«Ich lasse nicht locker, bis ich durchblicke»

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8. Mai 2026 – In den neuen Schulpfleger Andy Tschopp setzen viele grosse Hoffnungen. Was will er innerhalb des Gremiums ändern, wo sieht er Schwachstellen in der Schule und wie stellt er sich den neuen Schulpräsidenten im Idealfall vor? Wohltuend: da nimmt einer kein Blatt vor den Mund.

Andy Tschopp (Foto: zVg)
Andy Tschopp (Foto: zVg)

INTERVIEW: BARBARA LUKESCH

Andy Tschopp, wie war die Resonanz auf deine Wahl als Schulpfleger?

Gross, viel grösser als ich erwartet habe. Ich habe viele Zuschriften bekommen, vor allem natürlich Gratulationen, dazu auch Wünsche und Erwartungen, was sich die Leute von mir als Schulpfleger erhoffen.

Hast du das Gefühl, dass viele der mehr als 1600 Personen, die dich gewählt haben, klare Erwartungen an dich haben?

Absolut. Ich habe ja im Wahlkampf pointierte Aussagen zu verschiedenen Themen gemacht, zu denen ich stehe und auf die man mich gern behaften kann.

Zum Beispiel?

Aus vielen Gesprächen mit Lehrpersonen weiss ich, dass deren Zufriedenheit noch deutlich gestärkt werden kann. Es braucht bessere Kommunikation, mehr Transparenz, klarere Führungsstrukturen. Das steht ja auch in der Schulevaluation. Oder: Im Bereich Digitalisierung, ein Bereich, den ich als Informatiker besonders gut beurteilen kann, sind wir in der Schule Zollikon noch nicht da, wo wir sein könnten. Sowohl in der täglichen Anwendung, aber auch bei der Prävention im Bereich der Sozialen Medien.

Wie ist es dir während dem Wahlkampf gelungen, deine Ideen und Vorstellungen als neuer Kandidat unter die Leute zu bringen?

Ich glaube, ein gewisser Anteil der Leute, die mich gewählt haben, kennt mich schon lange und weiss, beispielsweise aus meiner Arbeit im Elternrat, dass ich vertrauenswürdig bin und tatsächlich so handle, wie ich es ankündige. Dazu hat mir meine Website viel Präsenz verschafft und mir unerwartet viele Aufrufe beschert. Das hat mich sehr gefreut, denn dort habe ich eine Zusammenfassung der 200 Seiten dicken Schulevaluation publiziert plus Lösungsvorschläge zu den wichtigsten Themen. Wertvoll war auch die Berichterstattung in den Zolliker Lokalmedien.  

Wieviel Geld hast du dir den Wahlkampf kosten lassen?

Einen fünfstelligen Betrag, den ich zum allergrössten Teil selber bezahlt habe. Einige wenige Zuwendungen haben mich sehr gefreut.

Du bist zwar bereits als Schulpfleger gewählt, trittst dein Amt aber erst am 1. Juli an. Wie bereitest du dich darauf vor?

Momentan läuft noch nichts Grosses. Von der Gemeinde habe ich ein Gratulationsschreiben bekommen mit einem ziemlich ausführlichen Pflichtenheft. Das lese ich dann, bevor es losgeht, damit ich weiss, wie man sich korrekt verhält. Aktuell kümmere ich mich vor allem darum, noch zwei, drei Aufgaben abzuschliessen, die im Elternrat hängig sind.

Aufgaben welcher Art?

Mir ist es ein grosses Anliegen, die Zusammenarbeit von Elternrat und Schulpflege zu verbessern. Daran hat es in den letzten vier Jahren eindeutig gefehlt, nicht zuletzt, weil die Schulpräsidentin Claudia Irniger im Zuge der Rüterwis-Krise an einer Sitzung öffentlich verkündet hat, dass sie den Austausch mit dem Elternrat als abgeschlossen betrachte. Das sehe ich klar anders. Meiner Meinung nach sollten die Stimmen der Eltern als von der Schule direkt Betroffenen gehört und ernstgenommen werden. Dazu steht im Volksschulgesetz ausdrücklich, dass sich der Elternrat an der Weiterentwicklung der Schule beteiligt. Diese Aufgabe konnten wir unter den herrschenden Verhältnissen zu wenig wahrnehmen.

Die Weiterentwicklung der Schule ist für dich generell ein wichtiges Anliegen. Auch im Wahlkampf hast du deutlich gemacht, dass die Option «Weiter wie bisher» für dich als neuer Schulpfleger nicht in Frage kommt.

«Weiter wie bisher» heisst in meinen Augen, dass man bekannte Schwachstellen nicht anerkennt, ja, sich ihnen regelrecht verweigert. Das führt zu nichts anderem als Stillstand. Und Stillstand ist für mich per se Rückschritt. Also müssen wir uns weiterentwickeln und Veränderungen zulassen, nicht um der Veränderungen willen, sondern weil sie sinnvoll und nötig sind.

Inwieweit hat dir dein Engagement im Elternrat Einblicke eröffnet, wie die Schule und ihre Gremien funktionieren, aber auch wo es noch Problemzonen gibt?

Sicher hat es mir einen guten Einblick in die gesamte Schulorganisation verschafft. Ich sehe viel klarer, was gut funktioniert und was nicht. Ein Beispiel: Ich finde, dass die Lehrpersonen in der Schule Zollikon einen hervorragenden Job machen. Das weiss ich aus Gesprächen mit vielen Eltern, aber auch als Vater einer Drittklässlerin, die im Rüterwis in die Schule geht. Ausdrücklich gelobt wird deren Kommunikation mit den Eltern. Sobald man aber auf die Ebene Schulleitung, Leiter Bildung und Schulpflege kommt, wird es schwierig mit der Kommunikation. Dann gibt es entweder keine Informationen oder höchstens schwammige oder unpräzise.

