«Wir fokussieren auf drei Themen»

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30. Oktober 2026 – Die Schule Zollikon hat eine schwierige Phase hinter sich. David Sarasin, der neue Präsident der Schulpflege, präsentiert Legislaturziele, die er zum Ende dieser Amtszeit auch wirklich realisiert haben will: erweiterte Tagesstrukturen, besondere Förderung und Schulraumplanung. Sein Motto lautet: «Weniger ist mehr».

Verantwortlich für drei Schulhäuser: David Sarasin
Verantwortlich für drei Schulhäuser: David Sarasin

INTERVIEW: BARBARA LUKESCH

Herr Sarasin, wenn man die Legislaturziele liest, fällt als Erstes auf, wie stark Sie, aber auch Gemeindepräsident Patrick Dümmler die enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Schulpflege betonen. Sie schreiben: «Gemeinde und Schule stehen bei vielen Zukunftsfragen vor gemeinsamen Aufgaben. Indem wir unsere Schwerpunkte aufeinander abstimmen, schaffen wir verlässliche Grundlagen und können die anstehenden Entwicklungen koordiniert angehen.» Das ist im Vergleich zu den Legislaturzielen von vor vier Jahren ein völlig neuer Ton. Was ist der Grund, dass Sie diese Zusammenarbeit derart betonen?

Das hängt zum einen mit der Erfahrung an der Schule Rüterwis zusammen, wo die Gemeinde und die Schule mindestens nach aussen hin nicht einheitlich kommuniziert haben. Das darf in einer Einheitsgemeinde nicht passieren. Auch im Liegenschaftenbereich – Stichwort Planungswettbewerb Buechholz – ist die Zusammenarbeit unglücklich verlaufen.

Ist die Betonung auf der Zusammenarbeit also auch eine präventive Disziplinierungsmassnahme von Seiten des Gemeinderats, der sagt, wir gucken der Schule diesmal stärker auf die Finger, weil wir ein solches Debakel nicht nochmals erleben wollen?

Das habe ich jetzt weder von Patrick Dümmler noch von anderen Gemeinderäten so gehört.

Gut, aber damals klagten verschiedene Behördenmitglieder, wie stark der Fall Rüterwis den Gemeinderat absorbiert habe. In der eigens einberufenen Behördenkonferenz ging es ja dann auch ausdrücklich darum, die Schule enger anzubinden und damit auch mehr Kontrolle zu haben.

Das mag damals so wahrgenommen worden sein. Aber heute soll diese Zusammenarbeit in erster Linie dazu dienen, solche Probleme wie am Rüterwis oder auch am Buechholz zu verhindern. Das Buechholz ist ja ein klassisches Beispiel dafür, was passiert, wenn es an Abstimmung fehlt. Die Gemeinde sagte, die Schule hat…, und die Schule sagte, die Gemeinde hat…. Solche Missverständnisse möchten wir künftig vermeiden. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum wir die Zusammenarbeit diesmal so stark gewichten.

Erzählen Sie!

Ich bin auf etliche weitere Themen gestossen, wo die Gemeinde und die Schule überraschend viele Überschneidungen haben.

Woran denken Sie konkret?

Für den Vorschulbereich und damit auch für die Kitas ist die Gemeinde zuständig, während die Verantwortung ab dem Kindergarten bei der Schule liegt. In einem Gespräch mit Sandra Fischer, Gemeinderätin Ressort Gesellschaft, hat sie die Idee eingebracht, dass es sinnvoll wäre, schon den Kleinsten, die eine andere Muttersprache haben, Deutsch beizubringen. Damit würde man ihnen den Übergang in den Kindergarten erleichtern. Da drängt sich eine Zusammenarbeit regelrecht auf: So könnte beispielsweise eine unserer DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Lehrpersonen auch ein paar Lektionen in einer Kita übernehmen.

Und sonst?

Auch bei der Früherkennung von Förderbedürfnissen, die im besten Fall schon im Kindergarten stattfindet, drängt sich eine Kooperation von Schule und Ressort Gesellschaft auf. Oder denken Sie an die Tarife, die die Eltern für den Aufenthalt ihrer Kinder in der Betreuung zahlen. Die sind nicht kostendeckend, also braucht es einen gemeinsamen politischen Entscheid, um zu klären, in welchem Umfang die Gemeinde sie subventioniert.

Fazit:  Sie wollen die Idee der Einheitsgemeinde stärker in die Tat umsetzen?

