«Enttäuscht, wütend, besorgt, schockiert»

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5. April 2023 – Mehr als 100 Eltern haben einen Brief an den Gemeinderat, die Schulpflege und den Leiter Bildung geschrieben. Unter dem Titel «Es reicht!» werfen sie den Verantwortlichen «jämmerliches Versagen» vor. Politische Ortsparteien verlangen Aufklärung. (15 Kommentare)

5. April 2023 – Mehr als 100 Eltern haben einen Brief an den Gemeinderat, die Schulpflege und den Leiter Bildung geschrieben. Unter dem Titel «Es reicht!» werfen sie den Verantwortlichen «jämmerliches Versagen» vor. Politische Ortsparteien verlangen Aufklärung.

Ausriss aus dem Brief der Eltern vom 4. April
Ausriss aus dem Brief der Eltern vom 4. April

Am 3. April verschickten Claudia Irniger, Präsidentin der Schulpflege, und Urs Rechsteiner, Leiter Bildung, den Eltern ein Schreiben «zur aktuellen Situation am Rüterwis» – und verbreiteten Zuversicht: Man glaube «an eine positive Zukunft» und arbeite «mit Hochdruck daran». Gleichzeitig konstatierten sie, dass «der eingeschlagene Weg noch Zeit brauchen wird, was Geduld und Ruhe benötigt».

Mit Verweis auf Franz Holderegger von der «Krisenintervention Schweiz», der den Mediationsprozess im Rüterwis leitet, übten sich Irniger und Rechsteiner in Optimismus: Holderegger gehe davon aus, dass die Situation bis im Sommer stabil sei. Und dass die Schule Rüterwis von den Turbulenzen unter dem Strich sogar profitieren könnte: «Wenn sich die Situation an der Schule im Rüterwis beruhigt hat, wird sie krisenresistenter und fit für die Zukunft sein.»

Keine Lust mehr auf Durchhalteparolen

Eine Gruppe von mehr als 100 betroffenen Eltern mag sich mit solchen Durchhalteparolen nicht mehr abfinden. Ihren Brief an den Gemeinderat, die Schulpflege und den Leiter Bildung eröffneten sie mit den Worten «Wir sind enttäuscht, wütend, besorgt und schockiert ob der aktuellen Situation an der Schule Rüterwis!»

Die Eltern fragen sich, warum die Schulpflege und der Leiter Bildung an einer Schulleitung festhalten, die schon einmal an einer Schule gescheitert sei. Und warum sie «entgegen aller Warnzeichen, aller Kritik und aller Bedenken der Eltern» in Kauf nehmen, «dass so viele gute, langjährige und erfahrene Lehrpersonen gehen». Aus Sicht der Eltern zeige das aktuelle Bild «ein jämmerliches Versagen der Schulpflege, des Leiters Bildung und der Mediation».

Weit weg von einer «transparenten, offenen Kommunikation» sei auch die Forderung, dass man bei einem Elternabend Fragen vorgängig einreichen musste, heisst es weiter im Brief. Dies zeige vielmehr, «wie sehr die Schulleitung und der Leiter Bildung bemüht sind, die Situation zu ihren Gunsten zu kontrollieren, Argumente im Keim zu ersticken».

Ortsparteien werden aktiv

Am Dienstagabend trafen sich mit Franziska Steiner (SP), Felix Wirz (EVP) und Jürgen Schütt (F5W) die PräsidentInnen von drei Ortsparteien, um die aktuelle Situation am Rüterwis zu besprechen. Sie monierten anschliessend die mangelnde Transparenz. Es gebe viele ungeklärte Fragen: Wie kam es überhaupt zur Anstellung des Schulleitungs-Duos? Warum hält man trotz grosser Probleme mit solcher Vehemenz an den beiden fest? Wie stellen sich die Schulpflege und der Leiter Bildung das weitere Vorgehen vor?

Steiner sagt: «Wir werden vom Gemeinderat Auskunft über die bisherigen und aktuellen Vorgänge an der Schule verlangen und unseren dringenden Wunsch nach umfassender Transparenz anmelden.» Die Zeit, in der man sich hinter Floskeln verstecke, müsse vorbei sein.

Der Gemeindepräsident schweigt

Grosse Hoffnungen auf ein Statement können sie sich allerdings nicht machen. Die «ZollikerNews» baten Gemeindepräsident Sascha Ullmann um eine Einschätzung der Lage an der krisengeschüttelten Schule. Kommunikationschefin Melanie Marday-Wettstein schrieb, er könne und werde sich dazu nicht äussern, «denn weder er als Gemeindepräsident noch der Gemeinderat haben hierzu die Befugnis». Die Schulpflege sei eine eigenständige Behörde.

Deren Präsidentin Claudia Irniger war gestern telefonisch nicht erreichbar. Der Leiter Bildung sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», der den Fall Rüterwis in seiner Online-Ausgabe aufgegriffen hat: «Es gibt keinen Grund, an der Anstellung der beiden (Schulleiter) zu zweifeln.»

In der siebenköpfigen Zolliker Schulpflege sind die SP, die EVP (und die SVP) nicht vertreten. Dem Gremium gehören 3 FDP- und 3 F5W-Mitglieder sowie 1 Vertreter der GLP an.

Nachwehen in Weiach

Als Reaktion auf den Artikel in den «ZollikerNews» traf auf der Redaktion auch ein Mail aus Weiach ein, wo das Schulleiter-Duo vor dem Engagement in Zollikon angestellt war. Eine Lehrperson schreibt:  «Bei uns hat diese Woche, nach diversen Schulleitungen ad interim, die zweite fixe Schulleitung nach dem Leitungs-Duo gekündigt, aus persönlichen Gründen. Dies zeigt, dass eine einmal entgleiste Schule mit stark geschwächtem Team (bei uns war nach den knapp zwei Jahren Führung durch das Duo mehr als das halbe Team «ausgewechselt»), sehr schwer wieder auf Kurs gebracht werden kann.» (bl/rs)

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Offensichtlich sind die Rollen «gut» (Lehrpersonen, Eltern) und «böse» (Schulleitung, Leiter Bildung, Schulpflege) in der Berichtserstattung der «ZollikerNews» (ZN) klar verteilt. Ich habe sogar den Eindruck, dass sich die Redaktion der ZN von den «Guten» vor den Karren spannen lässt. Der im Bericht ausschnittsweise ersichtliche Brief ist im Übrigen anonym und nur mit Initialen signiert eingegangen. Es lässt sich also nicht überprüfen, wie viele Erziehungsberechtigte ihn tatsächlich unterzeichnet haben. Der 31.3. ist ein ordentlicher Kündigungstermin. Es wird von den ZN suggeriert, alle Kündigungen stehen im Zusammenhang mit dem Knatsch und seien Knall auf Fall eingegangen. Keine Erwähnung, dass diese Anzahl Kündigungen üblicherweise Pensionierungen, ordentliche Beendigung befristeter Verträge, Auflösung nach Probezeit, Vikariate, etc. beinhalten. Auch nicht erwähnt wird, dass bereits jetzt acht Stellen wieder besetzt sind. Zudem bin ich überzeugt, dass eine beträchtliche Anzahl von Lehrpersonen diese Auseinandersetzung nicht mittragen. Diese kommen nicht zu Wort. Ich denke, es kann für die Schule auch eine Chance sein, wenn Teile der Silberrücken-Fraktion «ihre» Schule verlassen.

Aus meiner Sicht fängt es schon damit an, dass ein „Duo“ führt. Leitung und Verantwortung sollten, ja können , nicht geteilt werden. Und ist es wirklich so, dass der Gemeindepäsident hier gar nichts zu melden hat, schliesslich ist die Präsidentin der Schulpflege ja auch im Gemeinderat, den er präsidiert?

Danke für den Artikel und die Recherche. Die Tatsache, dass sich die Parteipräsidenten von SP, EVP und 5W treffen und nach Transparenz rufen, bringt das Problem auf den Punkt. Es handelt sich in erster Linie um ein Führungs- und auch ein Kommunikationsproblem. Eine kurze Rückfrage bei Frau Knüsli, auch F5W, hätte Licht in die Sache gebracht. Schliesslich war sie, nach meinem Kenntnisstand, auch Teil der Findungskommission für die Schulleitung am Rüterwis. Vor dem Hintergrund ist der Ruf nach Transparenz rund um die Vorgänge bei den Stellenbesetzungen reine Effekthascherei und Ablenkung vom eigenen Versagen. Das Forum 5W ist derzeit mit 3 Mitgliedern in der Schulpflege vertreten. Da stellt sich schon die Frage, was die den ganzen Tag so machen.

