«Die schönsten Gefühle meines Lebens!»

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12. Mai – Neun Jahre nach ihrem Amtsantritt geht Brigit Belser als Schulleiterin des Oescher in Pension. Auf die Frage von Barbara Lukesch, mit welchen Gefühlen sie zurückblicke, sagte sie: «Mit den schönsten meines Lebens!» Ihre Arbeit habe sie immer als «cool und sinnstiftend» empfunden.

Brigit Belser im Gespräch mit Barbara Lukesch (Foto / Video: ZN)
Brigit Belser im Gespräch mit Barbara Lukesch (Foto / Video: ZN)

VON RENE STAUBLI

Brigit Belser reiste acht Jahre lang als Swissair-Hostess in alle möglichen Länder, sie war gelernte Kindergärtnerin mit Arbeitsort Wallisellen und Dübendorf, ehe sie nach Zollikon kam, wo sie Vizepräsidentin des Elternvereins wurde, wie der Elternrat damals hiess. Der nächste Schritt war die Wahl in die Schulpflege. In einem Kochkurs sagte ihr Markus Diener, es werde ein Platz frei. Damals bestand die Schulpflege aus 12 Leuten. «Es gab noch keinen Leiter Bildung, wir machten Schulbesuche und kümmerten uns um alle Details, es ging nicht nur ums Verwalten, sondern auch ums Gestalten.»

Dass sie in der Schulpflege für die Sonderpädagogik zuständig gewesen sei, «war eine Lehrzeit für das, was ich heute im Oescher mache». Die Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen sei ihr seit damals ein grosses Anliegen. Trotz zunehmendem Widerstand aus der Politik?, fragte Barbara Lukesch; der Wunsch nach erneuter Separierung solcher Kindern in Sonder- oder Kleinklassen werde doch immer vehementer geäussert? Die Forderung gehe zumindest in Zollikon an der Realität vorbei, entgegnete Brigit Belser: «Es gibt schlicht keine Eltern, die mit einer solchen Massnahme einverstanden wären.»

Natürlich gebe es pro Klasse vier bis fünf Kinder, die vom Betrieb überfordert und gestresst seien, räumte sie ein. Mit der «Lernbox» gebe man solchen Kindern die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und in Ruhe zu lernen.

«Es fühlte sich richtig an»

Sie habe ja bereits als Schulpflegerin die Ausbildung zur Schulleiterin gemacht, sagte Barbara Lukesch – mit dem Ziel vor Augen, die Schule Oescher zu übernehmen? «Überhaupt nicht», sagte Brigit Belser. Es sei ihr um den Perspektivenwechsel gegangen: «Schulpflegerinnen und Schulpfleger sollten sich weiterbilden, damit sie nicht stehenbleiben.» Sie sei mit Ende 50 praktisch über Nacht eingesprungen, als die damaligen Co-Schulleiterinnen ihren Dienst überraschend quittierten «und mir nichts hinterlassen haben als einen schwarzen Bildschirm». Die damalige Schulpräsidentin Corinne Hoss-Blatter habe sie gefragt, wieviel Stellenprozente sie für den Job benötige. Sie habe mit 30 Prozent angefangen, in den Folgejahren habe sich das Pensum dann schrittweise auf 50, 70, 80 und schliesslich 100 Prozent vergrössert. «der Start war nicht einfach, aber es fühlte sich richtig an.»

In all den Jahren habe ihr ihre grosse Erfahrung geholfen – als Mutter, Kindergärtnerin, Schulpflegerin: «Ich habe mich sicher gefühlt mit dem, was ich im Rucksack hatte.» Weil die eigenen Kinder schon aus dem Haus gewesen seien, habe sie auch immer genug Zeit für den anspruchsvollen Job gehabt. Dass nun eine etwas über 30jährige gelernte Heilpädagogin ihre Stelle übernehme, sehe sie mit Bewunderung, sagte Brigit Belser auf eine entsprechende Frage von Barbara Lukesch, aber selber hätte sie sich diese Aufgabe mit der Verantwortung für 600 Schulkinder in 30 Klassen und 35 Mitarbeitenden in einem so jungen Alter nicht zugetraut.

Die Aufgabe sei zu vergleichen mit der Führung eines KMU. Vier Hauptgebiete seien zu betreuen und zu leiten: Das Personalwesen, das ihr am liebsten sei, die Finanzen, die Pädagogik und natürlich die Schulentwicklung. Die Schule sei eine lernende Organisation, es passiere immer etwas, es sei wichtig, sich Zeit zu nehmen für Problemlösungen: «Vielleicht ist das meine Stärke – ich kann zuhören, entscheide gerne, und das Wichtigste: die Menschen, mit denen ich zu tun habe, beglücken mich». 

Was sie hasse, sei, «wenn der Computer nicht läuft – das ist das Schlimmste, und vielleicht bin ich auch ein wenig harmoniesüchtig».

Anspruchsvolle Eltern

Zum Auftritt von Brigit Belser im «Talk am Puls», dem letzten der Saison 2025/26, waren zahlreiche Gäste ins Café am Puls gekommen: viele Lehrpersonen aus dem Oescher, die Schulpräsidiums-Kandidaten Rui Biagini und David Sarasain, aber erstaunlicherweise nicht die neuen Leiter der Schule Rüterwis, die an diesem Abend viel Wertvolles zur Entwicklung einer gesunden, leistungsfähigen Schule hätten erfahren können. Im lebhaften Gespräch wurde klar, welch filigranes, komplexes Gebilde eine Schule ist. Wie wichtig der Teamspirit ist, das Vertrauen zwischen den Lehrpersonen und der Schulleitung, die Kontinuität im Lehrkörper und die sorgsame Pflege der Zusammenarbeit über Jahre hinweg.

Wahrscheinlich herrsche auch im Oescher nicht nur eitel Sonnenschein, vermutete Barbara Lukesch, und Brigit Belser räumte das sofort ein. Begegnungen mit Eltern könnten teilweise sehr herausfordernd sein. Die Schule sei nun einmal ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gehe um zunehmenden Leistungsdruck, den Umgang mit Handys und sozialen Medien, seit geraumer Zeit um KI, schon länger um Integration und familiäre Probleme bis hin zu Scheidungen. Sie habe es auch vermehrt mit verzweifelten, überforderten Eltern zu tun. Ehrlich gesagt sei sie froh, dass sie mit ihren drei Kindern noch um viele dieser neuzeitlichen Enwicklungen herumgekommen sei.

Ukraine und Syrien

Von Barbara Lukesch auf die grössten Herausforderungen angesprochen, erwähnte Brigit Belser den März 2022, als es nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine galt, für mehr als 30 Kinder und Jugendliche eine Schule aus dem Nichts aufzubauen. Da sei viel Herzblut und das Engagement aller Beteiligten nötig gewesen. Ähnlich herausfordernd sei die schulische Betreuung der 90 minderjährigen, unbegleiteten Jugendlichen aus Syrien gewesen, die im ehemaligen Altersheim am See untergebracht wurden.

Eine Frage durfte natürlich nicht fehlen: welche Pläne hat Brigit Belser für die Zeit nach ihrer Pensionierung im kommenden Juli? «Nichts machen! Geniessen, dass die Agenda leer ist! Richtig gut schlafen, essen, Sport treiben und ein anderes soziales Leben aufbauen!» Sie freue sich auf Kontakte und Gespräche im Dorf und in der Migros. «Keine Wehmut?», wollte Barbara Lukesch wissen. «Doch, schon ein wenig», sagte Brigit Belser, «aber jetzt muss ich Platz machen.»

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