Hast du dazu ein Beispiel?

Bis zum 31. März müssen alle Lehrpersonen, die eine Schule verlassen wollen, ihre Kündigung eingereicht haben. Das ist ein entscheidender Tag für die Schule, aber auch von grosser Bedeutung für die Eltern und ihre Söhne und Töchter. Logisch sind alle brennend daran interessiert, welche Lehrpersonen bleiben und welche gehen. Da könnte man ja erwarten, dass das Thema Personal in der anfangs April stattfindenden Sitzung der Schulpflege behandelt wird. Im Protokoll steht nun aber nichts dazu, kein Wort. Also gehe ich davon aus, dass es nicht besprochen wurde. Oder doch? Keine Ahnung. Dieses Beispiel macht deutlich, dass es dringend eine bessere Kommunikation und viel mehr Transparenz braucht. Warum wird nicht zeitnah darüber informiert, was spätestens am 31. März klar geworden ist? Warum hält man die Protokolle so knapp, ja, nichtssagend, dass es sinnlos ist, diese überhaupt zu lesen? Wozu diese Geheimniskrämerei?

Du hast deine Tochter erwähnt. Inwieweit wird die Tatsache, dass sie in Zollikon in die Schule geht, deine Arbeit als Schulpfleger beeinflussen oder gar beeinträchtigen?

Darüber habe ich mit meiner Frau im Vorfeld der Wahlen gesprochen. Mein Amt als Schulpfleger darf keinerlei negative Auswirkungen auf unsere Familie haben. Wir werden beispielsweise nicht beim Nachtessen politisieren. Falls ich meine Frau einmal um ihre Meinung zu einem Schulthema  bitten möchte, wird das in Abwesenheit unserer Tochter passieren. Ich will sie überhaupt nicht politisch beeinflussen und mit Informationen belasten, mit denen sie als Kind nichts anfangen kann. Das ist die eine Seite. Die andere betrifft den Umgang der Lehrpersonen mit ihr. Ich hoffe einfach, dass alle Lehrpersonen, die mit ihr zu tun haben, sie genauso behandeln wie alle anderen Kinder auch. Sie darf keine Ausnahme sein, nur weil ihr Vater Schulpfleger ist.

Lass uns nochmals über die Krise im Rüterwis reden. Es ist ja wichtig, dass man sich bewusst ist, was damals schiefgelaufen ist, um solche Erschütterungen eines ganzen Teams und Hunderter von Eltern künftig zu vermeiden. Du hast dich damals im Rahmen einer sechsköpfigen Elternguppe stark exponiert.

Man kann die Rüterwis-Krise gut an einem alten Sprichwort festmachen: «Wo Rauch ist, ist auch Feuer». Wenn man solche Warnsignale, von denen es ja einige wie den Protestbrief von knapp 20 Lehrern gab, nicht wahr- und ernstnimmt, braucht es nur einen kleinen Luftzug, der das Feuer dann richtig entfacht. Die zentrale Lehre für mich heisst also: Die Schulpflege muss in Kontakt mit den Lehrpersonen sein, ihnen zuhören, ihre Aussagen ernstnehmen und bei Bedarf schnell handeln. Die Lehrerinnen und Lehrer sind unser wichtigstes Kapital, sie stehen an der Front, meistern den Schulalltag und wissen, wenn sich irgendwo eine Krise abzeichnet. Diese Haltung wird meine Amtszeit prägen: Wenn ich etwas Beunruhigendes höre, werde ich dem nachgehen und nicht lockerlassen, bis ich durchblicke.

Die Schulpflege ist künftig etwas anders zusammengesetzt: nach wie vor drei FDP-Mitglieder, nur noch zwei Vertreterinnen vom Forum 5W, ein GLP-Mitglied und du als Parteiloser. Glaubst du, dass es euch gelingt, die Blockade, die die Schulpflege jetzt während nahezu vier Jahren beeinträchtigt hat, zu lösen?

Ich bin überzeugt, dass das stark davon abhängt, wie sich der künftige Präsident präsentiert. Falls er die nötige Offenheit zeigt und auch vorlebt, transparent kommuniziert sowohl intern wie nach aussen, mehr für den Teamgedanken tut, statt den Rückzug der einzelnen in ihre je eigenen Bereiche hinnimmt, kann es sicher gut, auf jeden Fall viel besser werden. Versteckt er sich wie seine Vorgängerin, bleibt alles beim Alten.

Du hast im Wahlkampf Rui Biagini unterstützt. Würdest du es vorziehen, wenn er zum Präsidenten gewählt wird?

Bei ihm sehe ich die grösste Chance, dass es einen Kurswechsel gibt, also kein «Weiter wie bisher». Ich erachte aber auch David Sarasin als versierte Führungsperson. Er ist mir bisher einfach zu wenig konkret in seinen Äusserungen, aber das kann sich ja ändern. Letztlich will und muss ich mit demjenigen zusammenarbeiten, der gewählt wird, und ich bin überzeugt, dass ich das auch kann. Es ist kein Zufall, dass ich als Parteiloser angetreten ist. Mir geht es um die Sache; ich will Probleme lösen und rede mit allen, die auch daran interessiert sind, egal in welcher Partei sie sind.

Das Interview fand kurz vor den Frühlingsferien statt.

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