Das ist für mich tatsächlich der richtige Weg. Es gibt ja Gemeinden wie Männedorf, die noch einen Schritt weitergehen und die Legislatur-Ziele von Schule und Gemeinderat in gemeinsamen Workshops erarbeiten. Ausgehend von der Erkenntnis, dass es zahlreiche Überschneidungen gibt, die gemeinsame Lösungen erfordern, die dann eben auch besser sind.

Lassen Sie uns einen Schritt weitergehen und über die einzelnen Legislaturziele reden. Es fällt auf, dass Sie nur wenige präsentieren, und die kommen auf sehr abstrakte Art daher. Nach der Lektüre bleibt man etwas ratlos und fragt sich, was genau die Schulpflege denn nun vorhat. So heisst es beispielsweise: «Das pädagogische Konzept bildet den gemeinsamen Orientierungsrahmen.» Da denke ich mir: welche Bürgerin weiss, was das «pädagogische Konzept» beinhaltet?

Das pädagogische Konzept, das wir jetzt erarbeiten, soll zeigen, wie wir Schule geben wollen. Was ist beispielsweise unser Verständnis von Lernen, Leistung und Chancengerechtigkeit. Wie wichtig ist uns individualisiertes Lernen, wie wichtig Zusammenarbeit? Dazu wollen wir eine Vereinheitlichung der pädagogischen Konzepte der ganzen Schule Zollikon. Dieser Mangel war ja im letzten Evaluationsbericht moniert worden.

Ein weiterer Punkt, dem Sie in den Legislaturzielen hohe Priorität einräumen, ist die «schrittweise Umsetzung der erweiterten Tagesstrukturen». Also konkret: Wann wird es diese Tagesstrukturen geben?

An der Schulpflegesitzung vom letzten Dienstag wurde die Phase Zwei in diesem Themenbereich eingeläutet. Wir haben jetzt einen konkreten Fahrplan, der vorsieht, dass wir ab dem Schuljahr 2029/30 den ordentlichen Betrieb aufnehmen möchten.

Es steht ein weiterer Satz in den Legislaturzielen, den ich nicht verstehe: «Dabei werden Unterricht und Betreuung stärker zusammengedacht.»

Heute werden die Bereiche Betreuung und Unterricht separat gehandhabt. Denkbar wäre doch, dass die Lehrkräfte künftig einen Teil der Betreuung mitverantworten und die Betreuung stärker im Unterricht mitwirken kann, beispielsweise als Schulassistenz.

Die Lehrpersonen sind doch heute schon am Anschlag mit all den Anforderungen.

Es gibt viele, die Teilzeit arbeiten…

…wohl eher um ihre Kinder oder Angehörigen zu betreuen…

…das wird sich zeigen. Wir sind nicht die einzigen, die in diese Richtung denken.

Nehmen wir als nächstes das Thema «Besondere Förderung.» Dazu kündigen Sie an: «Die besondere Förderung wird weiterentwickelt. Dazu gehört unter anderem auch der Umgang mit Förderklassen…» Was heisst das? Wird es in Zollikon Förderklassen geben oder nicht?

Ich sage weder, dass ich dafür oder dagegen bin. Ich möchte aber, dass die Schulpflege bis spätestens Ende dieser Legislatur eine Meinung dazu hat, ob wir dieses Angebot einführen wollen oder nicht.

Als weiteren Schwerpunkt haben Sie die Schulraumplanung erwähnt. Lassen Sie uns über jene «Baustelle» reden, die in der Bevölkerung grosses Aufsehen erregt hat: Das Schulhaus Buechholz. Wie soll es nach dem Abbruch des Architekturwettbewerbs weitergehen?

Zunächst werden wir – ausgehend von unserem pädagogischen Konzept – erheben, welche Anforderungen an die Infrastruktur im Buechholz bestehen. Brauchen wir grosse Räume, brauchen wir kleine Räume, brauchen wir Gruppenräume, wie viele Klassenzimmer brauchen wir? Das kombiniert mit den Schülerzahlen ergibt dann das Buechholz der Zukunft. Basierend darauf entwickeln wir einen Plan, den wir mit der Gemeinde absegnen werden. In der Folge wird sie sich auf die Suche nach geeigneten Architekten machen, die sich dem Projekt annehmen.

Das heisst, dass Sie die Sanierung der Schule Buechholz nochmals von Grund auf neu planen?

