Im Zolliker Wald ist tierisch was los

0 KOMMENTARE

25. Mai 2022 – Henrys Geissblatt bereitet dem Zolliker Förster Arthur Bodmer Bauchschmerzen. Die wild wuchernde asiatische Kletterpflanze erstickt ganze Waldpartien. In einem befristeten Pilotversuch sollen nun kroatische Turopolje-Schweine dem Geissblatt den Garaus machen.

Vom Geissblatt überwucherter Wald
Vom Geissblatt überwucherte Partie im Zolliker Wald (Fotos, Video: rs, zvg)

Die Turopolje-Rasse hat Schwein gehabt. Im Jahr 1352 am ungarischen Königshof erstmals erwähnt, wären die schwarz-weissen Paarhufer 1991 im Kroatienkrieg beinahe ausgerottet worden. Nur 20 bis 30 Tiere überlebten. Der Wiener Tiergarten Schönbrunn kaufte in der Folge einige zur Nachzucht; Wenig später kam dort das erste Turopolje-Ferkel zur Welt. Inzwischen leben wieder 160 Tiere in Kroatien und einige Hundert in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Zu den Besitzern gehört auch der innovative Küsnachter Landwirt Nils Müller vom Hof «Zur Chalte Hose», der vor vier Jahren mit der gesetzlichen Bewilligung für die Weideschlachtung von Rindern schweizweit Schlagzeilen gemacht hatte. Es ist seine Stimme, die auf dem Video zu hören ist:

Das halbe Dutzend Turopolje weidet, geschützt durch einen doppelten Elektrozaun, in einem Zolliker Waldstück, das vom Geissblatt – lateinisch Lonicera henryi – völlig überwuchert ist. Büsche sind fast vollständig zugedeckt, Bäume werden stranguliert, am Boden ist kein Platz mehr für andere Pflanzen. Das aus Asien eingeschleppte Geissblatt bohrt sich mit seinen Wurzeln tief in den Untergrund und wächst in atemberaubenden Tempo in die Höhe.

Christian Wiskemann, Biologe und Fachberater Naturnetz Pfannenstil, kann es angesichts der Schäden nicht verstehen, warum es nach wie vor erlaubt ist, die Pflanze in Läden zu verkaufen. Sie ist bei Hobbygärtnern beliebt, weil sie schnell wächst und hübsche Blüten treibt. Durch wurzelnde Triebe und Vögel, die Samen verstreuen, breitet sie sich jedoch unkontrolliert aus. Besonders stark im Gebiet Isenbühl unweit des Friedhofs im Zolliker Wald, wie Revierförster Arthur Bodmer bei einer Begehung gestern Dienstag klagte.

Die Schweine sollen es richten

Dem Geissblatt ist kaum beizukommen, weder mit Handarbeit noch mit Maschinen. Die Pflanzen auszureissen, ist ein wahrer Kraftakt. An Bäumen und Büschen halten sie sich eisern fest. Da kamen Wiskemann, Bodmer und Müller auf die Idee mit den Turopolje-Schweinen, die ganzjährig im Freien gehalten werden können, sehr robust sind, gefrässig und resistent gegen Schweinekrankheiten.

Die Tiere sind tagaktiv und schlafen nachts in einem kleinen Unterstand. Sie leben gerne in kleinen Gruppen und gelten als Allesfresser. Die Lebenserwartung beträgt 10 bis 15 Jahre. Eine Bache kann 200 Kilogramm schwer werden, ein Eber bis zu 250. Bis es bei den Zolliker Exemplaren soweit ist, müssen sie allerdings noch eine Menge Geissblätter vertilgen.

Das tun sie nun auf einer Testfläche von 50 mal 50 Metern. Sie sind zutraulich, wenn sie menschlichen Besuch bekommen, vor allem aber höchst interessiert am Geissblatt, das sie grunzend verzehren. Zuerst fressen sie, was über dem Boden wuchert, dann machen sie sich an die Wurzeln. Zurück bleibt eine leere Fläche, auf der das Geissblatt hoffentlich ausgerottet ist.

Der Kanton hat den Einsatz der Turopolje für zwei Jahre bewilligt. Dann wird der Erfolg des Pilotprojekts überprüft. Sollten die Schweine mit dem invasiven Neophyten tatsächlich fertig werden, steht weiteren Einsätzen in den Zolliker Wäldern kaum etwas entgegen. (rs)

Sascha Ullmann mit Turopolje-Schweinen
Keine Berührungsängste: Gemeindepräsident Sascha Ullmann

WIR FREUEN UNS ÜBER IHREN KOMMENTAR

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht