Die Lösung liegt in der Luft

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2. Januar – Über die Feiertage strahlen die TV-Anstalten gerne alte Krimis aus. Am 3. Januar zum Beispiel sind zwei «Tatort»-Folgen aus den Jahren 1980 (WDR) und 1994 (NDR) an der Reihe. Es lohnt sich, sie anzuschauen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht.

VON BALZ SPÖRRI

Über die Feiertage strahlen die TV-Anstalten gerne alte Krimis aus. Am 3. Januar zum Beispiel sind zwei «Tatort»-Folgen aus den Jahren 1980 (WDR) und 1994 (NDR) an der Reihe. Es lohnt sich, sie anzuschauen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht.

Denn die alten Sendungen führen vor Augen, wie schnell sich unsere Technologien und damit auch die Ermittlungsmethoden der Polizei verändern.

Auf dem Schreibtisch des legendären Hamburger «Tatort»-Kommissars Paul Stoever, gespielt von Manfred Krug, stand Ende der 1990er-Jahre zum Beispiel noch kein Computer. Auch Smartphones kannte er nicht. Die Kommissare (Kommissarinnen gab es noch kaum) ermittelten recht hemdsärmlig: Sie sprachen mit Verdächtigen oder dem Umfeld des Opfers, schauten sich um und vertrauten ihrem Bauchgefühl.

Heute kommt kein Ermittler mehr ohne DNA-Abgleich oder die Auswertung von Überwachungskameras und Handy-Daten aus.

Und möglicherweise kommt schon bald eine neue, revolutionäre Methode hinzu: die Untersuchung der Raumluft. Über unseren Atem, Hautschuppen oder Ausdünstungen geben wir ständig DNA-Fragmente an die Luft ab. Wir laufen also quasi mit einer kleinen Wolke unserer genetischen Spuren umher. Forschende der Universität Oslo konnten nun erstmals belegen, dass sich anhand solcher DNA-Spuren in der Luft nachweisen lässt, welche Personen sich kürzlich in einem Raum aufgehalten haben.

Die Methode ist noch nicht perfekt. Nach einiger Zeit wird der Nachweis immer schwieriger. Und die Qualität der Proben hängt davon ab, wie viele Personen sich im Raum befanden. «Doch unsere Methode könnte helfen, Verdächtige zu identifizieren, wenn am Tatort keine anderen DNA-Spuren nachweisbar sind», schreiben die Wissenschafter. Wenn also keine Haare, Blut- oder Spermienspuren vorhanden sind.

«Tatort»-Kommissar Paul Stoever liebte Curry-Wurst, Bier und Zigarren. Zum Glück raucht heute kaum noch ein TV-Ermittler. Zigarrenrauch würde den DNA-Nachweis in der Luft merklich erschweren.

Studie «Detection of human DNA in the air»

Balz Spörri (geb. 1959) lebt als Journalist und Autor in Zürich.

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