«Ich muss immer eine Challenge haben»

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22. März 2024 – Giovanni Marti und Barbara Lukesch bereiteten dem Publikum am Donnerstagabend im Café am Puls viel Vergnügen mit einem sehr persönlichen Gespräch. Unter anderem verriet «Giovi», wie er Fifa-Präsident Sepp Blatter mit Papst Franziskus zusammenbrachte.

Giovanni Marti und Barbara Lukesch im «Talk am Puls» (Foto/Video: ZN)
Giovanni Marti und Barbara Lukesch im «Talk am Puls» (Foto/Video: ZN)

Er hatte Blatter als junger Journalist schon einmal interviewt. 2012 traf er ihn wieder, als er eine Stelle in der Kommunikationsabteilung der Fifa antrat. Eines Tages habe ihn Blatter ins Büro gebeten und gesagt: «Ich möchte gerne nach Rom reisen und Papst Franziskus treffen.» Eine knifflige Aufgabe, aber «Giovi» liebt nach eigener Aussage nichts mehr als Herausforderungen, Challenges. Er schickte eine Mail in den Vatikan und erinnert sich, «dass es irgendein Name @petrus.va war». Auf eine Antwort hoffte er eigentlich nicht.

Doch zwei Tage später traf die Nachricht ein, dass man sich in Rom über einen Besuch des Weltfussball-Präsidenten sehr freuen würde. Auf dem Flugplatz holte eine Limousine die beiden Schweizer ab, sie fuhren an der salutierenden Schweizergarde vorbei durch ein riesiges Tor ins Allerheiligste, fanden sich alsbald in einem Vorzimmer – und warteten dort mehr als 1 ½ Stunden lang.

«Ich fragte mich, was ist bloss mit meinem Herzen los», erzählte «Giovi», «warum wird mir plötzlich am ganzen Körper so warm?» In der Aufregung habe er vergessen, den Kittel zuzuknöpfen. Dann wurden sie abgeholt und standen plötzlich vor Franziskus. Blatter habe nach der Begrüssung die Bemerkung fallen lassen, es sei schon ein wenig unanständig, dem Papst einfach seinen Bauch zu zeigen. Franziskus habe abgewunken und gesagt: «Auch der Papst hat einen Bauch.»

Der Pontifex habe sich nach seiner Frau erkundigt, die damals schwanger war, ihm sogar eine Münze für das Kind mit auf den Weg gegeben und viel Glück gewünscht. Als er sechs Monate später wieder im Vatikan gewesen sei, diesmal mit Starfussballern, die für die Fifa in einem Spiel für den Frieden antraten, habe sich der Papst doch tatsächlich an ihn erinnert und sich erkundigt: «Was ist es geworden? Ein Bub oder ein Mädchen? Ah, ein Bub – und ist er gesund?»

Vom Umgang mit Skandalen

Barbara Lukesch machte auch um die heiklen Themen keinen Bogen. Wie er denn als Mediensprecher mit den skandalösen Ereignissen bei der Fifa umgegangen sei: Verhaftung von hohen Funktionären in Zürich vor laufenden Kameras, dauernde Korruptions- und Bestechungsvorwürfe, interne Machtkämpfe, umstrittene Vergabe der WM nach Katar? Marti schilderte eindrücklich, wie schwierig jene Phase für die rund 900 Angestellten der Fifa gewesen sei, «die für die Eskapaden in den oberen Hierarchie-Ebenen ja nichts konnten». Persönlich habe er damals schlimme Dinge erlebt bis hin zu Anpöbelungen beim Einkaufen.

Als junger Journalist im Stahlbad

Martis journalistische Karriere hatte Jahre vor dem Fifa-Engagement so richtig Fahrt aufgenommen, als ihn Roger Schawinski eines Tages anrief. Er wolle ihn für das Radio 24 verpflichten: «Komm in mein Büro, wir machen einen Vertrag.» Bei populären Anlässen wie dem Sechseläuten («ich redete und redete, bis der Kopf des Böögg endlich platzte»), bei der Streetparade oder dem Leichtathletik-Meeting «Weltklasse in Zürich» konnte er sein Talent als Reporter mit hohem Unterhaltungsfaktor voll ausspielen («ich habe immer schon gern geredet und mit meiner Stimme gearbeitet»). Ältere ZollikerInnen erinnern sich, dass er diesen Beweis schon als Moderator der Mini-Playback-Show am Grümpi erbracht hatte («an der Chilbi sprechen mich noch heute viele Mütter auf jene Zeit an»).

Er musste sich damals aber auch mit ernsteren Themen auseinandersetzen. Insbesondere im fatalen Jahr 2001 mit dem Angriff auf das World Trade Center in New York, dem Attentat auf das Parlament in Zug, dem grossen Brand im Gotthardtunnel, bei dem elf Menschen starben, und dem missglückten Landeanflug einer Crossair-Maschine in Bassersdorf, den nur 9 der 33 Insassen überlebten.

Marti wechselte alsbald die Seite, aus dem Journalisten wurde ein PR-Mann. «Wegen des Geldes?», fragte Barbara Lukesch. «Geld tut immer gut», entgegnete er, «aber es hatte schon mehr mit dem schwindenden Enthusiasmus zu tun.» Eine wichtige Station im neuen Lebensabschnitt war der FC Zürich, wo er die Kommunikationsabteilung leitete. Als er sein Verhältnis zu Urs Fischer beschrieb, damals Trainer des FCZ, geriet «Giovi» ins Schwärmen:

Im äusserst lebhaften Gespräch erfuhr man unter anderem auch, dass Giovanni Marti nicht weniger als fünf Sprachen spricht: Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch und jetzt auch noch ein wenig Schwedisch, weil er in einem halbprofessionellen Schweizer Unihockeyklub als Funktionär Vertragsverhandlungen mit schwedischen Spielerinnen führen muss. Die Begeisterung für diese neue Aufgabe war spürbar: «Ich habe diesen Sport immer geliebt.»

Was er ebenfalls über alles liebt, ist gutes Essen. Auch zu diesem Thema gab er Barbara Lukesch bereitwillig Auskunft. Als er weit über 100 Kilo gewogen und einen Blick in den Spiegel geworfen habe, sei ihm allerdings klar geworden: «So kann es nicht weitergehen.» Er habe unter ärztlicher Aufsicht eine strenge Diät gemacht und 27 Kilogramm verloren: «Jetzt kann ich wieder meine Schuhe binden und Treppen steigen, ohne dass ich eine Sauerstoffflasche brauche.» Seither gilt: «Keine Schoggi, keine Pizza, keine Pasta.» War der Verzicht leicht zu ertragen? «In den ersten beiden Wochen bin ich durch die Hölle gegangen.» (René Staubli)

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