Ein Gewinn für die Zolliker Beizen-Szene

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22. Februar 2024 – Das Ernesto im Klublokal des Zolliker Tennisklubs steht auch der Allgemeinheit offen. Es bietet klassische italienische Speisen von Pizza über Pasta bis zum Cotoletta di Vitello. Ein Besuch lohnt sich. Das Essen wird mit Liebe gekocht und sehr freundlich serviert.

Vorspeise
Gruss aus der Küche: Foccacia-Stückchen (Fotos: rs)

VON BARBARA LUKESCH

Das Ristorante Ernesto an der Gustav-Maurer-Strasse ist ein Treffpunkt, der entdeckt sein will. Vor allem im Winter, wenn es etwas versteckt neben dem riesigen Tennisballon liegt, hat das Ernesto einen schweren Stand. Da ist es gut, dass seine Betreiber es mit Lichterketten illuminieren, um die Sichtbarkeit, aber auch die Attraktivität des einstöckigen Gebäudes zu erhöhen.

Alle, die es finden, können sich freuen. Sie betreten einen einladenden Raum, der mit hellem Mobiliar und weissen Tischtüchern gefällt. Das künstliche Kaminfeuer strahlt Behaglichkeit aus; im ersten Moment hielten wir es für echt. Das Personal, soviel sei auch schon verraten, ist aufmerksam, aber gleichzeitig auf angenehme Art zurückhaltend. Die übrigen Gäste setzen sich aus Menschen aller Altersgruppen zusammen, Familien, Paare und etliche drei-, vierköpfige Männerrunden. Man hört viel Italienisch, aber Schweizerdeutsch und Deutsch passen auch.

Die kulinarischen Höhepunkte

Beginnen wir mit den kulinarischen Höhepunkten. Mein Risotto ai Funghi Porcini, also Steinpilzen, ist eine Wucht. Der Reis auf den Punkt gegart: nicht zu weich, nicht zu hart, just perfect. Die Pilze sind leicht angebraten, aromatisch im Geschmack und von zarter, aber dennoch bissfester Konsistenz. Ergänzt mit etwas Parmesan erhält das Gericht seine berühmte Schlotzigkeit, die es unwiderstehlich macht. Die 29 Franken sind auch angesichts der grosszügigen Portion fair berechnet.

Unwiderstehlich «schlozzig»: Risotto ai Funghi Porcini
Unwiderstehlich «schlozzig»: Risotto ai Funghi Porcini

Der Pizza Salame meines Mannes (Foto auf der Frontpage) gehört die grösste Aufmerksamkeit am Tisch; schliesslich war uns das Ernesto eigentlich als Pizzeria, genauer Pizzeria Napoletana angekündigt worden. Nachdem er drei Bissen in aller Ruhe vertilgt hat, lacht sein Gesicht: «Ausgezeichnet!» Er mag den gut durchgebackenen Teigboden, schätzt die Salami, die auf seinen ausdrücklichen Wunsch richtig schön scharf ist, und hat auch Freude an dem sämigen Tomaten-Mozzarella-Belag. Nach einer Kostprobe stimme ich ihm zu: «Sehr fein!» Was ich bei einem nächsten Besuch anmerken würde: Bitte etwas weniger grosszügig mit Olivenöl beträufeln! Der Preis ist für Zolliker Verhältnisse moderat: 20 Franken (ein Blick auf die Speisekarte des Napulé im Web fördert einen erheblichen Unterschied zutage: 26,50 Franken).

Perfekte Pommes

Unser Begleiter hätte zwar am liebsten das Petto all’Arancia gegessen, das Poulet an Orangensauce, muss aber auf das Cotoletta di Vittelo, panierte Kalbsschnitzel mit Pommes Frites, umschwenken; das Poulet ist bereits weg. Er bereut seinen Entscheid nicht. Das Fleisch ist zart und von einer wunderbar krossen, gut gewürzten Panade umhüllt. Die Pommes Frites sind schlicht perfekt: aussen knusprig, innen weich, ja, luftig. Der Clou? Drei richtig grosse Schnitzel liegen schwer auf einem Berg von Pommes Frites. Mit dieser Menge (31 Franken) würde man locker zwei, wenn nicht gar drei Personen satt bekommen. Kein Wunder, lässt sich unser Freund eine schöne Portion für sein Nachtessen am darauffolgenden Tag einpacken.

Die Portion Cotoletta di Vittelo mit Pommes reicht für drei
Die Portion Cotoletta di Vittelo mit Pommes reicht für drei

Vorspeisen mit Luft nach oben

Nicht ganz so begeistert sind wir von den beiden Vorspeisen, die wir uns teilen. Beim Insalata Mista (12 Franken), bestehend aus grünen Blättern, Rüebli, Mais und viel Randen hat es die Küche zu gut gemeint mit der Sauce. Zu viel Öl legt das Gericht regelrecht flach; dazu ist die Wahl der Zutaten sehr konventionell.

Insalata mista: Etwas weniger Öl wäre mehr
Insalata mista: Etwas weniger Öl wäre mehr

Beim Verdure al Forno (14 Franken) hat man die Peperoni, Zucchetti und Rüebli eindeutig zu lange im Backofen gelassen: Das Gemüse ist zu weich geraten, was den an sich leckeren Gout des Essens doch arg beeinträchtigt.

Verdure, schön anzusehen, aber etwas gar lange im Forno
Verdure, schön anzusehen, aber etwas gar lange im Forno gelegen

«Tiramisu, fatto in casa»

Zurück zu den Freuden des Gastrokritiker-Tischs: Das Gläschen Prosecco mundet; den ersten Hunger stillen kleine Foccacia-Stückchen: ein Gruss aus der Küche (Foto ganz oben). Der Primitivo di Puglia (7,50 Franken pro Deziliter) ist fruchtig, aber gleichwohl würzig, kurz äusserst aromatisch.

Zu guter Letzt gibt es dann noch zwei Portionen Tiramisu (à 8 Franken), fatto in casa, wie uns unser Kellner mitteilt. Geschmacklich rundherum gelungen, optisch in der dick- und hochwandigen Tasse aber eher mittelprächtig. Warum das luftige, genau richtig gesüsste und mit der passenden Menge Schnaps getränkte Dessert nicht in ein Glas schichten, um auch seine visuellen Reize zur Geltung zu bringen?

Sehr feines Tiramisu in etwas grober Tasse
Sehr feines Tiramisu in etwas grober Tasse

Fazit: Das Ernesto ist ein Gewinn für die Zolliker Gastroszene. Seine reichhaltig sortierte Speisekarte enthält neben Pizza und Pasta etliche Fleisch-, aber auch Fischgerichte, die man unbedingt einmal probieren sollte. Es ist ein Ort zum Wohlfühlen, an dem das Portemonnaie nicht über Gebühr strapaziert wird und auch sehr hungrige Gäste auf ihre Kosten kommen.

Ernesto, Ristorante Pizzeria Napoletana, Gustav-Maurer-Strasse 2o, 8702 Zollikon, 044/ 391 45 01 oder 077/946 09 87, ernestoristopizzeria@gmail.com

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