Gemeinsam im Kostümverleih
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16. Mai 2026 – David Sarasin (FDP) und Rui Biagini (GLP) haben seit dem ersten Wahlgang eine wundersame Wandlung vollzogen. Sarasin signalisiert mit wattiertem Gilet und gewagter Haartolle Volksnähe, Biagini mit Jackett und adretter Frisur Führungsstärke. (1 Kommentar)


VON BARBARA LUKESCH UND RENE STAUBLI
David Sarasin (FDP) und Rui Biagini (GLP) haben seit dem ersten Wahlgang eine wundersame Wandlung vollzogen. Sarasin signalisiert mit wattiertem Gilet und gewagter Haartolle Volksnähe, Biagini mit Jackett und adretter Frisur Führungsstärke.
Bislang waren die Rollen umgekehrt verteilt. Sarasin trat als Zahlenmensch auf, der stets auf seine Erfahrungen als ehemaliger Banker verwies. In seinen Statements ging es um Strukturen und Organisation, ums Führen und Delegieren. Eine Schule, dies sein stärkstes Credo, lässt sich führen wie eine Bank.
Biagini betonte den Stellenwert der Kommunikation. In einer Schule sei der Kontakt der Schulpflege zu den Lehrpersonen entscheidend. Es gehe darum, den Leuten zuzuhören, ihre Probleme ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Eine Schule lasse sich eben genau nicht führen wie eine Bank.
Nachdem sich die beiden im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, mussten sie über die Bücher. Sarasin realisierte, dass die Stimmbevölkerung bei ihm kommunikative Defizite ausmachte. Biagini, dass es Fragezeichen an seinen Führungsqualitäten gab.
Seit Ende Woche lachen uns Biagini und Sarasin wieder auf Plakaten an zahlreichen Strassen entgegen, in Gärten und an Hauswänden. Was sofort auffällt: Beide haben sich umgezogen. Sarasin hatte vor dem ersten Wahlgang auf eine klassische Kombination aus weissem Hemd und schwarzem Jackett gesetzt, streng und magistral. Biagini entschied sich für einen legeren Look und trug einen schwarzen Rollkragenpullover.
Nun hat Sarasin das Jackett an den Nagel gehängt und sich für ein dunkelblaues gestepptes Gilet entschieden, ärmellos, so dass das nach wie vor helle Hemd gut zur Geltung kommt. Da mischt sich offenbar einer unter die Leute, will endlich Probleme lösen («Packen wir es an!»). Sarasin, so der Eindruck, möchte lockerer herüberkommen als beim ersten Mal, ist mit dem Dunkelblau-Weiss-Kontrast aber nach wie vor darauf bedacht, sehr bürgerlich zu erscheinen.
Erstaunlicherweise hat auch Biagini einen Wandel vollzogen, obwohl ihm EVP-Präsident Felix Wirz nach dem ersten Wahlgang in einem Interview mit den «ZollikerNews» attestiert hatte, er müsse sich für die Stichwahl im Gegensatz zu Sarasin nicht neu erfinden: Biagini trägt nun Jackett und Hemd, hellbraun und weiss, sehr zurückhaltend in der Wahl der Farben, als sei er noch nicht ganz in der ungewohnten Kleidung angekommen.
Unser Eindruck: Beide wirken ein wenig fremd in ihrer Garderobe, man könnte fast sagen verkleidet. Der Eine plötzlich casual, der Andere förmlich: Rollentausch im Kostümverleih?
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1 KOMMENTAR
Danke für diesen amüsanten Beitrag. Bei Herrn Biagini geht es auch farblich in Richtung des noch amtieren Gemeindepräsi Ullmann gleicher Parteicouleur, auch er bevorzugte ein eher beiges Outfit.