Adrian Michael trifft Jan Sauber

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18. April 2023 – Vom mittelmässigen Schüler, der aber stets zufrieden wirkte, zum Mitinhaber eines erfolgreichen Architektur- und Baumanagement-Büros: Jan ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man auch ohne Gymnasium Erfolg haben kann.

Jan Sauber 2001: Klassenlager 5. Klasse (Foto: Adrian Michael)

Jan war, wie er selber zugibt, ein mittelmässiger Schüler. Ein angenehmer Junge, eher ruhig, der gut in der Klasse aufgehoben war. Ich treffe ihn im «Haus der Immobilien» oberhalb des Dufourplatzes, wo das Büro «BAUS baut GmbH» seine Zolliker Niederlassung hat. Wir sitzen auf der Terrasse, Blick auf den See, die Sonne scheint, gelöste Stimmung. In groben Zügen habe ich Jans Werdegang zwar mitbekommen, aber wir beginnen noch einmal von vorn, im Oescher im Jahr 2002, als er nach der 6. Klasse ein Zwischenjahr an der Freien Evangelischen Schule in Zürich absolvierte. Auf meine Bemerkung, er habe halt da und dort schon etwas Mühe gehabt, lacht er. «Ja», sagt er, «ich habe nicht eingesehen, warum ich ein Buch lesen sollte, wenn ich doch mit Freunden skateboarden konnte.» Das Zwischenjahr habe ihm gut getan. Er habe einfach mehr Zeit gebraucht als andere, es sei deshalb auch kein verlorenes Jahr gewesen. Im Gegenteil. Nach diesem Jahr ging es zurück in die 1. Klasse der Sekundarschule Zollikon, die er auch dank der Unterstützung seiner Lehrer nun gut schaffte.

Der Knopf ist aufgegangen

Mit Mathe konnte Jan nicht viel anfangen, dafür mit Geometrie umso mehr, er zeichnete und konstruierte gerne. So machte er eine Schnupperlehre in einem bekannten Architekurbüro in der Zürcher Innenstadt, wo er unter anderem an einem Architekturmodell arbeiten konnte.

Das gefiel ihm, und so begann er bei einem renommierten Ingenieur- und Architekturbüro eine Lehre als Hochbauzeichner. Dort war es üblich, dass die Lehrlinge gleichzeitig auch die technische Berufsmittelschule besuchten. Das war für Jan zwar anspruchsvoll und streng, aber zu schaffen; nach vier Jahren schloss er Lehre und Schule erfolgreich ab.

Als Nächstes wäre nun die Rekrutenschule auf dem Programm gestanden. Aber nach ein paar Tagen schickte man den angehenden, sportbegeisterten Panzergrenadier aus versicherungstechnischen Gründen wieder nach Hause: Senkfüsse.

Zurück zum Lehrmeister

Was nun? Kurz entschlossen fragte Jan seinen ehemaligen Lehrmeister, ob er ihn brauchen könne. Er konnte. Mit der Zeit übertrug man ihm dort anspruchsvollere Aufgaben, und er wurde in grössere Planungsarbeiten einbezogen.

Ermuntert durch seinen Erfolg meldete sich Jan bei der ZHAW, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur für den Bachelor-Lehrgang in Architektur an. Die folgenden drei Jahre seien hart gewesen, erzählt er: «Ich bin geschlaucht worden, lernte Tag und Nacht und bin recht auf die Welt gekommen.» Ohne enormen Einsatz und Willen wäre das nicht gegangen.

Im letzten Jahr dieser Ausbildung hatte Jan Gelegenheit, ein Auslandsemester an der Kingston University in London zu verbringen. Auch das war anspruchsvoll, allein schon der Sprache wegen. Er lobt seinen damaligen Professor, der ihn besonders im Entwurf architektonischer Lösungen gefördert und ihm spannende neue Ansätze gezeigt habe.

Der Aufwand lohnte sich: Jan schloss mit dem Bachelor ab und war nun dipl. Architekt FH. Seinen Aufenthalt in London sieht er auch als persönlichen Entwicklungsschritt, der seine Selbständigkeit gefördert und von ihm gefordert habe, sich der zentralen Frage zu stellen: «Was will ich?»

Der Weg zum ETH Master

Er wollte den Master in Architektur, und zwar an der ETH, der wohl anspruchsvollsten Ausbildungsstätte für Architekten in der Schweiz. Bevor er aber an die Aufnahmeprüfung gehen konnte, musste er zusätzlich zu seinem «FH-Bachelor» in nur einem Jahr den «ETH-Bachelor» nachholen, der nebst einem Fünfer-Notenschnitt für die Aufnahme verlangt wurde. Es wurde ein strenges Jahr, in dem zwölf Prüfungen geschrieben und ein Projekt entwickelt werden mussten. Danach besass er zwei Bachelor-Titel: einen von der Fachhochschule und einen von der ETH.