Der Findungskommission gehörten die damalige Schulpräsidentin Corinne Hoss-Blatter, die damalige Schulpflegerin und heutige Präsidentin Claudia Irniger, der Leiter Bildung Urs Rechsteiner sowie die Oescher Co-Schulleiterin Brigit Belser an.

Es scheint, dass der neue SVP-Ortspräsident und Neozolliker S. Geiger seine krachende Niederlage bei den Wahlen zur Schulpflege noch nicht verarbeitet hat. Er lässt sich in seinem Frust sogar zu falschen Aussagen hinreissen (@Herr Staubli: Merci für die Klarstellung). Das einzige Ziel scheint, das F5W zu diffamieren. Sein Vorgänger als Ortsparteipräsident Thomas Gugler war im Übrigen Teil der Schulpflege bei der Wahl der aktuellen Schulleitung (wie ich auch).

Herr Edwin Fuchs wurde gegenüber der SVP schon einmal ausfällig, als er deren zu Behördenwahlen angemeldeten Kandidaten mit deutschem Migrationshintergrund öffentlich als faktisch zweitklassig diffamierte und ebenso öffentlich zur Ordnung gerufen wurde.

Offensichtlich teilt Herr Fuchs den Zolliker Souverän aber weiterhin gerne in Alteingesessene (dazu zählt er sich stolz) und in neu Zugewanderte, bei denen Charakterbildung, Einsatz und Leistung keine Rolle spielen, sondern allein Herkunftsland und Wohndauer im Ort.

Er lässt uns, etwas respektlos zudem noch hämisch wissen, dass er für Wahlverlierer Verachtung empfindet.

Das ist deshalb ausserordentlich bedauerlich, weil unsere direkte Demokratie davon lebt, dass engagierte Bürger bereit sind, in der demokratischen Ausmarchung auch -von Herrn Fuchs fälschlich als «krachend» definierte- Wahlniederlagen inkaufzunehmen.

Fazit: Niemand wird ernsthaft behaupten, Harmonie sei im Schulalltag Selbstzweck.
Streit und Krisen zeigen wohl auf, dass mit harten Bandagen um den einzuschlagenden Weg der Schule gekämpft wird, eine Art Bereinigung der Lage, die den Einsatz aller Interessierten erfordert, über Parteigrenzen hinweg.

Herr Fuchs, wie lange muss man aus Ihrer Sicht in Zollikon wohnen um nicht als „Neo“ zu gelten und ab wann darf man sich zur Wahl stellen. Es wäre schön, wenn Sie hier Klarheit herstellen, denn in den Kandidatur-Regularien befindet sich keine solche Klausel.

Lieber Bernie Ecklin
Auch bei Dir scheinen wieder alte Wunden nach dem Wahldebakel aufzugehen. In meinem damaligen Beitrag habe ich explizit darauf hingewiesen, den Text im SVP-Jargon zu schreiben. Der Begriff „Migrationshintergrund“ gehört nun mal seit Jahren zu eurem Lieblingswort, neu ergänzt mit „Zuwanderung“. Ich hatte ebenso darauf hingewiesen, dass dies keine Wertung ist. Ihr reagiert immer noch sehr dünnhäutig, wenn ihr mit den eigenen „Waffen“ angegangen werdet. Öffentlich wurde ich auch nicht zur Ordnung gerufen (ausser Du siehst Dein damaliges Statement als solches). Dein Parteikollege Geiger schreibt: „Das Forum 5W ist derzeit mit 3 Mitgliedern in der Schulpflege vertreten. Da stellt sich schon die Frage, was die den ganzen Tag so machen.“ Was will er uns den damit sagen, ausser das F5W zu diffamieren? Er weiss bestimmt, dass die Schulpflege eine Kollegialbehörde ist und nebst den 3 F5Wler aus 3 FDPler und einem GLPler besteht. Arbeiten den die in seinem Weltbild auch nichts oder will er es mit ihnen wegen der bevorstehenden Ersatzwahl für die RGPK nicht verscherzen?

