Das Nickerchen und seine Folgen

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Balz Spörri: «Beim Thema Nickerchen scheiden sich die Geister. Die einen schwören darauf, andere finden allein schon die Vorstellung eines Mittagsschlafs schrecklich. Eine neue Studie zeigt jetzt: Ein Nickerchen kann durchaus sinnvoll sein.»

Kleine Oase der Ruhe und Erholung, mitten am Tag (Symbolbild)
Kleine Oase der Ruhe und Erholung, mitten am Tag (Symbolbild)

VON BALZ SPÖRRI

Beim Thema Nickerchen scheiden sich die Geister. Die einen schwören darauf, andere finden allein schon die Vorstellung eines Mittagsschlafs schrecklich. Eine neue Studie zeigt jetzt: Ein Nickerchen kann durchaus sinnvoll sein.

Ruhepausen sind für unser Gehirn lebenswichtig. Während wir nachts schlafen, sortiert das Gehirn, was wir tagsüber gelernt haben, speichert Wichtiges ab und entsorgt Überflüssiges. Gleichzeitig werden die Synapsen, also die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Hirnzellen, wieder für den nächsten Tag fitgemacht, im Fachjargon spricht man von Rekalibrierung. Ohne diese Aufräumarbeiten wäre unser Gehirn bald einmal überlastet und weniger lernfähig.

Ein Team von Forschenden der Universitäten Genf und Freiburg im Breisgau wies jetzt zum ersten Mal nach, dass nicht nur der nächtliche Schlaf, sondern bereits ein Nickerchen diesen «synaptischen Reset» befördert.

Dazu untersuchten sie 20 junge Testpersonen. Eine Gruppe machte einen 45-minütigen Mittagsschlaf, die andere blieb wach. Vorher und nachher untersuchten die Forschenden mit nicht-invasiven Methoden die synaptischen Aktivitäten im Gehirn der Testpersonen.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst eine kurze Schlafphase das Gehirn in einen Zustand versetzen kann, der dem Lernen und Gedächtnis förderlich ist», schreibt Studienleiter Christoph Nissen von der Universität Genf.

Die Messungen belegen, dass das Gehirn nach dem Mittagsschlaf besser neue Verbindungen knüpfen und neue Informationen anschliessend besser abspeichern konnte. Offenbar beginnt das Gehirn also schon bei einem Nickerchen mit der Rekalibrierung der Synapsen.

«Ein Mittagsschlaf», so fasst Christoph Nissen zusammen, «kann helfen, Konzentration und Leistungsfähigkeit auch unter hoher Belastung aufrechtzuerhalten.»

Offen bleibt die Frage, ob das Gleiche auch für einen noch kürzeren «Power-Nap» gilt.

Hier geht es zur Studie

Balz Spörri (geb. 1959) lebt als Journalist und Autor in Zürich.

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