Grosse Nachfrage nach Fernwärme im Dorf

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6. Oktober 2026 – Anfang September sind erste Abnehmer provisorisch ans Zolliker Fernwärmenetz angeschlossen worden. Laut dem «Werke am Zürichsee»-Chef Adrian Sägesser werden wohl mehr als 200 Liegenschaften Teil des Verbunds. Ein weiterer Ausbau im Dorf scheint möglich – und im Zollikerberg?

Verlegte Röhren für das Fernwärmenetz (Foto: ZN)
Isolierte Röhren für das Fernwärmenetz (Foto: ZN)

VON RENE STAUBLI

Ursprünglich gingen die «Werke am Zürichsee» davon aus, dass von den rund 520 in Frage kommenden Zolliker Liegenschaften etwa 150 ans Fernwärmenetz gehen werden. Diese Zielgrösse dürfte deutlich übertroffen werden, sagt Werke-Chef Sägesser. Er rechne mit rund 50 zusätzlichen Liegenschaften.

Mit ziemlicher Sicherheit werde es 2027/28 zudem eine Gebietserweiterung Richtung Kleindorf geben, von wo mehrere Anfragen eingegangen seien. Der aktuelle Plan zeigt innerhalb der Zolliker Grenzen nebst dem Kleindorf zwei weitere mögliche Versorgungsgebiete nahe den Sportanlagen Buechholz und Riet sowie Teile der Lengg auf Stadtzürcher Boden.

Braun: definitive Versorgung. Gelb: in Planung bzw. Abklärung (Grafik: WAZ)
Braun: definitive Versorgung. Gelb: in Planung bzw. Abklärung (Grafik: WAZ)

Laut Sägesser wird das Fernwärmenetz im Frühling 2027 vorerst mit Gas in Betrieb genommen. Auch das Hallenbad Fohrbach soll zunächst einige Monate lang mit der für Notfälle eingebauten Gasheizung temperiert werden. Ab dem Sommer dürften dann die Wärmepumpen in der Wässerig am See einsatzbereit sein.

Privatkunden sollen etwa 70 Prozent der Wärme beziehen. Mit rund 12 Prozent wird das Fohrbach die grösste Einzelabnehmerin sein. Insgesamt 18 gemeindeeigene Liegenschaften gehen ans Fernwärmenetz und kommen zusammen auf ungefähr 20 Prozent: die Schulhäuser Buechholz und Oescher sowie alle Gemeindeliegenschaften mit Wohnungen. Der Gemeindesaal und das Gemeindehaus sind mit Erdsonden versorgt und werden vorderhand nicht angeschlossen.  

«Nicht per se günstig»

In Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern wird die Kilowattstunde 1 Rappen mehr kosten als in grösseren Mehrfamilienhäusern, im Altersheim Blumenrain oder in Schulhäusern. Diese wiederum bezahlen pro kWh 1 Rappen mehr als der grösste Abnehmer, das Fohrbach.

Sägesser sagt, man betone bei Vertragsgesprächen stets, dass Fernwärme nicht per se günstig sei: «Kunden dürfen auf keinen Fall den Fernwärmepreis mit dem reinen Gas- und Ölpreis vergleichen.» Sie müssten bei der Berechnung berücksichtigen, dass mit dem Anschluss an den Wärmeverbund keine Investition mehr in eine neue Heizung nötig sei.

Bei den meisten Preisvergleichen von Öl/Gas/Wärmepumpen/Pellets auf der einen und Fernwärme auf der andern Seite gehe man von einem durchschnittlichen Wärmepreis von 22 bis 30 Rappen pro Kilowattstunde aus. Bei der Fernwärme in Zollikon liege der Preis aktuell bei rund 23 bis 25 Rappen. Die Zolliker Fernwärme sei also «absolut konkurrenzfähig». Daran  ändere auch die Tatsache nichts, dass mit dem Spital Zollikerberg eine potentielle Grossabnehmerin abgesprungen ist. Die «Gesundheitswelt Zollikerberg» setzt auf andere Energielösungen.

Lokale Netzerke im Zollikerberg

Weil auf dem Zollikerberg kein Fernwärmenetz zur Verfügung steht, müssen die Liegenschaftsbesitzer beim Ersatz alter Öl- und Gasheizungen andere Lösungen suchen, seien es individuelle oder gemeinsame. Seit kurzem besteht die Möglichkeit, mehrere Liegenschaften zu vernetzen, um die Stromproduktion aus Photovoltaik zu teilen und auch zur Gewinnung von Wärmeenergie besser auszunützen.

Sägesser kann sich durchaus vorstellen, dass sich beispielsweise die Eigentümer der rund 50  Mehrfamilienhäuser im Quartier Langwatt-, Forch- und Firsstrasse (darunter etliche Hochhäuser) zusammenschliessen, um mit gemeinsamen Erdsonden/Wärmepumpen plus Photovoltaik auf den Dächern einen eigenen Energieverbund zu realisieren. Für die gemeinsame Nutzung sei jedoch wiederum der Bau von Fernwärmeleitungen nötig, was ins Geld gehe: «Die Rentabilität eines lokalen Wärmeverbunds müsste abgeklärt werden.»

Seit vier Jahren dürfen im Kanton Zürich Öl- und Gasheizungen in bestehenden Gebäuden nur noch durch Heizsysteme mit erneuerbarer Energie ersetzt werden – es sei denn, eine solche Lösung sei technisch nicht möglich oder über den gesamten Lebenszyklus der Anlage mehr als 5 Prozent teurer. Eine Untersuchung der kantonalen Baudirektion in zehn Gemeinden zeigte kürzlich, dass mehr als 98 Prozent der fossilen Heizungen durch Wärmepumpen, Holzheizungen oder Fernwärme ersetzt worden sind.

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