«Eine ideale Gelegenheit für jüngere Leute»

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25. März 2024 – Wenn sich der Vorstand des Zolliker Vereinskartells innerhalb eines Jahres nicht erneuern kann, droht der Organisation die Auflösung. Präsident Alexander Spaar würde sich – falls gewünscht – zwar weiterhin engagieren, aber ohne neue MitstreiterInnen geht es nicht.  (2 Kommentare)

25. März 2024 – Wenn sich der Vorstand des Zolliker Vereinskartells innerhalb eines Jahres nicht erneuern kann, droht der Organisation die Auflösung. Präsident Alexander Spaar würde sich – falls gewünscht – zwar weiterhin engagieren, aber ohne neue MitstreiterInnen geht es nicht.  

Alexander Spaar
Alexander Spaar, Präsident des Zolliker Vereinskartells (Foto: ZN)

INTERVIEW: RENE STAUBLI

Herr Spaar, in der kürzlich verschickten Einladung zur Generalversammlung alarmiert der Satz, dass das Vereinskartell ab März 2025 «in einem neuen oder leicht anderen Gewand oder gar nicht mehr weitermachen» wird. «Gar nicht mehr weitermachen» – steht es um das Vereinskartell so schlimm?

Es ist traurig, aber wahr: Falls wir bis im März 2025 keine neuen Vorstandsmitglieder finden sollten, müssten wir das Vereinskartell nach 64 Jahren auflösen.

An heutigen Kartellversammlung (GV) treten die beiden Beisitzer Fred Erne (Theatergruppe) und Susanne Würsch (Chilbi-Verein) zurück, an der nächsten dann Marianne Tanner (Frauenturnverein) und Moritz Würsch (Chilbi-Verein und Männerriege) – warum dieser Exodus?

Vorstand Vereinskartell
Vorstand Vereinskartell: 4 von 5 Mitgliedern treten zurück (Foto: zvg)

Die Rücktritte erfolgen gesundheits- und altershalber. Nach Jahren der Arbeit im Vorstand wollen sich diese verdienten Mitglieder entlasten und ihre Freizeit nach Lust und Laune gestalten.

Sie präsidieren das Vereinskartell seit acht Jahren. Bleiben wenigstens Sie an Bord?

Falls sich neue Vorstandsmitglieder melden würden, so würde ich ihnen bei Bedarf sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen und vorerst noch als Präsident oder als übriges Vorstandsmitglied mitwirken, bis es mich nicht mehr braucht.

Sie versuchen das Beste aus der Situation zu machen und schreiben: «Im Prinzip ist diese Situation eine absolut ideale Gelegenheit für zwei bis vier jüngere Leute, die etwas in der Gemeinde bewegen wollen». Was meinen Sie damit?

Im Vorstand des Vereinskartells kommt viel Wissen aus den Vereinen zusammen. Das ist eine gute Voraussetzung, um gemeinsame, sinnstiftende Projekte zu entwickeln und zu verwirklichen. Unser ehemaliger Präsident John Passanah hatte mit verschiedenen Veranstaltungen versucht, die Menschen von Dorf und Berg vermehrt zusammen zu bringen, unter anderem mit dem Zolliker-Berg-Lauf, dem Veloplausch oder dem Postenlauf im Wald. Solche oder ähnliche Projekt könnten von neuen Leuten wieder ins Leben gerufen oder frisch erfunden werden.  

Reden wir hier «nur» von einer Krise des Vereinskartells oder von einer generellen Krise der Zolliker Vereine? Selbst eine Institution wie der Verein Chramschopf fürchtet um seine Existenz. Soeben ist bekannt geworden, dass er sich infolge Personalnot nicht mehr an der Organisation des beliebten Herbstfestes im Zollikerberg beteiligen kann.

Es ist leider so, dass nicht nur das Vereinskartell Mühe hat, neue Vorstandsmitglieder zu rekrutieren. Bei Vereinen, bei denen es im Vorstand noch gut klappt, fehlt es auf den unteren Ebenen oft an Trainern, Leitern, Dirigenten oder anderen Fachkräften und Helfern. Leider haben auch viele unserer Mitgliedervereine Probleme beim Nachwuchs. Zuerst stecken die Jugendlichen in der strengen Ausbildung, dann wollen sie beruflich vorankommen und gründen Familien. Daneben bleibt fast keine Zeit mehr für Vereinsaktivitäten.

Das ist wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit. Woran liegt es sonst noch, dass immer weniger Leute Lust verspüren, sich auf Vereinsebene zu engagieren?

