Party machen im Vorraum des Feinkostgeschäfts

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3. November 2026. Jugendliche haben andere Bedürfnisse als die Erwachsenen. Sie suchen sich Treffpunkte, wo sie unter sich sind, ihre Ruhe haben und nichts zahlen müssen. Im Zollikerberg gibt es derzeit Probleme, die auch mit dem Mangel an jugendgerechten Räumen zu tun haben.

Verbotstafel auf dem Schulhausareal Rüterwis (Ausriss: ZN)
Verbotstafel auf dem Schulhausareal Rüterwis (Ausriss: ZN)

VON BARBARA LUKESCH

Dass sich Jugendliche vor dem Chramschopf in Zollikerberg treffen, dort zusammensitzen, sich unterhalten, rauchen, auch mal kiffen und etwas trinken, wissen alle, die die Forchbahn benutzen oder auf dem Weg in die Bibliothek sind. Mitunter sitzt dort ein gutes Dutzend junger Leute. Irgendwann verschob sich diese Gruppe in den überdachten Vorraum von Weber Comestibles, wo mehrere Tische und Stühle stehen inklusive Aschenbecher und Mülleimer. Früher hatten die Betreiber des Feinkostgeschäfts dort Gemüse und Früchte ausgestellt; die neue Geschäftsleitung setzte ihre Hoffnung auf eine Art kleines Bistro, in dem die Kundschaft Kaffee trinken könnte und dabei vielleicht auch einen Blick auf das Warenangebot im Ladeninneren werfen würde.

Die Attraktivität dieses geschützten Orts muss für die jungen Leute gross sein – schnell einmal versammelten sich dort an einem Abend übers Wochenende bis zu zwei Dutzend Personen und machten Party. Den Abfall, bestehend aus Alubüchsen, Chipstüten oder Pizzakartons und überquellenden Aschenbechern, liessen sie einfach liegen.

Strapazierte Geduld

Das war das erste Ärgernis für Moritz Gasser, den Geschäftsführer von Weber, der zunächst mit grosser Geduld und Verständnis reagierte. Das zweite Problem erwuchs ihm, als ihn mehrere Kunden auf die abendlichen Versammlungen vor seinem Laden ansprachen und ihrem Unmut Ausdruck gaben. Man staune, hiess es, dass er diesem Treiben keinen Riegel schiebe, und liess durchblicken, dass es zu einem Imageproblem für einen auf Qualität und Exklusivität ausgerichteten Laden werden könnte, wenn sich in seinem Eingangsbereich Wochenende für Wochenende feiernde Jugendliche versammelten.

Gasser hatte zunächst immer noch Verständnis. Er wisse aus seiner eigenen Jugend, wie wichtig es für die Jungen sei, einen Ort zu haben, an dem sie sich ungestört austauschen können. In verschiedenen Gesprächen machte er ihnen aber klar, dass er das Littering nicht länger tolerieren werde. Sie müssten zumindest ihren Abfall entsorgen. Das habe tatsächlich zu einer gewissen Entspannung geführt, erzählt er.

Gleichwohl bekam er wiederholt Klagen seitens verschiedener Kunden zu hören, deren Irritation nach wie vor gross war. Wer an einem Freitagabend mit der Forchbahn aus Zürich kam, staunte schon ein wenig angesichts des Vorraums voller mehrheitlich junger Männer.

Vorraum wird abgeschlossen

Eines Tages war Gassers Geduld erschöpft. Seither sieht man ihn jeweils abends mit einem Handhubwagen Tische und Stühle wegschaffen und morgens zurückbugsieren. Etwas zerknirscht räumt er ein, dass er keine andere Wahl gehabt habe. Er sei nun mal in erster Linie Geschäftsführer eines Feinkostgeschäfts und müsse die Wünsche seiner Kunden und Kundinnen im Auge behalten.

Für die Zukunft plant der 33-Jährige gewisse bauliche Anpassungen, die es ihm erlauben, den Eingangsbereich abends abzuschliessen. Damit könne er ihn attraktiver gestalten und mehr Gewicht auf eine schöne Dekoration legen, die er auch nachts und übers Wochenende stehen lassen könne. Selbstverständlich müsse alles mit den verantwortlichen Behördenvertretern besprochen werden, schliesslich sei das Haus im Besitz der Gemeinde.

«Gewisse Grenzen akzeptieren»

Gemeinderätin Sandra Fischer, die Vorsteherin des Ressorts Gesellschaft und damit auch verantwortlich für alle Fragen rings um die Jugend ausserhalb der Schule, hat volles Verständnis für das Vorgehen Gassers. Es sei nicht seine Aufgabe, den Jugendlichen einen Partyraum zur Verfügung zu stellen. Sie wünsche sich zwar, dass es innerhalb der Gesellschaft mehr Offenheit für die Anliegen der Jungen gebe, doch müssten auch sie gewisse Grenzen akzeptieren.

