Stinkende Brühe, «gfürchiger» Neptun
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2. November 2026 – Unter den Augen von Neptun und seinen Klaubautermännern hatten die drei Seeretter-Täuflinge Marco Brunner, Jonas Bühler und Pascal Cornuez am Samstag eine harte Prüfung zu bestehen. Annähernd 100 ZuschauerInnen verfolgten das Spektakel in der Seebadi.

VON ADRIAN MICHAEL UND RENE STAUBLI
Perfektes Wetter, tolle Verpflegung mit heisser Suppe und Wienerli, fröhliche Stimmung. Pünktlich um 15 Uhr ein Kanonenschuss, am Horizont erscheint ein Floss, darauf der «gfürchige» Neptun, Gott des Meeres und der fliessenden Gewässer, in der Rechten ein Dreizack mit aufgespiesstem Fisch, an seiner Seite die Klabautermänner, die an normalen Arbeitstagen vor Stürmen, Lecks und drohendem Unglück warnen.
Am Ufer rund 100 Schaulustige, die gespannt der Dinge harren, die da kommen, und natürlich die drei Täuflinge, die mit leichter Nervosität mitverfolgen, wie Neptun ans Ufer steigt, allseits grüsst und sie dann scharf ins Visier nimmt:
Marco Brunner (Jg. 2002) ist von Beruf Elektroinstallateur, Jonas Bühler (Jg. 82), Vater von zwei Söhnen, arbeitet als Schadenleiter Unternehmensversicherungen, Pascal Cornuez (Jg. 82), Architekt und Projektleiter, hat einen Sohn, ist wie seine Kollegen seit Anfang 2025 Mitglied bei den Zolliker Seerettern und – wie es sich gehört – «gerne am und auf dem Wasser».
«Lange Tradition»
Bei der Taufe handle es sich «um eine lange Tradition, die immer weitergelebt wird», sagt der Seeretter-Obmann Stefan Meier. Auf dem Einladungsflyer steht, es würden «nautisches Wissen, Kochkunst, Geschicklichkeit und Kameradschaft» geprüft. Wie sich das anfühlt, sei hier in Bildern erzählt:




Der Höhepunkt des Rituals besteht jeweils darin, dass die bereits ziemlich erschöpften Probanden in ein grosses Becken steigen und untertauchen müssen. Die Brühe stinkt bestialisch, Fischreste schwimmen herum und allerlei garstiges Zeug. Wer sich da überwindet, wird jede Person aus dem sauberen Zürichsee retten können!
«Richtige» Seeretter
Nachdem sie das Taufritual überstanden haben, sind Brunner, Bühler und Cornuez «richtige» Seeretter. Sie haben aber schon in der Probezeit einiges mitbekommen. Als im März der Bootsanlegesteg im Hafen Tiefenbrunnen sank, gab es einen Grosseinsatz für diverse Blaulichtorganisationen – «das war ein gutes Zusammenspiel», bilanziert Obmann Stefan Meier. Man sei neben anderen Seerettungsdiensten mit allen drei Booten im Einsatz gewesen.
Im Juli war besonders viel los: Ein wertvolles Boesch-Motorboot sank innerhalb von wenigen Minuten (alle Personen konnten gerettet werden). Ein Segelboot kenterte (dito). Am Zolliker Steg musste eine Person betreut werden, die wiederholt bewusstlos geworden war. Nach einem Bootshausbrand errichteten die Zolliker Seeretter mit einem anderen Seerettungsdienst eine Ölsperre. Im August ging es weiter mit dem Abschleppen eines Schiffs nach einem Kabelbrand (Personen aus dem Wasser gerettet). Im September riss sich ein altes 30-Tonnen-Ledischiff vom Anker los und lief auf dem Ufer auf – unsere Seeretter schleppten es ab.
Tiefer Wasserstand
Natürlich hatte auch der Jahrhundertsommer Auswirkungen. Es habe mehr Einsätze als in den vergangenen Jahren, gegeben, bilanziert Obmann Meier, «dabei haben wir schon auch bemerkt, dass der See immer mehr für Freizeitaktivitäten genutzt wird». Wegen des niedrigen Pegelstands mussten die Seeretter Mitte August ihr Haupteinsatzschiff «Nautilus» aus dem Bootshaus nehmen und temporär am Steg der Zolliker Seebadi vertäuen.
Für die grenzwertig riechenden Täuflinge klingt der anstrengende Tag versöhnlich aus: unter einer wohlverdienten warmen Dusche.
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