Generell leben wir eher in einem Konsumrausch, man kann sich jederzeit fast alles kaufen und bezahlt auch gerne dafür, weil man es ja kann. Mit anderen etwas zu machen ist sicher in, aber für andere etwas zu machen, dafür hat man kaum Zeit, geschweige denn Lust. Generell haben die Vereine am Stadtrand auch mehr Mühe, neue Mitglieder zu finden, denn die kulturellen, sportlichen und unterhaltungsmässigen Möglichkeiten sind in Zürich fast unbegrenzt – weshalb sollte man sich da noch irgendwie an einen Verein im eigenen Dorf binden?

Was ginge der Gemeinde ohne Vereinskartell verloren?

Sicher die Vernetzung innerhalb des Zolliker Vereinslebens und bei Bedarf auch zwischen den Vereinen und den Behörden. Dazu ein schönes Beispiel: Vor über 25 Jahren fragte der Präsident des Badmintonclubs mich als Oberturner, was sein Klub denn unserem Turnverein zum 100-Jahr-Jubiläum schenken solle. Ich bat ihn, uns ein Freundschaftsturnier zu schenken, und wir haben tatsächlich eines bekommen: Seither treffen sich jedes Jahr Mitglieder der beiden Vereine zu einem Badminton-Turnier, was beidseits sehr viel Spass macht und verbindend ist.

Was bliebe sonst noch auf der Strecke?

Wir ermöglichen den Vereinen unter anderem, in der ehemaligen Zivilschutzanlage Buechholz ihr Vereinsarchiv zu betreiben, sich beim Clean up-Tag, dem Bring- und Holtag, der Papiersammlung oder der Aktion «Sauber Zollikon» mitzuhelfen und damit etwas Geld in die Vereinskasse zu bekommen.

«Sauber Zollikon»?

Beim Coop im Dorf gibt es die Wertstoff-Sammelstelle. Dort sollte man eigentlich nur Flaschen und Konservendosen entsorgen, aber es gab Leute, die dort am Wochenende auch ihre alte Kaffeemaschine und Ähnliches deponierten. Andere machten das nach, und innert Kürze entstand eine Abfallhalde. Auf Bitte der Gemeinde stellten die Vereine letztes Jahr an vier Samstagen Mitglieder zur Verfügung, die sich gelbe Westen anzogen und «Sünder» freundlich darauf aufmerksam machten, was erlaubt ist und was nicht. Für diese guten Dienste haben die Vereine von der Gemeinde einen finanziellen Zustupf erhalten.

Das Vereinskartell steht auch hinter grösseren Anlässen…

Wir bieten die Delegationen der fahnentragenden Vereine auf, um an der 1. August-Feier hinter den Alphornbläsern und beim Rednerpult einen festlichen Rahmen zu bilden. Daran beteiligen sich der Turnverein, die Harmonie, die Männerriege, der Frauenturn- und der Schützenverein. Zu Beginn jedes neuen Jahres organisieren wir zudem den Neujahrsapéro im Gemeindesaal, damit die Zolliker Bevölkerung einander zuprosten kann.

Fühlen Sie sich von der Gemeinde genügend unterstützt?

Wir müssen der Gemeinde für unsere Anlässe im Gemeindesaal nur 50 Prozent der üblichen Mietkosten bezahlen, wofür wir sehr dankbar sind. Für spezielle Anlässe erhalten wir den «Lunggesüüder» (Riesling x Sylvaner) vom Buechholzhügel gratis. Ausserdem sind die Behörden bei den meisten Anlässen des Vereinskartells durch eine Delegation vertreten und drücken uns damit ihre Wertschätzung aus. Soeben hat die Gemeinde beschlossen, den Feuerwehrverein einmalig mit 3’500 Franken zu unterstützen, damit er im Zollikerberg das nächste Herbstfest ausrichten und sich dann in Ruhe auf die Suche nach einem neuen Partnerverein machen kann. Wir können uns nicht über mangelnde Unterstützung beklagen.

Könnte nicht die Gemeinde die Aufgaben des Vereinskartells übernehmen?

In Erlenbach hat man diesen Versuch gemacht. Das dortige Kartell hat der Gemeinde aus der Personalnot heraus immer mehr administrative Aufgaben übergeben – mit dem Ergebnis, dass es das Vereinskartell nicht mehr gibt. Es wäre schade, wenn in Zollikon dasselbe passieren würde.  

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… übrigens: an der vergangenen GV sind erfreulicherweise zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt worden: Hansruedi Landolt als Aktuar und Martin Eigenmann als Beisitzer und Webmaster.

ja, ihr seid noch aus der zeit, wo man sich festlegte und geholfen hat.
die jüngere generation ist weder faul noch will sie nicht helfen (die meisten),
aber sie möchten sich nicht lange vorher festlegen. ich glaube, böse gesagt, sie warten ab, ob noch was tolleres an diesem datum stattfinden wird ;-).

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