Es ist uns tatsächlich wichtig, dass wir das Projekt Buechholz nochmals unter Einbezug unseres pädagogischen Konzepts anschauen und daraus alle nötigen Anforderungen an die Infrastruktur ableiten.

Wann wird wieder ein Architekturwettbewerb durchgeführt?

Es ist noch viel zu früh, um das zu sagen.

Welche anderen Projekte in Sachen Schulraumplanung stehen in Ihrer Agenda?

Sicher die Arealentwicklung Rüterwis. Dort bauen wir jetzt ein provisorisches Betreuungshaus. Das heisst, wir müssen in der laufenden Legislatur mindestens diskutieren, wo ein Definitivum stehen würde und welche anderen Gebäude wünsch- und machbar sind. Auch im Schulhaus Oescher wird sich uns die Frage stellen: Wie weiter mit den Containern Oescher X, die auch nicht für die Ewigkeit gebaut sind?

Wir haben jetzt über die drei Schwerpunkte in den Legislaturzielen gesprochen: erweiterte Tagesstrukturen, besondere Förderung und Schulraumplanung. Was ist mit anderen Themen?

Es gibt selbstverständlich weitere Themen, denen wir allerdings nicht die gleich grosse Bedeutung beimessen. Das sind die vier Bereiche «Kommunikation», «Organisation und Führung», «Zusammenarbeit Gemeinde und Schule» sowie die Entwicklung einer Form von Führungs- und Messinstrumenten, mit denen wir die Qualität der Schule und ihrer Entwicklung überwachen werden. Das heisst, wir warten nicht auf die alle fünf Jahre durchgeführte Schulevaluation, sondern machen uns kontinuierlich selber ein Bild.

Bleiben wir noch etwas beim Thema Kommunikation, die ja in den letzten vier Jahren wiederholt kritisiert worden ist. Wie gehen Sie mit diesem Bereich um?

Ich möchte zum einen dafür sorgen, dass die Bevölkerung mitbekommt, wieviel Gutes die Schule tut. Stichwort Räbeliechtliumzug, Adventssingen, das schätzen die Leute. Gleichzeitig müssen wir die Bevölkerung bei gewissen strategischen Themen wie den erweiterten Tagesstrukturen auch mit einbeziehen. Das können wir nicht einfach verordnen, da ist Kommunikation gefragt, vielleicht in Form von Elternanlässen, vielleicht auch auf andere Art.

Sie haben jetzt insgesamt sieben Themen genannt. Wie sind die innerhalb der Schulpflege verteilt?

Jedes Mitglied ist verantwortlich für einen Bereich: Rui Biagini für die Tagesstrukturen, Andi Tschopp für die Liegenschaften, ich für Organisation und Führung sowie zusammen mit Sonja Lier für die  Kommunikation. Sie verantwortet zudem die Schülerbelange. Christian von Ballmoos ist nebst den Finanzen auch für die Messinstrumente zur Überwachung der Schulqualität verantwortlich, Sabine Knüsli für besondere Förderung und Brigitte Eigenmann für die Musikschule und die Schulkommission Zollikon-Zumikon.

Wozu dienen eigentlich Legislaturziele?

In der Privatwirtschaft würde man sagen, das sind die Schwerpunkte unserer Strategie, an denen wir uns orientieren und unsere Arbeit ausrichten. Ich sage Ihnen: Wenn wir bis zum Ende der Legislatur die Tagesstrukturen hinkriegen, dazu eine vernünftige Liegenschaftenplanung inklusive Sanierung Buechholz sowie eine Optimierung der besonderen Förderung, rufe ich Halleluja.

Sie haben jetzt vier Jahre Schulpflege hinter sich. Welche Erfahrungen mit Legislaturzielen haben Sie gemacht?

Das Motto: «Weniger ist mehr» begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich glaube, wir haben uns seinerzeit zu viel vorgenommen. Darum haben wir jetzt den Weg der Beschränkung auf drei zentrale Ziele und damit eine stärkere Fokussierung gewählt. Ich werde auch Jahr für Jahr überprüfen, wo wir mit der Erreichung unserer Ziele stehen. Sie haben also grosse Relevanz für uns.

Der Gemeinderat stellt der Bevölkerung seine Legislaturschwerpunkte im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom 2. Dezember 2026 vor.

Legislaturziele Gemeinderat 2022 – 2026

Legislaturziele Schule 2022 – 2026

Legislaturziele 2018 – 2022

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