Der unglaubliche Wandel des Fussballs
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Balz Spörri: «In wenigen Wochen, am 11. Juni, beginnt mit dem Spiel zwischen Mexiko und Südafrika die Fussball-Weltmeisterschaft 2026. Diese WM, die in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, ist die erste, die in drei Ländern und mit 48 Teams ausgetragen .»

VON BALZ SPÖRRI
In wenigen Wochen, am 11. Juni, beginnt mit dem Spiel zwischen Mexiko und Südafrika die Fussball-Weltmeisterschaft 2026. Diese WM, die in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, ist die erste, die in drei Ländern und mit 48 Teams ausgetragen wird.
Der Austragungsort des Eröffnungsspiels, das Aztekenstadion in Mexiko-City, weckt Erinnerungen: Im legendären WM-Final von 1970 schlug hier Brasilien mit Pelé, Rivellino und Jairzinho die italienische Mannschaft mit Facchetti, Mazzola und Gigi Riva 4:1. Ein Spiel für die Ewigkeit, wie Fussball-Romantiker sagen.
Wer die Partie heute in ganzer Länge auf Youtube anschaut, wird fasziniert sein – aber auch erstaunt und vielleicht sogar etwas gelangweilt: Denn der Fussball von 1970 ist ein ganz anderer als der von heute. So jedenfalls hat man den Eindruck. Aber lässt sich das auch empirisch belegen?
Kevin Norton von der Universität von New South Wales in Australien hat alle WM-Finals von 1966 bis 2022 untersucht und eine bemerkenswerte Entwicklung festgestellt.
In erster Linie ist das Spiel schneller und intensiver geworden: Wurden 1970 etwa 11 Pässe pro Minute gespielt, waren es 2022 bis zu 18 Pässe. Im gleichen Zeitraum stieg die durchschnittliche Ballgeschwindigkeit von rund 7,4 m/sec auf etwa 8,2 m/sec.
Die Intensität hat laufend zugenommen, gerade in den letzten Jahren. Im Vergleich zur WM 2018 etwa nahm die Distanz, welche die Spieler mit hoher Geschwindigkeit zurücklegten, an der WM 2022 um fast 20 Prozent zu. Dies zeigt eine Studie des Weltfussballverbands FIFA. Zudem werden die heutigen Spieler viel häufiger auf engstem Raum von Gegenspielern bedrängt, was die Belastung noch einmal erhöht.
Das hat Folgen: Das Verletzungsrisiko steigt und die heutigen Stars benötigen mehr und längere Erholungspausen als die Spieler von 1970: Bis ein Eckball, ein Freistoss oder ein Einwurf ausgeführt wird, vergeht heute mehr Zeit als früher. Dadurch nimmt auch die Zeit ab, in welcher der Ball tatsächlich im Spiel ist. Die Nettospielzeit ging von etwa 62 Prozent (1970) auf 55 Prozent (2022) zurück.
Die FIFA hat in den letzten Jahren mit einigen Regeländerungen auf die intensivere Belastung der Spieler reagiert, etwa mit Trinkpausen oder damit, dass heute fünf Spieler pro Mannschaft ausgewechselt werden dürfen. Zugleich erhöht das Eingreifen des Videoschiedsrichters VAR die Zahl der Pausen.
Beim legendären WM-Final 1970 in der brütenden Mittagshitze von Mexiko wechselte Italien zwei Spieler aus. Brasilien spielte mit denselben elf Spielern durch. Heute wäre das völlig undenkbar.
WM-Final Brasilien vs. Italien 1970 auf Youtube

Balz Spörri (geb. 1959) lebt als Journalist und Autor in Zürich.