Es folgten an der ETH die zwei Jahre des Masterstudiums. Sie beinhalteten neben erhöhten Ansprüchen  in den mathematischen Fächern eher theoretische Arbeiten auch in Bereichen wie Landschaftsarchitektur, Baustatik, Geschichte oder Architekturtheorie. Diese breit gefächerte Ausbildung eröffnete Jan einen neuen Blick auf die Architektur als Ganzes.

Die Diplomarbeit war ihm teilweise vorgegeben: Er sollte ein Projekt für die Umnutzung eines brach liegenden Gebäudes beim Lettenviadukt zu Ateliers entwickeln, eine Arbeit, die ganzheitliches konzeptionelles Denken verlangte. Jan schloss mit der Note 5.5 ab und war nun im Besitz des Titels «Master of Science ETH in Architektur». Dieser ermöglichte ihm, dem «Schweizerischen Ingenieur und Architektenverband» SIA beizutreten.

Während seines Studiums arbeitete er zeitgleich als Architekt und Bauleiter in einem jungen kreativen Baumanagement-Büro, wo er auch nach dem Abschluss an der ETH weiterhin als Bauleiter tätig war. Ins kalte Wasser geworfen wurde er durch einen Auftrag, für den er eine in die Jahre gekommene Jugendstilvilla im Zürcher Seefeld mit Wohnungen ausstatten musste. Rückblickend eine Erfahrung fürs Leben.

Wunsch nach einer neuen Herausforderung

Jan Sauber 2023: Architekt FH MSc ETH SIA

Trotz diesen Erfolgen hatte Jan das Gefühl, er vermisse etwas. Er suchte noch einmal eine neue Herausforderung. Die ermöglichte ihm Henry Stehli, ein Zolliker Freund aus der Primarschulzeit, der auch an der ETH Architektur studiert und direkt nach seinem Abschluss eine eigene Firma gegründet hatte. Da er (zu) viele Aufträge hatte, fragte er Jan, ob er an einer Zusammenarbeit interessiert sei – Jan war.

So entstand 2020 «BAUS baut GmbH», eine Firma, die von der Finanzierung bis hin zur Planung, Realisierung und schlüsselfertigen Übergabe den gesamten Bauprozess abdeckt. Der Name setzt sich zusammen aus «BAUS», der Befehlsform «Bau es!», und der eigentlichen Tätigkeit der Firma «baut».

Als Subunternehmer konnten sie 2017/18 die Bergstation «Galaaxy» auf dem Crap Sogn Gion oberhalb Flims neugestalten, damals noch unter dem früheren Firmennamen «BAU Stehli».

Corona-Jahr: ein Glücksfall

Das Corona-Jahr 2020 erwies sich für die Gründung der jungen Firma als Glücksfall. Die Bauherrschaften waren zuhause und hatten Zeit und Geld, sich mit Umbauplänen zu befassen – die Aufträge kamen zahlreich.

Ein besonderes Projekt bestand darin, für RUAG-Space mitten in der «Rebranding-Phase» der Firma zur «Beyond Gravity Schweiz AG» ein Konzept für Co-Working-Spaces zu entwickeln. Jan bezeichnet diesen Auftrag als Meilenstein der jungen Firmengeschichte, war er doch mit dem ersten gewonnenen Wettbewerb verbunden.

Neben kleineren Laden-Innenausbauten in der Zürcher Innenstadt ist BAUS derzeit mit diversen Sanierungen und Umbauten von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern an beiden Zürichseeufern beschäftigt.

Totalsanierung Wohnhaus in Zollikon durch «BAUS baut»
Totalsanierung Wohnhaus in Zollikon durch «BAUS baut» (Foto: zvg)

Seit 2020 konnte BAUS stetig wachsen und besteht heute aus einem 11-köpfigen Team. Henry Stehli und Jan Sauber sind als Geschäftsleiter in der glücklichen Lage, auf teure Werbekampagnen verzichten zu können; hin und wieder müssen sie sogar einen Auftrag ablehnen. Neben den «alltäglichen» Aufträgen engagiert sich die BAUS baut GmbH zusammen mit einer Stiftung und einer lokalen Hilfsorganisation in Sri Lanka und Nepal für nachhaltiges Bauen mit lokalen Materialien.

Engagement für die «Turatzburg»

Jan ist verheiratet, hat einen kleine Sohn und wohnt (wieder) in Zollikon, wo er sich während etlicher Jahre in der Pfadi «Morgestärn» engagiert hatte, zuletzt als Abteilungsleiter. Die Stiftung Pfadfinderheim Turatzburg und die heutigen Pfadi sind glücklich, dass Jan und Henry mit BAUS baut GmbH zugesagt haben, die Leitung des Umbauprojektes in enger Zusammenarbeit mit Jeuch Architekten zu übernehmen.

Gefragt nach einem Fernziel sagt Jan, er würde gerne selbst einmal in Projekte investieren und diese dann entwickeln. Er hat mit Willen und Motivation bereits Grosses geleistet und viel erreicht. Und trotz seinem enormen Arbeitspensum wirkt er (immer noch) locker und entspannt. Jan kann stolz auf sich sein.»

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