Norbert Brestel, Ihre Partei, die SVP, teilt Menschen mit CH-Pass in 3 Kategorien ein: Eidgenossen, Schweizer, Schweizer mit Migrationshintergrund. Die letztere wird eurerseits gerne im Zusammenhang mit negativen Ereignissen «vermarktet». Sie fühlen sich diffamiert, wenn ich Ihren Migrationshintergrund erwähne. Die vielen, sich tadellos verhaltenden CH mit Migrationshintergrund fühlen sich von der SVP auch diffamiert, immer in einem negativen Kontext genannt zu werden. Kein gutes Gefühl, wie Sie wissen! Die SVP macht die EU-Zuwanderung (u.a. unerwünschte Billigarbeitskräfte, Verknappung Wohnraum) zum Wahlkampfthema. Was ist ein guter Zuwanderer? CEOs für (Ex-)Grossbanken oder Pflegehilfen für das Blumenrain? Sie, Ortspräsi Geiger und die für die RGPK erneut kandidierende Baum sind wertfrei EU-Zuwanderer. Wie können Sie als EU-Zuwanderer und Schweizer mit Migrationshintergrund das Wertesystem der SVP mittragen? Oder ist es was anderes, wenn man schon mal hier ist? Meine Voten haben nichts, wie von B. Ecklin wiederholt kolportiert, mit Alteingesessen oder Neuzuzüger zu tun. Ihr reagiert einfach mimosig, wenn ihr mit eurem eigenen Vokabular angegangen werdet.

Die Situation am Rüterwis ist unbestritten schwierig. Was mich aber stört, ist die Berichterstattung der «ZollikerNews». Schon der erste Satz ist falsch: Nicht über 100 Eltern haben den Brief unterschrieben, sondern einzig ein anonymes «OK Eltern Rüterwis». Diese anonyme Gruppe hat die im Dezember von ebendieser Grupper gesammelten Unterschriften (ebenfalls anonymisiert) an den von ihnen allein verfassten Brief angehängt. Es ist gar nicht möglich, innerhalb eines Tages die Unterschrift von über 100 Eltern zu sammeln. Warum steht dieses «OK Eltern Rüterwis» nicht zu seinen Ansichten und tritt mit Namen auf? Es gibt jedenfalls viele Eltern, die nicht hinter diesem anonymen OK stehen und dessen Aktionen nicht gut heissen. Und warum arbeitet «ZollikerNews» mit diesem anonymen OK so eng zusammen? Der oben genannte Brief war nicht als offener Brief deklariert, wurde aber vom OK direkt an die «ZollikerNews» weitergegeben. Möchten die «ZollikerNews» auf diese Art und Weise ihre Leserschaft vergrössern, in dem sie reisserische Artikel produzieren, wenn nicht mal die Eltern dieses OK selbst dazu stehen mit ihren Namen?

Danke für Ihren Kommentar, Herr Peter. Seien Sie versichert, dass mehr als 100 Eltern den Brief unterschrieben haben. Wir arbeiten im Übrigen mit niemandem zusammen, sondern recherchieren. Uns nähme Wunder, woher Sie den Brief haben.

Die Berichte aus Weiach zeigen ein schockierendes Versagen der Schulbehörden um Urs Rechsteiner. Die Schulleitung und vor allem Rechsteiner müssen sofort abtreten.

Nicht nur eine Grossbank kann von CEO und Verwaltungsrat innert kürzester Zeit «an die Wand gefahren» werden. Dies passiert leider momentan gerade mit dem Rüterwis. Keine Rücksicht auf Verluste. Bedauernswerte Kinder, frustrierte Eltern, demotivierte und krankgeschriebene Lehrpersonen… ein Trümmerhaufen bleibt zurück. Wer da ausser der Schulpflege und dem Leiter Bildung gestärkt aus der Situation kommen soll, bleibt wohl fraglich.

«Wenn sich die Situation an der Schule im Rüterwis beruhigt hat, wird sie krisenresistenter und fit für die Zukunft sein.» Die Aussage der Mediationsstelle liest sich wie ein Hohn, wenn man sieht, wie «krisenresistent» Weiach aus der Affäre gekommen ist.

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