastronomie nun auch im Zollikerberg wieder um einiges attraktiver geworden ist. Jetzt noch eine preislich etwas niederschwelligere Neuauflage der Trichtenhauser Mühle, und wir sind richtig zufrieden.

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