Nicht zuletzt als Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder kenne sie die Bedürfnisse junger Leute gut. In diesem Alter suche man Treffpunkte und Räume, in denen man sich ungestört austauschen und die selber mitgebrachten Getränke und Esswaren konsumieren könne. Diese Orte wechselten immer wieder. Der Spielplatz Hasenbart sei auch schon sehr beliebt gewesen, dann gewisse Plätze am See oder auf den Pausenplätzen der Schulhäuser, im Dorf bei der Tiefgarage neben der Migros oder auch mal im Umfeld des Pfadiheims Turatzburg.

Dass es zu Problemen zwischen den Jungen und dem Gewerbe kommen könne, sei ihrer Abteilung bekannt, sagt Sandra Fischer. In einem ersten Schritt plädiere sie dann jeweils für ein klärendes Gespräch. So habe sie auch die Mitarbeitenden von Mojuga, die für die Jugendarbeit in Zollikon und Zollikerberg zuständig sind, zu Weber geschickt.

Ein «Jugi Zollikerberg?»

Doch damit sei es nicht getan. Im Wissen, dass beispielsweise durch die Ortskernentwicklung im Zollikerberg neue Orte entstehen können, die die Jugendlichen für sich in Anspruch nehmen, seien weitere Nutzungskonflikte absehbar. Für die Moderation zwischen den Bedürfnissen der Jungen und der Gesamtbevölkerung stehe Mojuga zur Verfügung. Um deren Arbeit zu fördern, sei denn auch der jährliche Kredit für die offene Jugendarbeit um 80’000 auf insgesamt 290’000 Franken erhöht worden. Geld, das zum einen für zusätzliche Personalressourcen reserviert sei, zum anderen aber auch für allfällige weitere Räume.

Das Jugendhaus «Jugi» im Dorf sei zwar gut etabliert und werde auch genutzt; für die Jugendlichen vom Zollikerberg gehöre es allerdings nicht für alle zur ersten Wahl. Man suche primär nach einem Treffpunkt in der engeren Umgebung, niederschwellig und schnell erreichbar, wo man sich ohne grosse Vorabsprachen versammeln könne. Könnte ein «Jugi» Zollikerberg zum Thema werden? Sandra Fischer winkt ab: «Sagen wir mal: ein Jugendraum.»

Um unter anderem abzuklären, ob es auch wirklichen Bedarf dafür gebe, wird die «Steuergruppe Jugend» neu nicht nur aus verschiedenen Vertretern von Schulpflege, Gemeinderat und Verwaltung bestehen, sondern zusätzlich aus zwei VertreterInnen der Jugendlichen. Die Frage, wer die Jungen vertreten dürfe und könne, wird in diesem Oktober an der Schule Buechholz in Zusammenarbeit mit Fischers Abteilung Gesellschaft in einem «Kooperationsprojekt zur politischen und demokratischen Partizipation von Jugendlichen» erarbeitet. Das klingt anspruchsvoll, aber auch sehr interessant.

Arealverbot im Rüterwis

Dass das Problem komplex ist, zeigt sich auch in der Schule Rüterwis. Dort wurde kürzlich auf dem Pausenplatz, wo es wiederholt Probleme mit Jugendlichen gab, eine aktualisierte Benutzungsordnung angebracht: «Der Konsum von Drogen und alkoholischen Getränken ist verboten. Es gilt ein absolutes Rauchverbot. Das Befahren des Schulareals mit Fahrrädern, motorisierten und elektrischen Fahrzeugen ist verboten. Kein Littering: Abfall muss in den dafür aufgestellten Abfallbehältern entsorgt werden.»  

Dass damit sehr viele Jugendliche, die nun mal rauchen, auch mal kiffen und ein Bier mit ihren Kollegen trinken, mit einer Art Arealverbot konfrontiert sind, ist naheliegend. Die Schulleitung betonte in einem Elternbrief, dass es insbesondere «auswärtige» Jugendliche seien, die sich Regelverletzungen wie «Sachbeschädigungen und Littering» hätten zuschulden kommen lassen.

Bei der Identifikation der «auswärtigen Jugendlichen» setzt die Schulleitung unter anderem auf mehrere Überwachungskameras, die auf dem Areal installiert sind. Es sei schon vorgekommen, «dass aufgrund von Vorkommnissen über Nacht und an Wochenenden die Bilder konsultiert werden mussten. Durch Mithilfe der Polizei konnten in den meisten Fällen die Jugendlichen identifiziert werden.»  

Aufnahmen sind auf den Zolliker Schularealen gemäss dem «Reglement für den Einsatz von Videoüberwachung von Gebäuden und Anlagen der Gemeinde Zollikon» nur zu Zeiten zulässig, während denen die Schulgebäude und -anlagen nicht für den Schulbetrieb genutzt werden». 

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