Kampffische als grosse Leidenschaft
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8. Oktober 2026 – Als sie 12 war, schenkte ihr der Vater 7 Kampffische. Mit 27 betreute sie im eigenen Keller rund 1000. Sabrina Dichne (34) ist Co-Präsidentin des Vereins Betta Helvetia, der am Wochenende in Zollikon eine grosse Messe organisiert.

VON RENE STAUBLI
Es gibt zwei Sorten von siamesischen Kampffischen: die «Fighters», muskulöse, aggressive, meist einfarbig-dunkle Fische mit kleinen Flossen, die dafür gezüchtet werden, an öffentlichen Veranstaltungen ihre Gegner zu attackieren und zu besiegen. Und es gibt die «Hochzuchten», bei denen es auf die Schönheit und das Imponiergehabe ankommt. Sie sind Geistesverwandte des Pfaus, wollen sich möglichst gross, schön und farbenprächtig präsentieren.
Sabrina Dichnes Leidenschaft gilt ausschliesslich letzteren, aber als erfahrene Züchterin weiss sie, dass es auch bei der Paarung der «Hochzuchten» heftig zu und her gehen kann. Mit ihren winzig kleinen Zähnen können sie sich beim Balztanz durchaus ineinander verbeissen und verletzen. Oft haben danach beide kaputte Flossen und fehlende Schuppen. Nicht selten bleibt das Weibchen oder das Männchen bei unerfahrenen und unvorbereiteten Zuchtversuchen gänzlich auf der Strecke, denn das Aquarium erlaubt keine Flucht.
Immerhin: wertvolle verletzte Fische können behandelt werden. «Es gibt in der Schweiz mehrere Fischtierärzte», sagt Sabrina Dichne. Medikamente zur Eindämmung von Infektionen werden meist über keimfreies Wasser verabreicht. Dann und wann kommt auch das Skalpell zum Einsatz, um verletzte Flossenteile zu amputieren.
Attraktive Ausstellung
Der «Deutschschweizer Kampffischverein Betta Helvetia» wurde vor rund zehn Jahren im Zollikerberg aus der Taufe gehoben. Die Mitbegründerin Sabrina Dichne ist nach wie vor Co-Präsidentin, aktuell allerdings lediglich in unterstützender Funktion. Sie organisiert mit einem siebenköpfigen Team die Aquaristikmesse SwissFish 2026, die am kommenden Wochenende im Gemeindesaal Zollikon stattfindet. Im Zentrum stehen rund 1000 Fische aller Arten und Grössen. Gezeigt werden aber auch Pflanzen und Korallen, es gibt Informationen zu Fütterung und Krankheiten sowie Workshops zur Einrichtung von Süss- und Meerwasser-Aquarien. Der wissenschaftliche Begriff «Betta» leitet sich übrigens vom malaiischen Wort ikan betah (beharrlicher/kämpfender Fisch) ab.
Die ersten Goldfische
Alles begann mit Familienferien in China bei Bekannten. Die schenkten der kleinen Sabrina zwei Goldfische in einem Plastiksäcklein. Auf dem benachbarten Markt fand sich «ein kugelrundes Goldfischglas mit farbigen Steinchen wie aus einem Trickfilm». Leider starb das eine Fischchen schon nach zwei Tagen, das zweite musste das Mädchen in China zurücklassen, doch die Liebe zu den Fischen reiste im Flieger mit nach Hause.
Weil sie allergisch auf «flauschige Tierli» sei, kamen als Haustiere keine Hunde, Katzen oder Hamster in Frage. Aber die Eltern sagten Ja zu Goldfischen «mit den süssen Glubschaugen», allerdings nicht im runden Glas, weil die Haltung in solchen Behältern in der Schweiz aus Tierschutzgründen verboten ist, sondern im ersten eigenen 100-Liter-Aquarium. Wenig später trat Sabrina einem Aquarium-Verein bei und lernte Leute kennen, die ihre Leidenschaft teilten.
