Annikas Vorstellung vom Zolliker Dorfplatz

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22. Mai 2024 – Die junge Zollikerin Annika Strässler ist für ihre Matura-Arbeit zum Thema «Hitze und Hitzeminderungs-Massnahmen auf dem Campus Unterstrass» ausgezeichnet worden. Wir haben sie gefragt, wie man der Sommerhitze auf dem Zolliker Dorfplatz zu Leibe rücken könnte. 

Skizze des Dorfplatzes von Annika (Erläuterung zu den Zahlen unten im Text)
Skizze des Dorfplatzes von Annika (Erläuterung zu den Zahlen unten im Text)

Der Campus Unterstrass besteht zu rund 17 Prozent aus Grünflächen, zu 14 Prozent aus Bäumen und Gebüschen, zu knapp einem Prozent aus Wasserflächen und zu 68 Prozent aus asphaltierten oder mit Platten belegten, also vollständig versiegelten Böden.

In ihrer Forschungsarbeit schlug Annika konkrete Massnahmen zur Reduktion der Hitze vor, die den SchülerInnen und Lehrpersonen des Gymnasiums oftmals arg zu schaffen macht: Sogenannte Rasengitter sollten die asphaltierten Parkplatzflächen ersetzen, der grosse Kiesplatz sollte begrünt werden, ebenso die Fassaden und das Dach der Turnhalle. Mit einer Simulation wies Annika nach, dass dies zu einer deutlichen Verminderung der Wärmeentwicklung auf dem Campus führen würde.

Professorales Lob

Porträt Annika

Die Arbeit reichte Annika bei der Organisation «Schweizer Jugend forscht» ein. Ein Professor bewertete sie mit dem Prädikat «sehr gut». Er schrieb: «Annika Strässler hat sich in ihrer engagierten und sorgfältigen Arbeit der Hitzeminderung in Städten gewidmet und dafür das eigene Schulhaus als Fallstudie untersucht. Dabei standen sogenannte Schwammstadtelemente für die Kühlung im Zentrum. Ausgehend von Beispielen bestehender Schwammstädte hat sie die Elemente eigenständig erhoben, kartiert und systematisiert. Daraufhin hat sie innovative Vergleichsszenarien entwickelt und diese auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft. Schliesslich hat sie einen Massnahmenkatalog zuhanden der Schulleitung entwickelt und ihr Vorgehen adäquat reflektiert.» Zum besseren Verständnis: In einer «Schwammstadt» wird die Umgebung so gestaltet, dass überschüssiges Wasser wie in einem Schwamm vor Ort gespeichert wird. Bei Hitze verdunstet das Wasser über den Boden und durch die Vegetation, was einen Kühleffekt zur Folge hat.

Der Dorfplatz, die «Bratpfanne»

Was liegt näher, als das fundierte Wissen der jungen Zollikerin für die Beantwortung einer Frage zu nutzen, die uns im Sommer immer stärker umtreibt: Wie könnte man den Dorfplatz kühlen und lebensfreundlicher gestalten? Er besteht zu annähernd 100% aus Steinen, ist also vollständig versiegelt. Ein Architekt bezeichnete diesen zentralen Ort unseres Zusammenlebens kürzlich als «riesige Pfanne, auf der man Spiegeleier braten könnte».

Erste Frage an Annika bei einem Treffen im Café Hausammann: «Wie wirkt dieser Platz heute auf Sie?» «Nicht sonderlich einladend», erwidert Annika und erzählt, dass sie und ihre KollegInnen von der Sekundarschule Buechholz nach dem Einkauf in der Migros jeweils nicht auf dem Platz zu Mittag gegessen hätten, sondern auf der kühleren Wiese bei der benachbarten reformierten Kirche.

Rasengitter
Rasengitter

In einem lebhaften Gespräch entwickelt sie in der Folge Ideen zur Verbesserung der Situation – unter Berücksichtigung der Vorgabe, dass auf dem Platz die Märkte und die Chilbi stattfinden: Rasengitter (1) anstelle der Steinplatten hätten den Effekt, dass das Regenwasser nicht einfach in die Kanalisation abfliessen, sondern auf dem Platz gespeichert und verdunsten würde. Quer über den Platz könnte man eine Reihe von Bäumen (2) in grossen Töpfen platzieren, die Schatten spenden, Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. Die Fassade des Gemeindesaals könnte man mit Pflanzen begrünen (3). Eine zusätzliche Kühlung wäre durch den Ersatz der Kiesflächen auf den grossen Dächern von Migros und Bäckerei Hausammann durch Rasen (4) zu erreichen. Ein Wasserspiel (5) würde die Kinder und ihre Eltern erfreuen – und ebenfalls zur Kühlung beitragen. Zudem könnte man ein grosses, auf- und abbaubares Sonnensegel (6) anbringen, das Schatten spendet, und – wie auf dem Zürcher Sechseläutenplatz – auf dem ganzen Platz Sonnenschirme mit Stühlen (7) verteilen. Seeseitig wären flache Wasserbecken (8) wirkungsvoll. Die junge Forscherin erklärt sich spontan bereit, dieses Setting für die «ZollikerNews» zu skizzieren.

Gepackt vom Thema

Inzwischen hat Annika einen grossen Teil ihres Zwischenjahres hinter sich, das sie nach der Matura eingelegt hat. Sie hat es für Reisen nach Spanien und fürs Skifahren genutzt. In der zweiten Hälfte hat sie in einem Kleiderladen gearbeitet. Die 1000 Franken Preisgeld von «Schweizer Jugend forscht» waren ein willkommener Zustupf.

Die junge Zollikerin will Umweltingenieur-Wissenschaften an der ETH studieren. Das Thema Hitzeminderung hat sie gepackt. Sie kann sich gut vorstellen, eines Tages in einem Ingenieurbüro für Raumplanung zu arbeiten, um dort unter Berücksichtigung der Klimaerwärmung Dorfplätze zu gestalten, die auch im Sommer zum Aufenthalt einladen. (René Staubli)

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