Technische Kabinettstücklein

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14. Mai 2026 – Unten ein stählernes Fundament mit 160 Schrauben, die fünf Meter tief in den Boden reichen. Darauf 88 vorfabrizierte Holzmodule, die mit einem Kran an Ort und Stelle gehievt werden. Das provisorische Betreuungshaus Rüterwis ist ein technisch faszinierendes Puzzle.

Fertigelement auf Höhenflug (Fotos: ZN/zVg/Adrian Michael)
Fertigelement auf Höhenflug (Fotos: ZN/zVg/Adrian Michael)

VON RENE STAUBLI

Normalerweise wird das Fundament eines Hauses aus eisenarmiertem Beton gegossen. Nicht so beim Betreuungshaus Rüterwis, das derzeit im Zollikerberg als Provisorium aufgebaut wird. Vor einigen Tagen begann ein Baggerführer lange Schrauben von 14 cm Durchmesser senkrecht in den Boden zu drehen – mit einem Druck von bis zu 15 Tonnen.

160 Mal führte er diesen Arbeitsgang aus. Die richtige Einschraubtiefe wurde bei jedem Element elektronisch gemessen. Jedes hat eine Tragkraft von rund 40 Tonnen. Die Lebenserwartung beträgt 100 Jahre. Anschliessend wurden waagrechte Stahlträger verlegt und mit den Schrauben verbunden.

Der Baggerführer drehte 160 Schrauben in den Untergrund
Der Baggerführer drehte 160 Schrauben in den Untergrund
Stahlträger verbinden die Schrauben
Stahlträger verbinden die Schrauben

Die von der Walperswiler Firma z-part seit mehr als 20 Jahren praktizierte Methode bietet einige Vorteile. Nach der Aufhebung des Provisoriums können die Schrauben einfach aus dem Boden herausgedreht und für neue Projekte verwendet werden. Die Bauherrin, in diesem Fall die Gemeinde Zollikon, erhält dafür je nach Dauer des Provisoriums eine Materialgutschrift.

«Ein herkömmliches Betonfundament müsste aufwändig aus dem Baugrund herausgespitzt werden», sagt Thomas Bergmann, Leiter Customer Support von z-part. Die Entsorgung des Betons würde zusätzliche Kosten und Umweltbelastungen verursachen.

Vorgefertigte Holzmodule

Unmittelbar nach Beendigung der Arbeiten am Fundament fuhr bei der Baustelle ein Lastwagen vor. Auf der Ladebrücke das erste von 88 Holzmodulen. Arbeiter schälten es aus der Schutzhülle und verschraubten es mit den Zugseilen des Krans. Dieser hob das Element an und setzte es wie ein Puzzleteil am richtigen Ort auf die Stahlschienen. Wenig später fuhr der nächste Lastwagen mit dem zweiten Holzmodul vor.

Das zweigeschossige Gebäude umfasst am Ende insgesamt 88 Module auf einer Gesamtfläche von 1’400 Quadratmetern.  Sie wurden im Werk der DM Bau AG in Oberriet (SG) nach den Vorgaben des Zürcher Architekturbüros SP*ARCS weitgehend vorproduziert, sagt der Bauleiter Besnik Selaj.

Der Aufbau des Erdgeschosses war innert Wochenfrist abgeschlossen. Vor Ort montierten Fachkräfte unter anderem Klimadecken, welche zur Regulierung der Raumtemperatur beitragen.

Das neue Betreuungshaus verfügt über eine Regenerationsküche mit Bereichen für warme und kalte Speisen sowie eine zusätzliche Teeküche für das Personal. Für die Betreuung der Kinder stehen mehrere Ess- und Multifunktionsräume zur Verfügung. Ein Kabinenlift sorgt für die hindernisfreie Erschliessung des zweigeschossigen Gebäudes.

Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage mit 148 Modulen installiert. Sie kann überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Zur Verbesserung des Mikroklimas wird das Dach zusätzlich begrünt. 

Die Aufrichtung des Obergeschosses ist für den 15. Juni vorgesehen. Die Übergabe des fertigen Betreuungshauses an die Gemeinde soll am 3. August erfolgen, rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres.

Das Erdgeschoss aus der Drohnenperspektive
Das Erdgeschoss aus der Drohnenperspektive
Raumaufteilung im Erdgeschoss
Raumaufteilung im Erdgeschoss
Zweigeschossiger Bau in Modulbauweise (Abb: Sp*arcs)
Zweigeschossiger Bau mit Photovoltaik-Anlage (Abb: SP*ARCS)

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