Mit 12 kaufte ihr der Vater auf einer Asienreise 7 Kampffische von einer Zuchtfarm, welche Direktlieferung per Flugzeug in die Schweiz anbot. In den nächsten Weihnachtsferien ging es nicht auf die Skipisten, sondern mit der Mutter zur Farm in Singapur, wo Sabrina alles Nötige über die Kampffischhaltung und -zucht lernte. Beim ersten Ausstellungsbesuch in der Westschweiz realisierte sie, dass in Europa nur selber gezüchtete Fische zu Schönheitswettbewerben zugelassen sind. Also wandte sie sich der Zucht zu.
Gelb und rot gleich orange?
Dabei geht es um die «natürliche Fortpflanzung von zwei Tieren mit gewünschten Eigenschaften». Sabrina Dichne definiert den dehnbaren Begriff so: «Möglichst harmonisch in der Gestalt und der Farbe.» Ein Fisch, der beim Wettbewerb in der einfarbigen Klasse antrete, dürfe keine Schattierungen oder gar Flecken aufweisen. Die Flossen sollten möglichst gleichmässig sein, und das Tier müsse «einen agilen, starken, gesunden und selbstbewussten Eindruck hinterlassen».
Frage: Gibt es einen türkisen Fisch, wenn man ein blaues Männchen mit einem grünen Weibchen paart? Das funktioniere tatsächlich so, das Ergebnis einer solchen Zucht sei entweder königsblau, türkis oder stahlblau, denn diese Farben seien miteinander verwandt. So laufe es aber nicht mit allen Farben. Kreuze man einen rein gelben mit einem rein roten Fisch, seien sämtliche Nachkommen rot, aber nicht orange. In der zweiten Generation gebe es dann gemischten Nachwuchs, die einen gelb, die andern rot, aber auch hier: keine orangen.
Die Fische wiegen zwischen 2 und 6 Gramm. Wenn sie zwei Jahre alt werden, sei das ein gutes Alter. Ihr ältester Kampffisch sei 4 ½ geworden, ein echter Methusalem. Und dann gab es noch «den tollen Fisch», dem sie den Namen «Green Metallic Show Plakat» gegeben und der an der letzten SwissFish Messe vier Preise gewonnen habe: «Er ist einfach der Beste von allen gewesen und hat die Fachjurys mit seinen Farben, der Form und dem Verhalten fasziniert.»

Internationale Karriere
Zusammen mit ihrer Mutter hat Sabrina Dichne als Züchterin rund 300 Preise im In- und Ausland gewonnen, darunter mehrere Europameisterschaften. Sie ist international zertifizierte Kampffischrichterin mit Einsätzen von den USA bis hin nach Dubai und Thailand. In dieser Funktion verteilt sie keine Noten: «Man vergleicht die Fische in den verschiedenen Klassen und schaut, welcher am wenigsten Fehler hat – der wird dann zum Sieger erkoren.»
2019 erlebte Sabrina Dichne den Peak, als sie vor einer Ausstellung rund 1000 Kampffische in 500 Becken im eigenen Keller versorgte, etliche von ausländischen Ausstellern, die sie bei ihr zur Betreuung zwischenlagerten. Im selben Jahr schloss sie ihr Studium an der HSG St. Gallen mit einem Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre ab. Sie stieg darauf bei einer Firma ein, die vermögenden Familien allerlei Dienstleistungen bis hin zur Vermögensverwaltung anbietet. Die vielen Auslandreisen verunmöglichten ihr die Weiterführung des Hobbys: «Kampffische zu züchten verträgt sich nicht mit längeren Abwesenheiten.» Hinzu kamen einige gesundheitliche Einschränkungen. Ihrem Hobby als Co-Präsidentin des Kampffischvereins Betta Helvetia, Beraterin des Vereinsteams bei der Organisation von Ausstellungen und Kampffischrichterin bleibt sie dennoch verbunden.
Zur Frage, ob sie Fisch esse, lacht sie und zitiert einen Kollegen: «Ich liebe Fische im Aquarium – und auf dem Teller.»
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