Kinder, die lesen, können auch besser rechnen
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Balz Spörri: «Die Pisa-Studie untersucht die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in 91 Ländern. In Mathematik und Naturwissenschaften schneidet die Schweiz, so die letzte Erhebung, gut ab. Aber 28,8 Prozent der Jugendlichen können kaum richtig lesen. Alarmierend!»

VON BALZ SPÖRRI
Die Pisa-Studie untersucht die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in 91 Ländern. In Mathematik und Naturwissenschaften schneidet die Schweiz, so die letzte Erhebung, gut ab. Aber 28,8 Prozent der Jugendlichen können kaum richtig lesen. Alarmierend! Denn Lesen ist eine Fähigkeit, die nicht nur für das Berufsleben unabdingbar ist, sondern auch unsere physische und mentale Gesundheit stärkt. Dies zeigt eine Übersichtsstudie von Forscherinnen der Universität von Cambridge.
Die Wissenschaftlerinnen werteten eine Reihe von Studien aus, die der Frage nachgingen, welchen Effekt das Lesen aus reinem Vergnügen (also nicht im schulischen oder beruflichen Zusammenhang) auf Lesende hat.
Studienleiterin Barbara Sahakian zieht ein eindeutiges Fazit: «Lesen ist eine grossartige Möglichkeit, um die Gesundheit unseres Gehirns zu unterstützen, wichtige kognitive Fertigkeiten zu entwickeln und unser Wohlbefinden zu steigern.»
Lesen aus Vergnügen wirkt sich auf allen Altersstufen positiv aus. Studien zeigen etwa, dass Kinder, die gerne und häufig lesen, auch besser rechnen und sich besser konzentrieren können. Und: Sie weisen später höhere akademische Abschlüsse auf und leiden weniger unter gesundheitlichen Problemen.
Viele Erwachsene geben an, dass Lesen ein wirksames Mittel gegen Stress sei und ihnen allgemein guttue. Schon sechs Minuten Lektüre können den Stresslevel um fast siebzig Prozent senken, ergab eine Untersuchung. Langzeitstudien weisen zudem darauf hin, dass kognitiv stimulierende Aktivitäten wie Lesen das Risiko reduzieren, im Alter an Alzheimer zu erkranken.
Bildgebende Verfahren belegen, dass Lesen unsere Hirnstrukturen beeinflusst. Was gelesen wird, spielt dabei gar keine Rolle. Das können Erzählungen sein, das Fernsehprogramm oder ein Comic. Wichtig ist es, etwas zu finden, das einem wirklich Spass macht.
Das gilt speziell für Kinder und Jugendliche, die den Forscherinnen besonders am Herzen liegen. Angesichts des lebenslangen Nutzens, den das Lesen im jungen Alter mit sich bringt, «sollten wir alles tun, um Kinder und junge Menschen ans Lesen heranzuführen», sagt Co-Autorin Christelle Langley. Vielleicht sollten das auch die Schweizer Bildungspolitiker beherzigen.

Balz Spörri (geb. 1959) lebt als Journalist und Autor in Zürich.