«Jugendliche brauchen öffentliche Räume»
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4. November 2026 – Wir haben Mojuga* fünf Fragen zur Situation der jungen Leute im Zollikerberg gestellt. Seit einiger Zeit gibt es dort Probleme: Weber Comestibles duldet es nicht länger, dass in seinem Vorraum gefeiert wird. Und die Schule verfolgt unerwünschten Besuch auch mal polizeilich.

STELLUNGNAHME DES MOJUGA-TEAMS
Wie intensiv vermittelt Mojuga zwischen Weber Comestibles und den Jugendlichen?
In Absprache mit der Gemeinde Zollikon legt die Offene Jugendarbeit aktuell den Schwerpunkt ihrer aufsuchenden Arbeit auf das Areal vor dem Chramschopf und der Bibliothek im Zollikerberg. In der Regel sind die Jugendarbeitenden zweimal pro Woche vor Ort. Wir sind über die Situation immer wieder im Austausch mit Mitarbeitenden der Bibliothek, dem Freizeitdienst, dem Chramschopf und auch Weber Comestibles sowie der Gemeindepolizei. Wir nehmen die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Beteiligten auf und sprechen mit den Jugendlichen darüber. Da wir viele der auf dem Platz regelmässig anwesenden Jugendlichen bereits aus anderen Kontexten kennen und eine Beziehung zu ihnen besteht, sind sie grundsätzlich auch offen, mit uns Gespräche zu führen. Sie halten dann auch mal aus, wenn wir ihnen die Auswirkungen ihres Verhaltens auf Dritte näherbringen.
Wo finden solche Gespräche statt?
Die Gespräche finden direkt vor Ort während unserer aufsuchenden Arbeit statt. Für solche Gespräche ist eine tragfähige Beziehung zentral. Zu vielen der Jugendlichen, die auf dem Areal regelmässig anwesend sind, konnte die Offene Jugendarbeit diese Beziehung bereits in der Vergangenheit aufbauen. Es ist jedoch wenig zielführend, die Jugendlichen bei jeder Begegnung ausschliesslich auf problematisch wahrgenommenes Verhalten hinzuweisen – dies würde rasch dazu führen, dass sie nicht mehr gesprächsbereit wären. Vielmehr braucht es viel Fingerspitzengefühl, um Themen wie Littering oder Lärm immer wieder einfliessen zu lassen.
Wo ortet Mojuga die aktuellen Probleme?
Aus unserer fachlichen Sicht ist in Bezug auf die Jugendlichen die Situation derzeit nicht beunruhigend. Wir beobachten keine Dynamik wie etwa einen besorgniserregenden Suchtmittelkonsum. Andererseits können Littering und Lärmemissionen für Anwohnende, Gewerbetreibende und andere Nutzerinnen des öffentlichen Raumes belastend sein. Zudem kann eine grössere Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener auf Menschen, die diese nicht kennen, einschüchternd wirken. Die grosse Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Bedürfnisse hinsichtlich des öffentlichen Raumes unter einen Hut zu bringen.
Was sagen die Jugendlichen, wenn man sie auf Littering anspricht – offenbar eins der Hauptprobleme für Weber, aber auch für die Schule Rüterwis?
Die Reaktionen von Jugendlichen, wenn man sie auf Themen wie Littering anspricht, sind jeweils sehr unterschiedlich: Einige bestreiten, für Littering verantwortlich zu sein, andere zeigen sich zerknirscht. Wir orientieren uns bei unserer Arbeit an entwicklungspsychologischen Grundsätzen, die besagen, dass die Fähigkeit, das eigene Verhalten moralisch zu beurteilen, statt sich nur an Verbote zu halten, schrittweise erfolgt und im Jugendalter noch wenig vorhanden ist. Entsprechend bemühen wir uns, den Jugendlichen vor allem auch aufzuzeigen, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf andere hat. Etwa fragen wir sie, ob sie sich vorstellen können, wie Mitarbeitende des Unterhaltsdienstes die Situation erleben. Wir stellen dabei fest, dass im Gespräch mit uns bereits viel Verständnis für die Auswirkungen des eigenen Handelns besteht, für eine tatsächliche Verhaltensänderung jedoch Zeit und kontinuierliche Beziehungsarbeit nötig ist.
Was braucht es an Alternativen, insbesondere im Zollikerberg, um die Situation zu beruhigen?
Grundsätzlich brauchen Jugendliche öffentliche Räume, wo sie sich treffen und ihre Freizeit verbringen können. Je mehr solche Orte in einer Gemeinde zur Verfügung stehen, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleinere Gruppierungen von Jugendlichen sich auf die verschiedenen Orte verteilen. Für Jugendliche sind Orte attraktiv, die ihre Grundbedürfnisse erfüllen: Sie müssen Sitzgelegenheiten bieten und Schutz vor Wind und Wetter. Hat sich erst einmal so eine Dynamik entwickelt wie derzeit auf dem Areal Chramschopf, wo sich aktuell eine grosse Gruppierung ausschliesslich hier trifft, ist es fast nicht mehr möglich, diese Dynamik aufzulösen und die Jugendlichen auf verschiedene Plätze zu verteilen. Dann hilft nur noch eine Begleitung auch durch repressive Methoden, wie etwa ein Arealverbot bei Sachbeschädigung, wie sie die Polizei einsetzt. Die Offene Jugendarbeit kann wiederum durch Beziehungsarbeit, Sensibilisierung und Vermittlung dazu beitragen, dass gegenseitig Rücksicht genommen und Verständnis füreinander gefördert wird.
(Die Fragen wurden schriftlich beantwortet)
*Die MOJUGA Stiftung ist seit 2016 von der Gemeinde Zollikon mit der Jugendarbeit beauftragt. Alexandra Matulla ist Ansprechpartnerin für die Behörden. Nadja Staudenmaier und Michael Germann sind für die Jugendlichen da. Sie hören ihnen zu, unterstützen sie und werden deshalb auch bei Krisen ins Vertrauen gezogen. Informationen über das Team und die Angebote unter jugendarbeit-zollikon.ch
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